Direkt zum Hauptbereich

Sibirische Kälte regt Franzosen zum Nachdenken an

Es ist verdammt kalt zur Zeit in ganz Europa, auch in Frankreich. Die Stromproduktion ist am Limit, da französische Bauwerke schlecht gedämmt und überwiegend mit Elektrizität beheizt werden. Jetzt gibt es natürlich wieder Versuche, die Franzosen von der Unverzichtbarkeit ihrer Atomkraftwerke zu überzeugen. Aber es ginge auch anders. Das Land scheint ein riesiges Energiesparpotential zu haben.

Ein Beispiel ist die Mitteilung der französischen Regierung, dass sie mit den großen Supermärkten übereingekommen ist, dass diese bei ihren Anlagen für Tiefkühlkost Glasdeckel oder –türen einbauen. Die Franzosen lieben Tiefkühlprodukte und die Supermärkte sind großzügig mit Tiefkühlanlagen ausgestattet. Die Regierung erklärt den Grund für diese Vereinbarung: “Ab heute bis 2020 müssen 75% der großen Lebensmittelmärkte über Türen bei ihren Tiefkühlschränken verfügen. Das ist das Ziel einer Vereinbarung, die am 16. Januar 2012 zwischen Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet und Jacques Creyssel, dem Präsidenten des Bundes der Handelsunternehmer FCD unterschrieben wurde. Von den 12.000 Großmärkten in Frankreich verfügen nur zwei Dutzend über geschlossene Tiefkühlschränke für Frischprodukte. Die von vier großen Unternehmen unterzeichnete Vereinbarung sieht in großem Maßstab die Einrichtung von Türen für diese Schränke vor. Diese Maßnahme wird eine erhebliche Einsparung von Energie mit sich bringen. Ab 2015, werden 25% der Tiefkühlanlagen entsprechend ausgestattet, um diesen Anteil bis 2020 auf 75% zu steigen. Neue Supermärkte müssen von Anfang an mit geschlossenen Tiefkühlanlagen ausgestattet werden”. Laut Kosciusko-Morizet können damit 2,2 TWh pro Jahr eingespart werden, was der jährlichen Energieversorgung einer Stadt mit 500.000 Einwohnern entsprechen würde.

Man fragt sich, ob nicht die Erhöhung der Strompreise den Handel auf die Beine gebracht hätte. Der Strom ist nämlich in Frankreich immer noch sensationell billig und fördert so geradezu die Energieverschwendung. Bei den Franzosen überwiegt aber jetzt auf Grund der grimmigen Kälte wieder die alte Verzagtheit, die nur auf ein unbegrenztes Angebot in der Stromproduktion ausgerichtet ist, aber nicht aufs Energiesparen. Dabei kommen sofort wieder die Atomkraftwerke ins Spiel, auf die man nun wohl doch nicht verzichten kann, wenn man nicht erfrieren will. Es gibt aber bereits eine große Anzahl von Franzosen, die wissen, dass es auch anders geht. Dabei ist Deutschland immer wieder das große Beispiel, an dem sich alle reiben. Auch für die Atomenergiebefürworter. Dabei wird mit Argumenten hantiert, die zeigen, dass es nicht um die Realität geht, sondern nur um Angstmache. Wenn man diesen Leuten glauben darf, steht Deutschland kurz vor einer Energie-Katastrophe. Die einzige Steigerung der Energie-Produktion schaffe man über die “schmutzigen” fossilen Rohstoffe und das “schlimme” russische Gas. Der Ausbau der erneuerbaren Energien spielt in der Argumentation nur am Rande eine Rolle und dann auch nur in der Form, dass sie nicht funktioniert. Die bisherigen deutschen Anstrengungen im Energiesparen, z.B. Wärmedämmung bei Gebäuden, wird nicht zur Kenntnis genommen oder einfach verschwiegen, weil das nicht in den Kram passt. Seltsam, dass man aus Deutschland derzeit hört, dass kein Energieengpass zu befürchten ist und sogar in diesen Tagen Strom exportiert wird, während die französische Regierung gleichzeitig zum Runterfahren der Heizungen aufruft. Vielleicht gibt es einfach zu wenig Atomkraftwerke….

Siehe auch:
Stromlücke dank Atomkraftwerken?

Informationsquelle:
Les supermarchés fermeront leurs meubles frigorifiques pour réduire leurs dépenses d'énergie – Gouvernement France
Grand Froid : la question du nucléaire de nouveau sur le grill – Agoravox

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Tolhaus Madrid oder wie verhindere ich die Wahl eines demokratisch gewählten Politikers zum Präsidenten

Die katalanische Krise geht weiter. Nachdem die Wahlen zum katalanischen Parlament, die von der Zentralregierung in Madrid nach dem Unabhängigkeitsreferendum angeordnet worden waren, für dieselbe mit einem Schuss ins Knie endete und die Parteien, die für die Unabhängigkeit oder zumindest einer Änderung der spanischen Verfassung hinsichtlich der Organisation des Staates eintraten, die überwiegende Mehrheit erhalten hatten und die Partei Partido Popular des Ministerpräsidenten Rajoy nur noch mit einem unter der Fraktionsgrenze liegenden Grüppchen im katalanischen Parlament vertreten ist, hätte man denken können, dass diese Situation vielleicht zur Lösung des Konflikt über Gespräche der Konfliktparteien hätte führen können.

Puigdemont, der katalanische Präsident, der sich seiner Verhaftung entzogen und nach Brüssel abgesetzt hatte, hat auf jeden Fall seine Gesprächbereitschaft zu erkennen gegeben. Aber in Spanien sind die Kräfte des Zentralismus noch viel zu stark, um an eine andere Lösu…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Wer braucht in den USA einen Psychiater? Die Waffenlobby oder kriminelle Täter?

Die Medien berichten: Ein 19-Jähriger schießt am Valentinstag an einer High School in Florida um sich. 17 Menschen sterben. Schüler berichten von Momenten der Verzweiflung. Viele Schüler lieferten verzweifelte Berichte ab, schilderten wie sie an Leichen und Blutlachen vorbei die Schule verlassen mussten, wie sie sich in Abstellräumen und Spinden oder unter Schulbänken verbarrikadierten.

US-Präsident Trump betet wie immer, wenn solche "Schicksalsschläge" kommen, und sein Hauptproblem ist der Täter,  von dem er die Opfer tröstend twittert, dass der 19-jährige Schütze offensichtlich „mental gestört“ und aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden sei – und wie wichtig es sei, solche Verhaltensauffälligkeiten den Behörden zu melden. Hallo Herr Präsident, gibt's da noch etwas anderes? Warum läuft ein 19-jähriger mit einem halbautomoatischen Gewehr rum? Könnte es sein, dass der von der Waffenlobby geschürte amerikanische Waffenwahn der Grund für die viele…