Direkt zum Hauptbereich

Sarkozy hält die Schließung eines Uralt-AKW für einen Skandal

Und er verbreitet dabei weiter das Märchen vom billigen Atomstrom. Der Wahlkampf in Frankreich um die Präsidentschaft läuft an und der bisherige Präsident Nicolas Sarkozy meint, zuerst einmal die französische Nuklearpolitik auf Teufel komm raus verteidigen zu müssen. Seine Reise führte ihn vor kurzem zum ältesten AKW Frankreichs im elsässischen Fessenheim. Vor einem ausgewählten Publikum durfte er dabei die Muskeln spielen lassen, fleißig applaudiert von den Beschäftigten des AKW. “Man braucht die Kraftwerk für die Heizung und die Industrie, das AKW liefert 70% der notwendigen Energie für das Elsass. Wo soll man die sonst finden?”, erklärte er. Abgesehen davon, dass diese Frage auch ein Zeichen der Hilflosigkeit ist – schließlich scheint man sich nie um Alternativen bemüht zu haben – muss Sarkozy natürlich unter diesen Umständen die geforderte Schließung als “Skandal” ansehen. Skandal deswegen, weil sein sozialistischer Herausforderer Hollande erklärt hat, dass er das Werk schließen werde.

Für Sarkozy wollen AKW-Gegner zurück ins Zeitalter der “Kerze”. Dieser Präsident ist nicht in der Lage von einer einmal festgefahrenen Schiene herunter zu kommen, zu sehr ist er der Hampelmann der Frankreich beherrschenden Nuklearindustrie. Deshalb war man auch nicht in der Lage Alternativlösungen zu entwickeln. So muss ein Reaktor, der 1977 für einen 40-jährigen Betrieb ausgelegt wurde laufen bis er vermutlich explodiert. Den Hauptteil einer Katastrophe würden neben dem Elsass, Deutschland und die nahe Schweiz abbekommen. Ein Kommentator in einer elsässischen Zeitung beschreibt die Gedankenwelt der Pariser Zentralisten: “Das AKW ist nicht nur überflüssig, sondern äußerst gefährlich…..Will man das Risiko eingehen, das Elsass von der Karte zu löschen? Aber unser Präsident kümmert das ja nicht. Für ihn leben wir in Deutschland”.

Französische Atomkraftgegner beschreiben die Situation wie folgt: “Jedes Jahr taucht die Frage der Überbeanspruchung unseres Elektrizitätsnetzes mit einer Black-Out-Perspektive für die Bretagne oder die Provence auf. Zurückzuführen ist dies auf eine als naturgegeben angenommene Steigerung des Elektrizitätskonsums, was insbesondere auf die typische Form der Elektroheizung in französischen Haushalten zurückzuführen ist. Deshalb argumentieren die Kernkraftbefürworter immer wieder: Kann man unter diesen Bedingungen die AKW’s schließen? Will man uns zur Rückkehr zur Kerze verdammen?”

Diese Befürworter haben nun zwei neue Themen auf der Leier: “Wie können wir in diesem Winter unsere AKW’s schließen, wenn die Deutschen, diese Egoisten, die Hälfte ihres Nuklearparks geschlossen haben? Wenn AKW’s in Frankreich auf Grund von Wahlentscheidungen geschlossen werden, wie wollen wir dann unsere Wohnungen heizen?” Das sind existenzielle Fragen, die nach Möglichkeit nur Angst und Panik provozieren sollen. Die Realität sieht anders aus: Frankreich ist trotz seiner vielen Atomkraftwerke auf Stromimporte aus Deutschland und andere Ländern angewiesen. Das Problem ist, dass mit der Nuklearenergie auf Verschwendung gesetzt wird. Trotz des hochsubventionierten Nuklearbereichs  und der ungelösten Endlagerfrage wird fleißig das Märchen vom billigen Atomstrom verbreitet und Elektrizitätspreis künstlich niedrig gehalten. Oder wie die französischen Atomkraftgegner es sehen: “Die Franzosen zahlen in der Tat 25% weniger für Elektrizität wie die deutschen Nachbarn (vor allem dank bereits 40 Jahr andauernden  versteckten Subventionen für die Nuklearenergie), aber sie konsumieren unter dem Strich 1,4 mal mehr als Deutschland, obwohl Deutschland industrialisierter ist.” Auch so kann man das sehen, unter dem Strich kommen die Deutschen durch Minderkonsum preiswerter weg.

