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Adliger Springreiter drischt auf Andalusier ein

Cayetano Martínez de Irujo, Conde de Salvatierra (Graf von Salvatierra), ist ein bekannter Springreiter in Spanien. Adliger Geburt - er ist jüngster Sohn von Cayetana Fitz-James Stuart, Herzogin von Alba und Berwick, und von Luis Martínez de Irujo - hatte er sich nicht den Mühen eines Berufslebens aussetzen müssen, sondern konnte gleich nach seiner Schulausbildung mit dem Pferdesport anfangen und diesen zu seiner Beschäftigung machen. Im Reitsport war er mäßig erfolgreich, beste Platzierung war mit der spanischen Mannschaft der 4. Platz bei der Olympiade von Barcelona.

Ansonsten verfügt er und seine Familie noch über große Ländereien in Spanien. Ererbter Reichtum, für den er keinen Finger krumm zu machen brauchte. Vor ein paar Tagen hat der Graf von Salvatierra ein Interview gegeben, bei dem er seinem Frust über die faulen Andalusier freien Lauf gelassen hat. Er besitzt große Ländereien in Andalusien und der normale Andalusier hat bestenfalls das Recht als Tagelöhner für einen miserablen Lohn auf seinen Ländereien zu arbeiten. In dem Interview beklagt er sich, dass die jungen andalusischen Landwirte keine Lust hätten zu arbeiten. In Nordspanien wäre das anders, dort wären die Leute viel fleißiger. Wörtlich: “Wenn du siehst, dass die jungen Leute nicht die geringste Lust haben voranzukommen, dann ist das sehr schwerwiegend. Das passiert nur in Andalusien. Ganz ehrlich. Das passiert weder im Norden Spaniens noch im Zentrum. Nicht einmal in der Extremadura gibt es das”, versichert Cayetano Martinez. Er ist der Meinung, dass dieses Volk Subventionen für die landwirtschaftliche Produktion nicht verdient, da das Geld ohnehin in der nächsten Bar vertrunken werde.

Mit diesen Äußerungen hat er in Spanien eine Welle der Kritik losgetreten. Die Kommentatoren sehen die Diskrepanz zwischen einem Menschen, der seinen Reichtum in die Schoss gelegt bekam und nie arbeiten musste und den Leuten gerade auf dem Land in Andalusien, wo der Großgrundbesitz der Adelsfamilien, dem normalen Sterblichen nur erlaubt, als Tagelöhner oder bestenfalls Bediensteter den Boden zu bearbeiten.

Bei den Subventionen sieht es natürlich ganz anders aus, wenn man selbst Begünstigter ist. Die Familie derer von Alba erhält jährlich für ihre 25.000 Hektar Land 3 Millionen Euro von der EU. Das hält er für ganz normal, denn man dürfe bei den Hilfen keinen Unterschied im Bezug auf Namen oder Titel machen. Zudem seien die Hilfen notwendig, weil die landwirtschaftliche Produktion, von der 250 Familien abhängig seien, defizitär gewesen sei. Vermutlich war die Produktion defizitär, weil die adlige Familie den größten Teil des Geländes für ihr Jagdvergnügen stillgelegt hat.

Das “Auf-Andalusier-Eindreschen” hat Konjunktur in Spanien. Besonders intensiv kommt dies aus der rechtskonservativen Ecke und regional von den ohnehin zu grenzenloser Arroganz neigenden Madrilenos und Katalanen. Traurig ist, dass in diesem Spiel auch die sonstigen Spanier meinen, ihre Vorurteile austoben zu können. Ein Leser der Zeitung “El Pais” beschreibt treffend wie damit genau das erreicht wird, was die Mächtigen und Reichen gerne erreichen wollen: “Das traurige ist, dass ein solcher Artikel Diskussionen zwischen den Andalusiern, den Basken und Katalanen provoziert, wenn es doch auf der Hand liegt, dass wir alle gleichmäßig beschissen werden. Man muss ja nur mal sehen, von wem diese Vorurteile kommen (Politiker, Aristokraten, Millionäre), um zu verstehen, dass es ein “sie” und ein “wir” gibt, das nicht von deiner Region abhängt…. Wie lange beißen wir noch in diesen Angelhaken? “Teile und du wirst herrschen”, sagt das Sprichwort…”

Siehe auch:
Auf Andalusier eindreschen im spanischen Wahlkampf beliebt

Informationsquelle:
Cayetano Martínez de Irujo: 'En Andalucía la gente joven no tiene ganas de progresar' – El Mundo
Vagos, analfabetos, subvencionados... Y ¿qué más? – El Pais

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