Direkt zum Hauptbereich

Der Tag in Brasilien - Bom dia Brasil

Freitag, Sexta Feira, 30. Oktober 2009

Noch ist es früher Morgen in Brasilien. Die ersten Meldungen des Tages erscheinen im Internet. Im Süden, im Bundesstaat Santa Catarina, scheint die Sonne. Der Tag verspricht warm zu werden. Für die Hauptstadt Florianópolis werden zur Zeit 20 Grad C gemeldet. Den "Diário Catarinense" beschäftigt heute bei den Auslandsnachrichten die Situation in Honduras, wo man sich auf ein Abkommen zur Lösung der Krise nach dem Sturz des Präsidenten geeinigt hat. In Santa Catarina selbst ist man dagegen besorgt über die steigende Kriminalität. "Bewaffnete Überfälle in Florianópolis innerhalb der letzten 10 Jahre um 400% gestiegen" lautet die Schlagzeile. Der Anstieg der Gewalt in der Stadt wird als besorgniserregend bezeichnet. Angekündigt wird, dass am nächsten Dienstag der Finne Toni Antti Juhani Hakala sich vor dem Schöffengericht in Florianóplis wegen Mord an der Tänzerin Elisângela Cordovil Coelho wird verantworten müssen.

Etwas nördlicher in São Paulo haben wir zur Zeit 18 Grad C. Auch in São Paulo, hier ist die "Folha de São Paulo" unser Zeitzeuge, befasst man sich mit dem endlich geglückten Abkommen in Honduras. Wichtiger ist aber die Nachricht, dass sich die brasilianischen Energiekonzerne bei den Elektrizitätsrechnungen kräftig zu ihren Gunsten verrechnet haben. Nach öffentlichem Druck haben sie das auch zugegeben und der Verbraucher kann sich auf eine Erstattung freuen. In São Paulo läuft zur Zeit die 33. Internationale Kinomesse (33a Mostra Internacional de Cinema). Für heute Abend wird mit Spannung die Vorführung des Films "Nova York, Eu Te Amo" (New York, ich liebe dich) mit der Schaupielerin Natalie Portman erwartet.

Von São Paulo geht es nach Rio de Janeiro. Hier regnet es heute mit Temperaturen zwischen 19 und 24 Grad C. Auch für das "Jornal do Brasil" ist natürlich Honduras eine Schlagzeile wert. In Rio selbst schockiert die Meldung, dass im Drogenkrieg im Monat September 82 Personen von der Polizei erschossen wurden, 2,7 Tote pro Tag. Der brasilianische Verkehrsminister wird heute das Startzeichen für die "Nationale Verkehrskampagne" (Campanha Nacional de Trânsito) geben. Mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit sollen die Brasilianer auf die Gefahr des Fahrens unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss, auf eine gute Instandhaltung des Fahrzeugs, Respektierung der Zebrastreifen und auf die Anschnallpflicht auch auf den Rücksitzen hingewiesen werden. Ansonsten gibt der Zustand der Bibliotheken in Rio de Janeiro Anlass zur Sorge. Sie werden von der öffentlichen Verwaltung vernachlässigt und verwahrlosen langsam. Beklagt wird aber auch das mangelnde Interesse der Bewohner Rio's an den Büchereien.

Weiter im Norden, in Salvador / Bahia, berichtet der "Correio" unter dem Titel "Hinrichtung", dass im Ort Ipiaú, ca 330 km von Salvador entfernt, der Polizeichef erschossen wurde. Er war 42 Jahre alt, 2 Schüsse trafen ihn in die Brust. Desweiteren sind die Mücken ein Problem. Sie übertragen das Dengue-Fieber und in Salvador stellt man besorgt fest, dass ein Anstieg der Infektionen um 2,6% zu verzeichnen ist. Und nicht der Erkrankungen genug: Die Zahl der Meningitis-Erkrankungen im Süden Bahia's steigen weiter.

800 km weiter nördlich, berichtet der "Diario de Pernambuco" aus Recife über eine besorgniserregende Entwicklung im Internet. Angeblich tauschen sich auf einer speziellen Twitter-Seite Verkehrsteilnehmer über stattfindenden Polizeikontrollen aus und warnen sich gegenseitig. "Twitteiros fogem da Lei Seca" (Twitternutzer übertölpeln das trockene Gesetz). Das "trockene" Gesetz hat in Brasilien Strafen für Alkoholfahrten erheblich verschärft. Desweitern erregt die Gemüter in Recife der Fall eines Belgiers namens Olivier Xavier Albert Shoonjans, der in der Stadt Fussgänger überfahren hatte. Eine Frau wurde dabei getötet, eine weiter und 1 Kind schwerverletzt. Die Polizei hatte den Mann nach Hinterlegung einer Kaution laufen lassen und der Volkszorn verlangt jetzt seine sofortige Inhaftierung. Das Wetter in Recife: Temperaturen zwischen 25 und 29 Grad.

Am Amazonas, in Belém do Pará beschäftigt man sich mit dem Streik der Finanzbeamten des Bundesstaates von Pará. Laut "Diário do Pará" hat ein Richter jetzt den Streik verboten. Falls das Verbot nicht befolgt wird, wird eine kräftige Geldstrafe fällig. Im Amazonasgebiet ist zudem ein Flugzeug verschwunden. Das Flugzeug war in Cruzeiro do Sul (Bundesstaat Acre) gestartet und gab nach 58 Minuten Flug ein Notsignal ab. 11 Personen waren an Bord. Das Flugzeug ist bisher nicht gefunden worden. Zur Zeit ist es Belém sonnig bei 25 Grad C.

Reblog this post [with Zemanta]

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Aufs falsche Pferd gesetzt: Eukalyptus in Galicien

Wer den Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela wandert kommt an Wälder vorbei, die so gar nicht in diese Landschaft passen. Es sind Eukalyptus Plantagen,  die dieser doch wasserreichen und sehr grünen Landschaft in weiten Bereichen einen desolaten Aspekt geben. 
Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben.  Die Zellulosefabrik ENCE in der Nähe der Stadt Pontevedra erhielt weitreichende Anbau-Konzessionen. Im letzten Jahr wurden die Konzessionen für das Unternehmen um 60 Jahre verlängert und gleichzeitig die Produktionserlaubnis für ein Biomasse Kraftwerk erweitert. 
Der Blogger "Mendigo" gibt dem Protest dagegen eine wütende Stimme:
Sind unsere Mülldeponien ein riesiges Problem? Einige Betroffene Hektar Land in Galicien? Das ist kompletter Unsinn! Auf …

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…