Direkt zum Hauptbereich

Unfallzahlen und Klimaschutz zählen nicht, mehr Tempo muss sein

Spanien hat umfangreiche Finanzmittel nach dem EU-Beitritt zur Verbesserung seiner Verkehrsinfrastruktur erhalten. Damit sind sehr viele neue Straßen und Autobahnen entstanden. In den ersten Jahren derartig überhastet, dass die Verkehrssicherheit völlig nachrangig behandelt wurde und die Zahl der Unfalltoten steil nach oben stieg. Die Straßen mussten dann unter diesem Gesichtspunkt oft teuer nachgebessert werden. Schnell gebaute Straßen haben oft Qualitätsprobleme und diese zeichnen sich inzwischen auch für das hochverschuldete Spanien als echtes Problem ab. Für die Wartung vieler Straßen ist einfach kein Geld da, an einen Plan für die Finanzierung der Bauunterhaltung wurde nur rudimentär gedacht.

Gemäß einem kürzlich erschienen Bericht der “Spanischen Gesellschaft für die Straße” (Asociación Española de la Carretera / AEC) ist die Hälfte aller Straßen schlecht beleuchtet und 300.000 Verkehrszeichen müssten dringend ersetzt werden. Die ACE beziffert die dringend erforderliche Investition in die Straßenunterhaltung, um die dringendsten Probleme zu beheben, auf 5,5 Milliarden Euro. Die spanische Regierung hat aber gerade eben den Haushaltsansatz für die Straßenunterhaltung um 20% gekürzt. Obwohl Spanien in den letzten Jahren bei der Reduzierung der Unfallopfer Erfolge hatte, liegt die Zahl der Verkehrstoten immer noch recht hoch. So gibt es nach der letzten EU-Statistik in Spanien 54 Verkehrstote auf 1 Million Einwohner, in Deutschland sind es 45.

Dier Verkehrspolitik in Spanien dreht sich seit neuestem wieder in die Richtung, die Spaß Bremsen für den Autofahrer zu lösen. Die sozialistische Regierung hatte im vergangenen Jahr die Geschwindigkeitsbeschränkungen für einen beschränkten Zeitraum aus energiepolitischen Gründen um 10 km/h heruntergesetzt. Dagegen sind die konservativen Parteien Sturm gelaufen. Inzwischen sind die Konservativen an der Regierung und sehen ihre Aufgabe darin, den Spaniern zwar mit Kürzungen von staatlichen Leistungen aller Art zu belasten, aber sie dafür auf der Straße mit höheren Tempolimits zu beglücken. Besonders herausragender Treiber in dieser Hinsicht ist die katalanische Landesregierung, die jetzt auch die spanische Regierung zur Anhebung des Tempolimits auf Autobahnen (bisher 120 h/km) drängelt. Die ist nicht abgeneigt, diesem Wunsch zu entsprechen.

Die vor allem auch von den Automobilclubs betriebene Forderung nach schnellerem Fahren kontrastiert erheblich zu den auch in Spanien steil ansteigenden Benzinpreisen. Das spanische “Institut für Energievielfalt und – einsparung, IDAE” hat berechnet, dass eine Anhebung der Geschwindigkeitsbeschränkung um 10 km/h eine Erhöhung des Verbrauchs um 11% nach sich ziehen würde. Dies würde dann auch einen höheren CO2-Ausstoß bedeuten und die Klimabilanz des Landes verschlechtern.

In Spanien ist immer noch überhöhte Geschwindigkeit die Hauptursache der Verkehrsunfälle . Mit großangelegten Werbekampagnen versuchten in den vergangenen Jahren die Verantwortlichen in den Straßenverkehrsbehörden, auf die Gefahren der überhöhten Geschwindigkeit aufmerksam zu machen. Die neue Leiterin der Generaldirektion für Verkehr (DGT) vertritt nun die Geschwindigkeitserhöhung und steht damit im Gegensatz zur bisherigen Politik der Behörde. Der Präsident der Vereinigung für die Opfer von Verkehrsunfällen sieht die derzeitigen Bestrebungen als Resultat einer Lobby-Politik: “Das ist eine Maßnahme, die nur die Autoproduzenten, die Automobil-Clubs und die Tankstellenunternehmen interessieren. Die Erhöhung der Geschwindigkeit erhöht die Auswirkungen und Schäden von Unfällen. Das heißt, es wird mehr Tote und Schwerverletzte geben”. Die Vereinigung zur Vermeidung von Verkehrsunfällen erinnert daran, dass Spanien über einen veralteten Fahrzeugpark verfügt. In der Regel seien die Fahrzeuge zwischen 8 und 10 Jahren alt. Viele davon verfügten weder über Sicherheitsgurten noch Airbags. Deshalb würden höhere Geschwindigkeiten für wesentlich mehr und gravierendere Unfälle sorgen.

