Donnerstag, 15. Oktober 2009

Klaus Johannis und der kalte Wind der rumänischen Politik

Nach der Abwahl der Regierung des Ministerpräsidenten Boc durch ein Misstrauensvotum, ist Bewegung in die rumänische Politik gekommen. Staatspräsident Băsescu musste einen neuen Ministerpräsidenten ernennen. Und einer der heissesten Favoriten war plötzlich der Siebenbürger Sachse Klaus Johannis. Johannis ist Bürgermeister der Stadt Sibiu mit dem deutschen Namen Hermannstadt. Er ist auch Mitglied des "Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR)". Das DFDR wurde 1989 als die politische Vertretung der Rumäniendeutschen gegründet.

Es ist nun doch vorläufig anders gekommen. Staatspräsident Băsescu hat sich für den Wirtschaftsspezialisten Lucian Croitoru entschieden. Er hat allerdings Klaus Johannis auf eine "spätere Zusammenarbeit" vertröstet. Vielleicht will er damit Johannis ruhig stellen, denn man spekuliert bereits, ob Johannis nicht für das Präsidentenamt kandidieren solle. Die Präsidentschaftswahlen finden im November statt und Băsescu kandidiert erneut für dieses Amt.

Trotzdem hat die Aussicht auf das Amt schon gezeigt, dass die Luft in Bukarest für Johannis rau werden könnte. Die Internet-Seite von "Gandul" berichtet noch vor der Entscheidung von Băsescu: "Ein ethnischer Deutscher mit Hang zu grossen Politik. 88% Bürgermeister. Er hat sich 6 Häuser gekauft."

Die 6 Häuser sollen das Bild von Johannis als Ehrenmann ankratzen. Erst einige Absätze weiter und kleingedruckter wird man konkreter: "Entsprechend der Erklärung über sein Vermögen, hatte Johannis im August 2009 sechs Immobilien, genauer gesagt 3 Wohnungen und 3 Häuser, alle in der Gemeinde Sibiu / Hermannstadt. Alle wurden von ihm gekauft. Zum heutigen Zeitpunkt hat der Bürgermeister von Sibiu ein Guthaben bei der BCR (rumänische Handelsbank) in Höhe von ungefähr 1,4 Milliarden alten Lei. Er hat weder ein Auto noch Aktien in irgendeiner Firma."

Das hört sich doch schon etwas anders an. Greift man aber auf alte Lei zurück, um die Summe sexier zu machen? Um auf den "neuen Lei" zu kommen, muss man die Summe nämlich durch 10.000 teilen. Dann sind das plötzlich nur noch 14.000 neue Lei. Das wären etwa 3.400 Euro. Johannis wäre dann weder Milliardär noch Millionär.

In einer solchen Atmosphäre müsste Johannis rumänische Politik betreiben. Dazu bräuchte er starke Nerven, denn die rumänische Öffentlichkeit kann einfach nicht glauben kann, dass es wirklich einen rumänischen Politiker gibt, der sich die Hände noch nich schmutzig gemacht hat.

Informationsquelle: Gandul, Un etnic german cu lipici la politica mare und Lucian Croitoru, premierul desemnat de Băsescu. Iohannis, sunat de preşedinte pentru o "colaborare de viitor"

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