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Den Katalanen vergeht die Lust am Autofahren

Der wirtschaftliche Aufstieg Spaniens seit Mitte der 80er Jahre war auch verbunden mit einem vielfach von der EU subventionierten Ausbau des Straßennetzes und damit einer umfassenden Ausweitung des Autoverkehrs. Barcelona setzte aus Anlass der Olympischen Spiele 1992 alles daran, die Verkehrssituation in der Stadt “autogerechter” zu gestalten. Mit dem Ausbau des inneren Autobahnrings (Ronda de Dalt, Ronda Litoral) glaubte man, die Stadt den Bedürfnissen des Individualverkehrs angepasst zu haben. Aber nach dem Motto “Wer Verkehr sät, wird Verkehr ernten”, wurde die Stadt bereits nach wenigen Jahren vom Autoverkehr erneut überrollt. Neue Autobahnen im Norden und Süden der Stadt wurden gebaut oder bestehende verbreitert. Ein solches Angebot sorgte aber dann nur noch für mehr Verkehr in die Stadt. Staus vor allem am Morgen und Abend waren und sind an der Tagesordnung.

Jetzt zeichnet sich eine andere Entwicklung ab. Was der forcierte Straßenbau nicht schaffte, das schafft jetzt die Wirtschaftskrise und die stetig steigenden Treibstoffkosten. Der Liter Diesel, der 2008 noch 0,90 Euro kostete, kostet jetzt 1,33 Euro. Seit Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 stagniert die Zahl der Fahrzeuge, die in die Stadt fahren. Es zeichnet sich sogar eine Tendenz fallender Zahlen ab. Im Jahr 2011 wurden gegenüber 2008 200.000 Fahrzeuge weniger gezählt, die in die Stadt fuhren. Nach Ansicht der städtischen Verkehrsbehörden überprüfen die Bürgerinnen und Bürger jetzt doch häufiger, ob es nicht preiswertere Möglichkeiten der Fortbewegung gibt. Die Stadt behauptet auch, dass in den vergangenen Jahren viel in den öffentlichen Nahverkehr investiert wurde. Deswegen würden auch viele Bewohner Barcelona’s auf Bus und Bahn umsteigen. Die Möglichkeit zu Fuß zu gehen oder ein Fahrrad zu benutzen, wird auch in Betracht gezogen. Gleichzeitig nimmt aber auch die Zahl derjenigen zu, die mit einem motorisierten Zweirad in die Stadt fahren. Man sieht auch nicht mehr so viele Autos, die nur mit dem Fahrer besetzt sind. Fahrgemeinschaften gewinnen einen neuen Kundenkreis.

Ein Kommentarschreiber der Zeitung “La Vanguardia” meint zur neuen Situation: “Heute habe ich für 1,38 Euro getankt, ich habe darauf geschaut, dass ich nicht mehr wie 20 Euro ausgebe….Ich nehme das Auto nur um zur Arbeit zu fahren, weil ich keine andere Möglichkeit habe. Ich gebe nicht mehr aus als unbedingt möglich und im Sommer werde ich mich in unserm Dorf-Schwimmbad vergnügen. Die Preise werden steigen? Nicht ein Cent, wenn wir alle nur noch das Notwendigste konsumieren… dann würde ein anderer Wind wehen.”

Informationsquelle:
La crisis provoca la caída del tráfico en Barcelona – La Vanguardia

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