Direkt zum Hauptbereich

Der Müll liegt in Rumänien nicht nur auf der Straße

Andrei Pleșu, geboren 1948 in Bukarest, ist ein rumänischer Philosoph, Kunsthistoriker und Politiker. Von 1997 bis 1999 war Andrei Pleșu Außenminister Rumäniens. Er ist Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Akademien. Für seine politische und literarische Tätigkeit erhielt er zahlreiche Preise. Pleșu schreibt auch für die Zeitung “Adevarul”. Dort hat man ihn jetzt überreden können, einen Blog zu schreiben, obwohl Pleșu meinte, er gehöre einer Generation an, die “aus der Mode und daher für so etwas nicht geeignet sei”.

In seinem neuen Blogbeitrag nimmt er sich der rumänischen Medienwelt an. Und seine Meinung dazu ist vernichtend. Da sie zeigt, wo etwas schief läuft in diesem Land, gebe ich hiermit seine Zustandsbeschreibung, die den Titel “Rumänien in Kniebundhosen” trägt, teilweise wieder:

“Einige, auch seriöse Zeitung setzen in ihr Blatt auf den hinteren Seiten Rubriken wie “Unterhaltung” oder “Diverses”, mit Meldungen über Berühmtheiten des Sports, des Kinos oder der Politik. Bei uns aber hat der Prozentsatz der Tabloidisierung aller Zeitungen und aller Fernsehstationen eine besorgniserregende Quote erreicht. Das Phänomen ist das Symptom eines gefährlichen sozialen, moralischen und intellektuellen Abstiegs. Der gute Geschmack und die gute Wortwahl befinden sich im Koma. An einem guten Teil des Abends leben wir auf allen Fernsehkanälen von Fäkalien. Ganze Stunden und Tage werden wir trainiert, tief im Untergrund des Alltäglichen zu wühlen. Tod, Scheidung, Ehebruch, kleine erotische Eskapaden einiger gehirnlosen Frauen, Vergewaltigung, Verbrechen und Unfälle sind das tägliche Brot der Fernsehproduzenten und schlussendlich des rumänischen Fernsehzuschauers. Man kann buchstäblich sehen wie sie ihren Verstand verlieren. Der ganze Inventar der “Kultur” der Einheimischen scheint zu einer großen Müllhalde verkommen zu sein: Überschlagende Begeisterung für Nationalfeiertage und Beerdigungen, die exzentrischen Abenteuer der Oana Zavoreanu (Schlagersängerin und Schauspielerin). das Schlafzimmer des Paars Bahmuţeanu-Prigoană, Irinel-Monica und Andreea Marin (Fernsehsprecherin) mit Ştefan Bănică (TV-Entertainer), die überbordende Erotik der Polizei Olteniens, die Streitigkeiten innerhalb der Mafiabanden usw. “Das Spezifische” dieser Subjekte zieht natürlich auch eine entsprechende Einladung zu Talk-Shows nach sich: Leute wie Miron Cozma, C.V. Tudor, Condurăţeanu (Journalist), Dan Diaconescu und viele andere habe die politischen Talk-Shows auf einen neuen Tiefpunkt gebracht. Sie geben Geschwätz auf Stammtisch-Niveau von sich und wälzen sich in schwindelerregenden Sentimentalitäten. Abend für Abend spielen sich in verschiedenen Fernsehstudios in Duzbrüderschaft verbundene Mannschaften auf und ziehen uns die Haut vom Kopf, indem der eine versucht den anderen an Mittelmäßigkeit und Streitsucht zu übertrumpfen. Die Politiker benehmen sich mehrheitlich wie Metzger, so ist Gigi Becali zur Stimmer der Nation geworden. Der gute Geschmack, gute Erziehung, Maß, Urteilsvermögen liegen im Koma.”

