Montag, 7. Januar 2013

Kirchen-Posse um einen verdienten toten Kulturschaffenden in Bukarest

“Er hat die Volkskultur wie kein anderer in den letzten 50 Jahren geprägt. Er hat die Geschichte bis zur Karikatur mystifiziert und die nationalen Mythologien geschaffen, die bis heute im kollektiven Gedächtnis hängen geblieben sind. Er war ein treuer Diener des kommunistischen Regimes und wurde zum wirkungsvollsten Propagandavertreter des nationalkommunistischen Systems von  Nicolae Ceauşescu. Er hat gegen das neue rumänische Kino gekämpft. Ein schwache Persönlichkeit, gewissenlos und mit einer kaputten Moral”, schreibt der Journalist Cristian Campeanu in der Zeitung “Romania Libera”. Es geht um Sergiu Nicolaescu, Filmregisseur mit Blütezeit zur Zeiten des Diktators Nicolae Ceausescu, der am 3. Januar im Alter von 83 Jahren gestorben ist.

Sein Leichnam sollte jetzt beigesetzt werden. Nicolaescu hatte sich gewünscht, dass sein Leichnam verbrannt wird. Das ist aber nicht so einfach, wenn man ein nationales Denkmal ist und auch noch die Orthodoxe Kirche Rumäniens ihre Finger im Spiel hat. Sein Leichnam wurde bis vergangenen Samstag im Militärclub in Bukarest aufbewahrt, so seine Bewunderer Abschied von ihm nehmen konnten. Einige dieser Fans haben sich darüber aufgeregt, dass Nicolaescu verbrannt werden sollte. Einige unter ihnen sollen dabei verrückt gespielt  haben und lauthals ein “christliches Begräbnis” des Regisseurs verlangt haben. Andere wieder haben beklagt, dass der Sarg nicht offen war, sondern mit dem Deckel drauf. In Rumänien ist es teilweise noch Sitte, dass der Sarg offen bis zum Friedhof transportiert wird.

Die Orthodoxe Kirche Rumäniens verurteilt die Verbrennung eines Leichnams. Wenn es nach ihrem vorgestrigen Weltbild geht, dann muss der Körper der oder des Toten begraben werden. Die Schwester des Verstorbenen berichtet über ihrer Erfahrung bei der Kollision zwischen dem Wunsch des Toten und der Abhaltung eines Beerdigungsgottesdienstes: “Adrian Sarbu (ein Fernsehjournalist) hat einen Gedenkgottesdienst verlangt. Er hat erklärt, dass er ein guter Freund meines Bruders sei und er wolle, dass er zur Caşin-Kirche gebracht wird. Das sind die Vorstellungen vorgestriger Orthodoxer. Die Katholiken sind nicht so. Er wollte eingeäschert werden. Irgendein Priester hat mich angerufen und mich getadelt. Für jemand, der sich selbst getötet hat, kann man einen Gottesdienst machen, aber für jemanden, der normal gestorben ist und eingeäschert werden will, ist das nicht möglich! Ist denn mein Bruder ein Bettler? Nur weil er Angst davor hatte begraben zu werden, so dass ihn die Würmer fressen?”

Eigentlich dürfte es für einen Altkommunisten ziemlich egal sein, ob ein Pope bei seiner Beerdigung dabei ist. Die orthodoxe Kirche in Rumänien maßt sich inzwischen Kompetenzen an, die nicht zu einem weltanschaulich neutralen Staat passen. Die Seele eines Verstorbenen ist dabei ziemlich egal, wenn es um irgendein Machtspielchen geht. Dass man auch “Eingeäscherte” christlich betreuen kann, hatte sie schließlich bewiesen, als die ebenfalls eingeäscherte Ceausescu-Tochter Zoe beigesetzt wurde.

Siehe auch:
Ihre Scheinheiligkeit war IM

Informationsquelle
Acuzaţii HALUCINANTE la crematoriul Vitan unde a fost incinerat trupul lui Sergiu Nicolaescu – Romania Libera