Direkt zum Hauptbereich

Kirchen-Posse um einen verdienten toten Kulturschaffenden in Bukarest

“Er hat die Volkskultur wie kein anderer in den letzten 50 Jahren geprägt. Er hat die Geschichte bis zur Karikatur mystifiziert und die nationalen Mythologien geschaffen, die bis heute im kollektiven Gedächtnis hängen geblieben sind. Er war ein treuer Diener des kommunistischen Regimes und wurde zum wirkungsvollsten Propagandavertreter des nationalkommunistischen Systems von  Nicolae Ceauşescu. Er hat gegen das neue rumänische Kino gekämpft. Ein schwache Persönlichkeit, gewissenlos und mit einer kaputten Moral”, schreibt der Journalist Cristian Campeanu in der Zeitung “Romania Libera”. Es geht um Sergiu Nicolaescu, Filmregisseur mit Blütezeit zur Zeiten des Diktators Nicolae Ceausescu, der am 3. Januar im Alter von 83 Jahren gestorben ist.

Sein Leichnam sollte jetzt beigesetzt werden. Nicolaescu hatte sich gewünscht, dass sein Leichnam verbrannt wird. Das ist aber nicht so einfach, wenn man ein nationales Denkmal ist und auch noch die Orthodoxe Kirche Rumäniens ihre Finger im Spiel hat. Sein Leichnam wurde bis vergangenen Samstag im Militärclub in Bukarest aufbewahrt, so seine Bewunderer Abschied von ihm nehmen konnten. Einige dieser Fans haben sich darüber aufgeregt, dass Nicolaescu verbrannt werden sollte. Einige unter ihnen sollen dabei verrückt gespielt  haben und lauthals ein “christliches Begräbnis” des Regisseurs verlangt haben. Andere wieder haben beklagt, dass der Sarg nicht offen war, sondern mit dem Deckel drauf. In Rumänien ist es teilweise noch Sitte, dass der Sarg offen bis zum Friedhof transportiert wird.

Die Orthodoxe Kirche Rumäniens verurteilt die Verbrennung eines Leichnams. Wenn es nach ihrem vorgestrigen Weltbild geht, dann muss der Körper der oder des Toten begraben werden. Die Schwester des Verstorbenen berichtet über ihrer Erfahrung bei der Kollision zwischen dem Wunsch des Toten und der Abhaltung eines Beerdigungsgottesdienstes: “Adrian Sarbu (ein Fernsehjournalist) hat einen Gedenkgottesdienst verlangt. Er hat erklärt, dass er ein guter Freund meines Bruders sei und er wolle, dass er zur Caşin-Kirche gebracht wird. Das sind die Vorstellungen vorgestriger Orthodoxer. Die Katholiken sind nicht so. Er wollte eingeäschert werden. Irgendein Priester hat mich angerufen und mich getadelt. Für jemand, der sich selbst getötet hat, kann man einen Gottesdienst machen, aber für jemanden, der normal gestorben ist und eingeäschert werden will, ist das nicht möglich! Ist denn mein Bruder ein Bettler? Nur weil er Angst davor hatte begraben zu werden, so dass ihn die Würmer fressen?”

Eigentlich dürfte es für einen Altkommunisten ziemlich egal sein, ob ein Pope bei seiner Beerdigung dabei ist. Die orthodoxe Kirche in Rumänien maßt sich inzwischen Kompetenzen an, die nicht zu einem weltanschaulich neutralen Staat passen. Die Seele eines Verstorbenen ist dabei ziemlich egal, wenn es um irgendein Machtspielchen geht. Dass man auch “Eingeäscherte” christlich betreuen kann, hatte sie schließlich bewiesen, als die ebenfalls eingeäscherte Ceausescu-Tochter Zoe beigesetzt wurde.