Welches Einsparpotential im französischen Elektrizitätsverbrauch liegt, zeigt eine andere Rechnung die die die französische Umweltorganisation “Agir Pour l’Environnement” aufgemacht hat: “Der Spitzenverbrauch in Frankreich beläuft sich auf 96 GW, in Deutschland sind es nur 80 GW, obwohl dieses Land 17 Millionen Einwohner mehr hat”. Wenn das nicht zum Nachdenken anregt! Aber zumindest die französische Politik will nicht nachdenken, vor allem Sarkozy setzt alles daran, frierende Franzosen mit der Nuklearenergie zu terrorisieren. Da hat die Präsidentschaftskandidatin der französischen Grünen, Eva Joly, schlechte Karte mit ihrer Politik des Umsteuerns, weg vom Atom. Die dicke Kröte Nuklearindustrie lähmt mit allen Mitteln eine Veränderung der Energiepolitik, die ihr den Geldhahn zudreht.

Siehe auch:
Sibirische Kälte regt Franzosen zum Nachdenken an


Informationsquelle:
Nicolas Sarkozy: «Vouloir fermer Fessenheim, c’est un scandale...» – DNA
Hiver, nucléaire et pics de consommation : non, tout n’est pas de la faute des égoïstes Allemands !

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Tolhaus Madrid oder wie verhindere ich die Wahl eines demokratisch gewählten Politikers zum Präsidenten

Die katalanische Krise geht weiter. Nachdem die Wahlen zum katalanischen Parlament, die von der Zentralregierung in Madrid nach dem Unabhängigkeitsreferendum angeordnet worden waren, für dieselbe mit einem Schuss ins Knie endete und die Parteien, die für die Unabhängigkeit oder zumindest einer Änderung der spanischen Verfassung hinsichtlich der Organisation des Staates eintraten, die überwiegende Mehrheit erhalten hatten und die Partei Partido Popular des Ministerpräsidenten Rajoy nur noch mit einem unter der Fraktionsgrenze liegenden Grüppchen im katalanischen Parlament vertreten ist, hätte man denken können, dass diese Situation vielleicht zur Lösung des Konflikt über Gespräche der Konfliktparteien hätte führen können.

Puigdemont, der katalanische Präsident, der sich seiner Verhaftung entzogen und nach Brüssel abgesetzt hatte, hat auf jeden Fall seine Gesprächbereitschaft zu erkennen gegeben. Aber in Spanien sind die Kräfte des Zentralismus noch viel zu stark, um an eine andere Lösu…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Wer braucht in den USA einen Psychiater? Die Waffenlobby oder kriminelle Täter?

Die Medien berichten: Ein 19-Jähriger schießt am Valentinstag an einer High School in Florida um sich. 17 Menschen sterben. Schüler berichten von Momenten der Verzweiflung. Viele Schüler lieferten verzweifelte Berichte ab, schilderten wie sie an Leichen und Blutlachen vorbei die Schule verlassen mussten, wie sie sich in Abstellräumen und Spinden oder unter Schulbänken verbarrikadierten.

US-Präsident Trump betet wie immer, wenn solche "Schicksalsschläge" kommen, und sein Hauptproblem ist der Täter,  von dem er die Opfer tröstend twittert, dass der 19-jährige Schütze offensichtlich „mental gestört“ und aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden sei – und wie wichtig es sei, solche Verhaltensauffälligkeiten den Behörden zu melden. Hallo Herr Präsident, gibt's da noch etwas anderes? Warum läuft ein 19-jähriger mit einem halbautomoatischen Gewehr rum? Könnte es sein, dass der von der Waffenlobby geschürte amerikanische Waffenwahn der Grund für die viele…