Donnerstag, 23. Februar 2012

Der Terror der Jet-Ski-Angeber bedroht Brasilianer

Am Strand von Bertioga (Bundesstaat São Paulo) in Brasilien wurde am vergangenen Samstag die dreijährige Grazielly Almeida Lames, die am Strand spielte, von einem führungslosen Jet-Ski – bei uns auch Wassermotorrad genannt - überfahren. Auf dem Weg ins Krankenhaus ist sie gestorben. Diejenigen, die die Kontrolle über den Jet-Ski verloren hatten, waren zwei Jugendliche von jeweils 12 und 14 Jahren. 

Scheinbar ist in Brasilien dieser sinnlose und auf Kosten der Mitmenschen gehende “Sport” an den Stränden äußerst populär. Und es scheint ein sehr beliebter Sport bei Neureichen und Angebern zu sein. Gar nicht beliebt ist aber dieses Menschenleben gefährdende Krachvergnügen bei einem Großteil der übrigen Strandbesucher. Journalist Andre Barcinki schreibt in seinem Blog: “Zu wissen, dass ein Kind wegen diesem idiotischen Spielzeug sein Leben verlor und zwei weitere für ihr Leben gezeichnet sind, lässt mich völlig konsterniert zurück. Denn es gibt nichts, was ich mehr auf der Welt hasse als Jet-Ski. Jet-Ski ist schädliches Objekt, ein Symbol für vieles, was ich verachte: Respektlosigkeit, Unverantwortlichkeit, Fehlen von Zivilgeist, Gewalt, Fehlen von Eleganz, Exhibitionismus und Dummheit.”

Diese Ausführungen von Barcinski greift Blogger Fábio Mayer auf. Seine Meinung zu diesem Freizeitvergnügen ist noch vernichtender. Für ihn müsste der Jet-Ski wie ein Jagdbomber, Panzer oder Maschinengewehr behandelt werden. In dieser Sache hat nach seiner Meinung der gesunde Menschenverstand in Brasilien eine Auszeit genommen. “Es gibt niemanden, der nicht begreift, dass ein 14-jähriger kein Jet-Ski oder Auto fahren kann. Trotzdem überlassen die Eltern ihnen die Maschinen mit der gleichen Leichtigkeit, mit der sie tolerieren, dass das Söhnchen sich besäuft. Und wenn sie deswegen befragt werden, dann sagen sie, sie wüssten nicht, was tun sollten oder sie hätten Angst die Gefühle ihres kleinen Monsters zu verletzen oder ihn in seiner Entwicklung zu hindern”, schreibt er empört.

Könnte man diese Entwicklung über den Weg der Justiz durch heftige Strafen eindämmen? Hier ist Fábio Mayer völlig desillusioniert. Er meint: “Die brasilianische Justiz ist schwerfällig und elitär. Streng gegenüber den Armen und mild gegenüber den Reichen. Auf diesem Weg wird der Gesellschaft deshalb bestimmt nicht dieses Spielzeug entzogen. Der Jet-Ski ist nicht wesentlich für das tägliche Leben. Für Niemanden. Wenn sie aus dem Verkehr gezogen würden, würde der Welt eine Gelegenheit für verblödete Angeber entziehen. Das ist nicht angenehm, das gebe ich zu, aber es ist immer noch besser als ständig Nachrichten über Unfälle zu lesen. Unfälle, die die Justiz nicht in den Griff bekommt, weil sie nicht standfest genug gegenüber den gewieften Anwälten ist, um diejenigen zu bestrafen, die aus derselben sozialen Klasse kommen wie sie selbst. Die Wahrheit ist, dass die Justiz den Reichen, die das Geld für einen Jet-Ski haben, mit Wohlwollen entgegen tritt. Ein Wohlwollen, das sie für die Armen und insbesondere die Opfer derjenigen, die eine solche gefährliche Maschine haben und sie als potentes Spielzeug benutzen, nicht haben”.

Der “Jet-Ski” also eine Indikator des Zustandes der brasilianischen Gesellschaft und der Justiz? Auf jeden Fall ein positives Zeichen, dass sich eine Mehrheit gegen das Freizeitvergnügen der Reichen wendet in Erkenntnis, dass das Vergnügen Weniger zu Lasten Vieler geht.

Siehe auch:
Boykottiert Zermatt!

Informationsquelle
Jet ski bom é jet ski no lixo – André Barcinski
OS JET-SKI DO ANDRÉ BARCINSKI – Fábio Mayer