Es wird Herr Plesu wenig trösten, wenn man ihm sagt, dass in vielen Ländern und nicht nur Rumänien das Niveau der Unterhaltung in den Medien erheblich gesunken ist. Auch in Spanien stöhnt man wegen der niedrigen Qualität der Fernsehprogramme. Dort nennt man das “Telebasura” (Fernsehmüll). Der Begriff hat einen eigenen Eintrag bei Wikipedia, wo Telebasura wie folgt definiert wird: “Fernsehen, das durch die Benutzung des Krankhaften, der Sensationalismus und der Skandale als Strategie versucht, das Publikum anzuziehen.” In beiden Ländern gibt es übrigens keinen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das jeweilige Staatsfernsehen ist ein Spielball der Politik und sind dadurch keine glaubhafte und seriöse Alternative zum Müll der vielen privaten Fernsehkanäle.

Siehe auch:
Rumänische Medien auf der Autobahn zur Hölle

Informationsquelle
România în chiloţi – Adevarul Blog Andrei Plesu

Beliebte Beiträge

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Pulverfass Brasilien

Im Juni 2013 wurde Brasilien von heftigen und gewalttätigen Demonstrationen erschüttert. Ausgangspunkt waren Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr. Die Situation verschärfte sich derart, dass die damalige Präsidentin Dilma Rousseff ihr Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen musste. Der Gewaltausbruch war unerwartet und verbreitete sich in ganz Brasilien in kürzester Zeit. Es wurde versuch,t Amtsgebäude zu stürmen und es gab viele Akte des Vandalismus. Die Polizei wurde nur mühsam Herr der Lage.

 Der Philosoph Vladimir Safatle von der Universität hat jetzt in einem Beitrag zur Zeitung "Folha", dere auch im Blog "Combate Racismo Ambiental" veröffentlicht wurde, seine Befürchtung geäußert, dass diese Ereignisse sich bald in verstärkter Form wiederholen werden und hat die Gründe dafür benannt. Seine Ausführungen gebe ich nachstehend wieder:

Eine der offensichtlichen Züge des oligarchischen Gedankens ist die Form wie das Volk und die Mas…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Die 70 gefährlichsten Straßenkilometer in Spanien lassen die Verantwortlichen kalt

Nach einem Bericht der Zeitung "El Pais" ist die Nationalstraße N-I auf einer Strecke von 70 km zwischen der Stadt Burgos und Miranda die gefährlichste Straße Spaniens. Täglich passieren 10.000 Fahrzeuge, die Hälfte davon Lastwagen, die Straße. Wie kam es dazu? El Pais schreibt:

1974 hat der Staat die Autobahn AP-1 eingeweiht, die von Burgos aus ins Baskenland führt und parallel zur N-I verläuft. Die Nutzung wurde privat geregelt, aber der Staat verpflichtete sich, die Autobahn in 5 Jahren freizugeben. Nach Ablauf dieses Zeitraum und aufgrund der Verzögerung bei den Einnahmen der Maut wurde die private Verwaltung bis 1999 verlängert. Nur 3 Jahre nach dieser Verlängerung wurde diese bis 2003 erweitert. Danach erfolgte eine weitere Verlängerung bis 2017 und jetzt soll sie erst 2018 mautfrei gemacht werden.

Der Autobahnbetreiber ist das Unternehmen Europistas, das eine Maut von 11,85 € für die Strecke von Burgos bis Ameyugo, einem Dorf 20 km vor Miranda del Ebro erhebt. Dies is…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Die Brexit-Mauler wehren sich

Der Brexit, also der per Referendum angestossene Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union, ist für einige Wortneuschöpfungen im Englischen gut. "Brexit" selbst ist so eine Wortneuschöpfung, die sich inzwischen eingebürgert hat. Ein anderes Wort ist "remoaner". Dieses setzt sich zusammen aus "remain" und "moan". Ersteres stellt darauf ab, dass die Anhänger der EU in der EU bleiben wollen - in Englisch "remain" - und "moan" bedeutet "jammern". Der "Remoaner" ist also ein für den Verbleib in der EU jammernder Brite. Wobei ich das Wort "jammernd" eher als "maulend" bezeichnen würde, denn die "Remoaners" jammern nicht passiv und demütig.  Grundsätzlich erwarten die überzeugten Brexit-Anhänger, dass die Gegner endlich das Maul halten und demütig die Regierung bei der Durchführung des Ausstiegs aus der EU unterstützen.

Das Etikett "Remoaner" haben di…