Was ist die Politik der neuen Regierung? Soziale Einschnitte, Gehaltskürzungen, Unterfinanzierung der Bildungswesens, aber dafür mehr Tempo für Autofahrer, die sich die teuren Treibstoffpreise leisten können?

Informationsquelle
Ahora toca aumento de la velocidad en autopista – El Pais
La conservación de las carreteras, en niveles de los años 80 – El Pais

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Frankreich ekelt sich vor seinen Schlachthöfen und empört sich über Tierquälerei

Massentierhaltung in Frankreich: 83% der Hühner werden in geschlossenen Ställen aufgezogen, 68% der Hennen und 99% der Kaninchen werden in Käfigen gehalten. 95% der Schweine fristen ihr kurzes Leben in geschlossenen Ställen auf Gitterrosten. Die Tiere werden nur als Handelsware gesehen, man verstümmelt sie (Kastration ohne Betäubung, Abschneiden der Schwänze oder der Schnäbel). Ihre Sterblichkeitsrate ist sehr groß, zum Beispiel sterben 20% der Schweine vor ihrer Schlachtung.

Industrielle Massentierhaltung wie in Deutschland auch. Das Tier wird nicht als Lebewesen gesehen, sondern nur als Handelsprodukt. Während in Deutschland die Konsumenten seit einiger Zeit ins Grübeln geraten sind und sich eine Bewegung gegen Massentierhaltung gebildet hat, hat man in Frankreich, das wir als Schlemmerland kennen, bisher beide Augen zugedrückt beziehungsweise die Verbraucher wollten nicht so genau wissen wie das Fleisch auf ihrem Teller gelandet ist. Zwar hat sich seit einiger Zeit ein…

Frankreich erfindet den Zahnarzt–Aldi

Die Großzügigkeit der französischen Krankenkassen bei Erstattung von Zahnarztkosten hält sich in Grenzen. In der Regel können Versicherte mit etwa 70% erstatteter Kosten rechnen, d.h. 30% muss selbst getragen werden. Die Zahnärzte sind jedoch oft mit den Tarif-Honoraren nicht zufrieden. Sie verlangen Aufschläge, die ebenfalls an den Versicherten hängen bleiben. Gerade dieser Aufschlag scheint in letzter Zeit bei den Zahnärzten in Frankreich sehr beliebt geworden zu sein. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit steigt und auch viele Franzosen mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen, verursacht der Gang zum Zahnarzt wegen Zahnschmerzen den Betroffenen zusätzlich noch Bauchschmerzen wegen der finanziellen Belastung.

Frankreich hat zwar den Lebensmittel-Discounter nicht erfunden, darin sind die Deutschen wohl Weltmeister, aber in anderen Bereichen haben die Franzosen durchaus den Ehrgeiz zur durchgreifenden Rationalisierung, um die Preise zu senken. Besonders offensichtlich ist das…

Was kostet das Sterben in Spanien?

In Spanien sind 2011 knapp 400.000 Personen gestorben. Da gibt es für Bestattungsunternehmen zu tun. Der Generaldirektor der Bestattungsdienste “Mémora” hat gegenüber den Medien auf ein paar Zahlen im Zusammenhang mit der Beerdingungspraxis in Spanien verwiesen. Danach kostet die durchschnittliche Bestattung in Spanien 3.700 Euro. In Nordspanien sind die Bestattungen etwas teurer und im Süden etwas billiger. Er führt dies darauf zurück, dass man in Nordspanien auf eine bessere Qualität des Sarges achte und zudem die Überführungen über größere Distanzen erfolgen.

Die Billigversion einer Beerdigung wäre noch für 1.000 Euro zu haben. Aber auch die Spanier wollen es etwas gediegener, das heißt sie beauftragen ein Beerdigungsunternehmen und benutzen eine Aussegnungshalle. Bei internationalen Überführungen kommen in der Regel noch einmal 700 Euro dazu. Die Beerdigungsdienste von Mémora bieten auch eine Finanzierung der Beerdigung an. Dafür gibt es Kredite von bis zu 5.000 Euro, die man in…