Donnerstag, 17. Januar 2013

Leute, haltet euch fest, jetzt sprechen wir über die Sexualität wie Gott sie uns befiehlt

Unter diesem Thema bietet das Bistum von Alcalá de Henares Studenten der Universität von Alcalá einen Kurs an. Was “Gott uns als Sexualität befiehlt” wird nicht näher definiert, wohl aber die Formalien. Die Kurse sollen in der Zeit von Februar bis Juli stattfinden und beginnen mit einem Gespräch “mit Fragen” von ungefähr 45 Minuten und danach geht es in die Kapelle, wo noch 45 Minuten gebetet werden soll.

Der Bischof von Alcalá, Juan Antonio Reig Plà, ist ein verbissener Kämpfer gegen Abtreibung, Homosexuelle und Lesben. Die Homosexualität führt nach seinen Ausführungen auf dem direkten Weg in die Hölle. Aber sie sei “heilbar”. Auf der Kanzel scheint dies sein Lieblingsthema zu sein. Für die Schizophrenität des Herrn Bischofs spricht, dass er im Gegenzug für die priesterlichen Päderasten in seinem Bistum Verständnis hat. Einem zu 10 Jahren Gefängnis rechtskräftig verurteilten Priester, der ein minderjähriges Mädchen mehrfach vergewaltigt hat und der sich jetzt im offenen Vollzug befindet, hat er fürsorglich eine Wohnung für den Gefängnisurlaub besorgt.  Reig Plà hat es mit seiner Kampagne mehrfach in die Schlagzeilen der spanischen Medien gebracht. Vor einem Jahr hatte sein Bistum einen Führer herausgegeben mit Ratschlägen zur Heilung der Homosexualität. Darin wird den Betroffenen vorgeschlagen die Bibelstellen zu lesen, die gegen die “Perversen” geschrieben wurden. In einer weiteren Predigt richtete er sich gegen Menschen, die, durch die öffentliche ideologische Meinung geprägt, meinten, sie hätten eine Orientierung zum eigenen Geschlecht. “Manchmal korrumpieren und prostituieren sie sich nur um ihre Orientierung zu beweisen oder gehen in Nachtclubs für Männer. Ich versichere euch, dass sie in die Hölle kommen werden”, gab der Bischof zum Besten.

Es ist also wohl klar, wohin die Reise geht mit den angebotenen Kursen über Sexualität geht. Dass sich viele Studenten und Studentinnen dafür begeistern werden, ist nicht anzunehmen. Die vorgestrigen Rezepte sind keine Hilfe im heutigen Alltag. Die Kommentare in der Internet-Zeitung “Público” sind in dieser Beziehung mehrheitlich eindeutig ablehnend. Die spanische Kirche schreibt man im Bereich der Sexualität keine Kompetenz mehr zu oder wie es ein Kommentator ausdrückt: “Um es kurz zu machen: Was verstehen diese Typen von Sexualität, wenn sie diese nicht praktizieren?”

Statt ihre Gläubigen mit dem Sünden-Gerede zu terrorisieren und über den Einfluss auf die staatlichen Stellen zu versuchen, die Entwicklung eines laizistischen Staates zu verhindern, sollten sie die Schandtaten der vergangenen Jahre aufklären und Reue zeigen. Auch in der spanischen katholischen Kirche gibt es einen Päderasten-Skandal und der Skandal um die ledigen Müttern gestohlenen Kinder ist von der Botschaft Jesu hergesehen eine wesentlich größere Sünde als die Tatsache, dass jemand homosexuell ist. Aber so ist es halt, wenn kirchliche Vertreter sündigen, dann ist alles nur halb so schlimm.

Siehe auch:
Der Stellvertreter, die Katastrophe und die soziale Wirklichkeit
Kinderhandel und Missbrauch im Namen Gottes
Informationsquelle
La sexualidad, como Dios manda – Público