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Wie zu viel Angst um eine Luxus-Uhr die Präsidentschaftskarriere beeinträchtigt

Frankreich wählt heute im ersten Wahlgang einen neuen Staatspräsidenten. Der derzeitige, Nicolas Sarkozy, wird vermutlich nicht zu den Gewinnern gehören. Zwar hat ihm ein islamistischer Extremist mit seiner Mordserie noch einmal die Gelegenheit gegeben, den starken Aufräumer zu spielen, aber danach verminderte er mit einer kleinen Nichtigkeit, seine Chancen gewählt zu werden, erheblich. Die Franzosen haben aufmerksam, aber auch amüsiert beobachtet wie ihr Staatspräsident im Wahlkampf “das Bad in der Menge” suchte, aber bevor er sich auf potentielle Wähler stürzte, seine Luxus-Uhr auszog. Hatte er Angst, dass sie beschädigt wird oder fürchtete er, dass seine Wähler und Wählerinnen eventuell ihm diese geschickt beim Händeschütteln entwenden würden? Oder sollte das Volk nicht sehen, dass er doch einen gewissen Hang zum Luxus hat und sein Gerede, dass er zu den einfachen und bescheidenen Leuten gehört, nichts wie Schall und Rauch ist?

Vermutlich gab eine Mischung von allem den Ausschlag für seine unüberlegte Handlung. Der Vorfall hatte aber zur Folge, dass nun ein allgemeines Recherchieren nach dem Wert der Uhr einsetzte. Der Nouvel Observateur beschreibt das wertvolle Stück: “Eine Uhr des angesehenen Uhrenherstellers Patek Philippe. Die Uhr hat die Modell-Nummer 5140 G und sie gibt es in Gold oder in Weiß. Sie wurde Nicolas Sarkozy von seiner Ehefrau Carla Bruni im Januar 2008 geschenkt. Gekostet hat sie ungefähr 55.000 Euro.” Kein Wunder bei dem Preis – vermutlich das doppelte Jahresgehalt eines französischen Durchschnittverdieners –, dass man diese vorsichtshalber in kniffligen Situationen auszieht. Aber kein Wunder bei dieser Geste des Misstrauens gegenüber seinen Wählern, dass doch einige über ihren Präsidenten, der gerne seine Amtszeit verlängern möchte, ins Grübeln kommen.

Blogger Morice in Agoravox hat dazu auch einen Kommentar: “Bei einem Wahltreffen hat der Präsident gezeigt, dass er kein Vertrauen zu seinem Volk hat, als eine Kamera zufällig filmte wie er mit einer schnellen Geste seine Uhr vom Arm zog und diese in der linken Westentasche versorgte, bevor er die Hände schüttelte. Ein irrealer Moment, der Reflex eines besorgten Handelsreisenden, der mehr den Anschein eines sozialen Erfolges erwecken möchte als eine ehrliche Kommunion mit seinem Volke. Dieser Bewunderer von G.W. Bush muss die Filmberichte über die Kampagne seines Idols gesehen haben und er muss ich deshalb an die Episode, bei denen der amerikanische Präsident ein ähnliches Verhalten an den Tag legte, erinnert haben. Damals hatte Bush die Uhr vor einem Bad in der Menge in Albanien abgezogen.”

Der Spagat zwischen Volkstümlichkeit und Luxus ist bei Sarkozy gründlich daneben gegangen. Das heutige Wahlresultat wird das vermutlich zeigen.

Informationsquelle
La peur du peuple qui ronge Nicolas Sarkozy – Agoravox
Nicolas Sarkozy, sa montre à 55.000 euros – Le Nouvel Observateur

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