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Die Securitate, Herta Müller und die Banater Schwaben

Die Zeitung "Adevarul" hat heute die Fotokopie eines Schreibens der Securitate des Kreises Timis aus dem Jahre 1987 veröffentlicht. Das Schreiben war an das rumänische Innenministerium gerichtet und enthielt "streng geheime" (strict secret) Informationen über die Banater Schriftstellergruppe um Richard Wagner, Herta Müller und Wilhelm Totok.

Über Herta Müller hatte die Securitate folgendes zu berichten:

"Bezüglich Herta Müller werteten wir insbesondere einige Aspekte des Inhalts ihres Werkes "Niederungen" aus, ein Werk das bei uns 1982 veröffentlicht wurde und danach in der Bundesrepublik Deutschland. Neben Herabwürdigungen unseres Staates beschreibt sie verschiedene Sitten und Unsittlichkeiten, die in den Kreisen der Bürger deutscher Nationalität im Banat herrschen. Deswegen wurden umgehend Massnahmen gegen Herta Müller ergriffen, nachdem das Werk erschienen war, unter Bezug auf besagte negative Sitten und Charakteristika, die, auch wenn sie nicht der Wirklichkeit entsprechen, offensichtlich von ihrer Natur her dazu gedacht sind, den Stolz der Bürger deutscher Nationalität zu verletzen und sie gegenüber den anderen Nationalitäten als inferior herabzusetzen. Diese Ideen aus dem Werk von Herta Müller wurden im Land verbreitet und in der B.R. Deutschland und zwar durch Kontaktaufnahme und Beeinflussung von Personen, die den Pass zur endgültigen Ausreise bekommen haben.

Gleichzeitig wurde Müller Herta und ihrem Ehemann Wagner Richard die Genehmigung zu einer zeitlich begrenzten Reise in den Jahren 1984 - 1985 in die Bundesrepublik Deutschland gewährt.

Im Hinblick auf die vorgenommenen Massnahmen hat es einige Reaktionen im Rahmen der deutschen Auswanderung gegeben. So im Jahre 1984 als der Westdeutsche Kuhkl Peter sich mit einem Schreiben an den so genannten Wissenz Franz in Nitzkidorf wandte und unter anderem schrieb: "....Herta hat ein Spiel mit ihren Mitbürgern gemacht und für einen sehr kleinen Preis Jubel bei ihnen ausgelöst. Ich gehe oft zu Konferenzen, bin in einigen Vereinen und überall habe ich nur Gutes über uns und unsere Gleichgesinnten gehört, aber das was Herta gemacht hat verschlägt ihnen den Atem."

Der Berichterstatter der Securitate lässt sich dann darüber aus, dass Herta Müller bei ihrem Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland von einigen Personen als Mitarbeiterin der Securitate verdächtigt wurde, weil sie die Möglichkeit zu einer Reise nach Deutschland hatte, was eigentlich nur Privilegierten zustehe. Die Securitate habe sie nur ausreisen lassen, damit sie die Deutschen in Rumänien diffamiere. Einen ähnlichen Tenor sollen auch einige Publikationsorgane der deutschen Auswanderer angeschlagen haben.

Der Berichterstatter fährt fort:
"Im Gefolge der ergriffenen Massnahmen wurden die Positionsarbeiten gegen Herta Müller ausgeweitet und ich kenne den Umfang. ......"

Er zitiert dann die Quelle "Wagner", die im September/Oktober 1986 in Deutschland war und berichtete, dass Herta Müller in Kreisen der Auswanderer sehr kritisiert würde wegen des Inhaltes ihres Buches "Niederungen", wo sie einige "hässliche und unwahre" Dinge geschrieben habe und dass diejenigen, die ihr in der B.R. Deutschland Preise gegeben hätten, Verrückte seien, die aus ihrem Holze geschnitzt seien.

Und weiter:
"In den letzten Monaten des Jahres 1986 wurden an Herta Müller aus der B.R. Deutschland Material geschickt, bei dem ein Blatt Papier dabei war, auf dem 22 Personen unterschrieben haben und auf dem steht: "In Deutschland sind sie unerwünscht. So etwas über das Banat zu schreiben, ist eine Schande." Ein E. Gross hat geschrieben: "Ihre Bücher sollten verbrannt und sie ins Gefängnis geworfen werden. Bleiben sie dort, wo sie sind, in Deutschland ist kein Platz für sie.""

Am 22. Oktober 1988 verfasste die Securitate einen Massnahmeplan (Plan de Masuri). Es sollten Massnahmen der Zügelung und Entmutigung von Herta Müller, Richard Wagner, Wilhelm Totok und Helmut Frauendorfer vorgenommen werden, da sich die Betroffenen nach ihrer Ausreise aus Rumänien weiterhin feindlich verhalten hätten und positive Einflussnahmen auf sie keine Erfolge gezeitigt hätten. Ziel sei es jetzt die Betroffenen innerhalb der ausgewanderten Deutschen aus Rumänien zu isolieren.

Scheinbar konnte sich da die Securitate berechtigte Hoffnungen machen, dieses Ziel zu erreichen. Die ausgewanderten Deutschen haben hier Hand in Hand mit der Securitate gearbeitet, um Landsleute mit eigenen Meinungen mundtot zu bekommen. Daran sollte man heute bei all dem Jubel um den Literaturnobelpreis für Herta Müller denken.

Anmerkung: Ich hoffe, dass ich das verquaste Bürokratenrumänisch der Securitate in allen Punkten richtig wiedergegeben habe!

Informationsquelle: Adevarul, Mărturiile fostului soţ al Hertei Müller (Artikel mit Fotokopie des Securitate-Schreibens)

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