Siehe auch:
Ihre Scheinheiligkeit war IM

Informationsquelle
Acuzaţii HALUCINANTE la crematoriul Vitan unde a fost incinerat trupul lui Sergiu Nicolaescu – Romania Libera

Beliebte Beiträge

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Aus der Hölle für Schweine frisch auf den europäischen Tisch

"Die Misshandlung der Tiere ist weit verbreitet im Sektor der spanischen Schweinezucht. Die Tiere werden nicht als Lebewesen, sondern als Ware behandelt", schreibt die Journalistin Esther Vivas. In ihrem Meinungsbeitrag, den ich nachstehend übersetzt wiedergebe, schildert sie in der Zeitung "El Periódico" die Zustände in der spanischen Schweinezucht und -verarbeitung:

Wir leben in einem Land von Schweinen, das ist wörtlich zu verstehen. In Spanien werden jedes Jahr 46 Millionen dieser Tiere geopfert, eines pro Einwohner, die höchste Zahl in ganz Europa. Fleisch, das zum größten Teil für den Export bestimmt ist. Die Schweine wachsen und leben unter miserablen Bedingungen hier, zusammengepfercht auf wenig Raum, auf Gitterböden und umgeben von Fäkalien werden sie nie das Licht das Tages sehen. Danach werden sie geschlachtet und weg sind sie. Was lassen sie zurück? Ein Haufen Scheiße. 

Katalonien ist das Gebiet mit den meisten Schweinen in Spanien. Von den 4 Millionen …

3 Jahre Dürre, Spanien entwickelt sich immer mehr zur Wüste

Der staatliche spanische Wetterdienst (AEMET) hat dieser Tage Bilder veröffentlicht, die den Stand der Niederschläge vor 3 Jahren mit denen von heute vergleicht. Es ergibt sich ein klares Bild: Spanien geht immer mehr das Wasser aus. Gab es vor 3 Jahren noch blaue Flecken mit regenreichen Gebieten im Nordwesten, so sind diese inzwischen vollständig verschwunden. Im restlichen Land nimmt die braune Fläche gravierend zu. Ein Zeichen, dass vielen spanischen Regionen das Wasser ausgeht.

Die Zeitung "La Vanguardia" zitiert den Wetterdienst wie folgt:
Technisch gesprochen zeigt das Bild die photosynthetische Aktivität. Es ist nicht so, dass dort wo es 2014 noch Bäume gab, dass es diese nicht mehr gibt, sondern dass es keine grüne Vegetration mehr existiert, weil es nicht mehr regnet. Wir sagen, dass es eine andere Form ist, um die Dürre zu erkennen.

"La Vanguardia" berichtet weiter:
Es ist sicher, dass sich die Dürre immer mehr verschärft. Seit 2015 sind die Quellen des …

Eine spanische Richterin und eine Autonomie, die keine ist

Die Richterin Carmen Lara von der Audiencia Nacional in Madrid hat vor ein paar Tagen ohne zu zögern ein paar katalanische Politiker wegen Veranstaltung eines Unabhängigkeitsreferendums ins Gefängnis gesteckt. Mit welcher Arroganz das passierte kann man daraus entnehmen, dass sie, während die Verteidiger ihre Gegenargumente vorbrachten, mit ihrem Handy spielte. Die Richterin war zuvor schon von der Polizei geehrt worden, weil sie einige Sache in deren Sinne erledigt hatte. Die spanische Justiz verliert ihren guten Ruf, ihre Neutralität muss immer mehr in Frage gestellt werden. Während sie nur teilweise in der Lage ist, die immensen Korruptionsskandale, die vor allem die Regierung betreffen, aufzuarbeiten, ist sie stramm dabei, wenn es darum geht Meinungsäußerungen, die der Regierung nicht gefallen und Unabhängigkeitsbestrebungen in den Regionen zu verfolgen.
Die Festnahme der katalanischen Politiker hat auch bei Menschen, die nicht unbedingt Freunde der Unabhängigkeitsbefürworter sin…