Freitag, 16. Dezember 2011

Tagelöhner gehen dem Grafen auf den Wecker

Wie ich bereits in meinem Beitrag “Adliger Springreiter drischt auf Andalusier ein” berichtet habe, hat sich der Graf von Salvatierra, Cayetano Martínez, verächtlich über die Arbeitsmoral andalusischer Landarbeiter geäußert. Seine Äußerungen haben für erhebliche Aufregung vor allem in Andalusien gesorgt, da sie auch im Zusammenhang mit weiteren Beschimpfungen aus dem spanischen Norden getätigt wurden.

Jetzt haben sich 500 andalusische Tagelöhner zu den Landwirtschaftsgütern des Grafen bei Carmona aufgemacht. Sie wollen dem Großgrundbesitzer eine Liste mit “tausenden von Tagelöhnern” überreichen, die gerne auf seinen Gütern arbeiten würden. Die Protestaktion wird vom Sindicato Andaluz de Trabajadores (SAT; Andalusische Arbeitergewerkschaft) organisiert. SAT beziffert die Größe der Güter des Grafen auf 8.000 Hektar in Andalusien. Sie verteilen sich auf 12 Landwirtschaftsgüter in den Provinzen Sevilla und Córdoba. Der Sprecher der Gewerkschaft, Diego Cañamero, erklärte, dass sie mit der Aktion die Würde der Landarbeiter und des andalusischen Volkes wiederherstellen wollen. Bei den Vorwürfen handle es sich um Vorurteilen, die Andalusier seien ein fleißiges Volk, das mit eigenen Händen und Anstrengung vorankommen wolle.

Bei denjenigen, die den Andalusiern diese Vorwürfe machen würden, handle es sich um eine bestimmte Unternehmer-Gruppe, in vorderster Front Großgrundbesitzer, deren Wirken bisher unproduktiv war und die nie Reichtum geschaffen, sondern das Geld sofort für andere Zwecke verbraucht hätten. Cañamero erinnerte daran, dass den Großgrundbesitzern 50% des Bodens Andalusiens gehöre und dass sie dafür 1.600 Millionen Euro an Subventionen bekämen. Die Arbeiter wollten jetzt mit ihrer Aktion Cayetano Martinez zeigen, dass die faulen Andalusier bereit wären, zu arbeiten und dass sie dafür seien, dass die Hilfen für die Landbevölkerung verschwinden, wenn er bereit wäre, ihnen seinen Grund und Boden zu geben. Ein Abgeordneter der IU (Vereinigte Linke) rief zu einer “Agrar-Revolution” auf, weil die bisherige Landwirtschaftspolitik nur den Großgrundbesitzern geholfen haben, egal ob sie etwas auf den Gütern produziert hätten oder nicht. “Sie erhalten große Summen nur deswegen, weil sie Land besitzen, ein Recht, das sie in Zeiten der Reconquista durch Blut und Feuer erhielten”, erklärte er.

Cayetano Martinez hat sich doch etwas erschrocken über die Aufregung, die seine Andalusier-Beschimpfung hervorgerufen hat. Peinlich ist ihm und sicher auch einigen Konservativen, die demnächst die spanische Regierung bilden werden, dass wieder einmal die völlig ungerechte Vermögensverteilung in Spanien ins Scheinwerferlicht geraten ist. Vor allem Andalusien ist von den adligen Großgrundbesitzern untereinander aufgeteilt worden. Dem normalen Volk blieb nur noch der karge Status eines Tagelöhners bei den Herren. Nicht umsonst gab es in Andalusien Dörfer, die den Namen “ruta de los pueblos del hambre” (Straße der Hungerdörfer) trugen. Wenn es dem hohen Herrn gefiel, keine Tagelöhner einzustellen, dann mussten sie halt hungern.

Informationsquelle:
Unos 500 jornaleros acceden a la finca de Cayetano de Alba – Publico.es