Direkt zum Hauptbereich

Sedan: Deutsches Kriegsdenkmal zerstören oder als Kulturerbe behandeln?

“Dieses Denkmal ist Teil unseres Kulturerbes: Warum soll man nicht deutsche Vereine darum bitten, bei der Restauration mit zu machen?” “Die Bewohner von Sedan oder die Franzosen zahlen zu lassen, ist etwas zu dick aufgetragen"…” “Würde man diese Frage stellen, wenn es um Gebäude, die von den Römern errichtet wurden, ginge, obwohl die nie etwas anderes waren als Invasoren im Land der Gallier? Nein! Also machen wir dasselbe für dieses Gebäude, das von den deutschen Invasoren errichtet wurde und restaurieren wir es….”

Ein derart heftiger Meinungsstreit tobt zur Zeit in der Ardennenstadt Sedan. Sedan ist ein Symbol der Kämpfe zwischen Frankreich und Deutschland. Während der Schlacht von Sedan im Deutsch-Französischen Krieg wurde der französische Kaiser Napoléon III. am 2. September 1870 mit 100.000 seiner Soldaten bei Sedan gefangengenommen; im anschließenden Deutschen Kaiserreich (bis 1918) wurde dieses Ereignis als Sedantag gefeiert. 1915 wurde auf dem Friedhof Saint-Charles von Sedan von der deutschen Besatzungsmacht ein pompöses Monument aus Beton errichtet. Im Laufe der letzten hundert Jahre verwahrloste das Monument und sorgt jetzt wegen seiner Baufälligkeit für eine Gefährdung der Besucher des Friedhofs. Die Stadt Sedan will deshalb jetzt das Monument abreißen.

Dagegen protestiert die Gesellschaft für Geschichte und Archäologie Sedans (SHAS). Der Präsident, Sébastien Haguette, verweist darauf, dass es sich um ein sehr wichtiges Denkmal des Kulturerbes handle. Es sei ein Monument aus armierten Beton und sei eines der ersten öffentlichen Gebäude, das mit diesem Material errichtet worden sei. “Diese Denkmal der Erinnerung, das kein rachsüchtiges Motiv hat, wurde gebaut, um die Stelle zu kennzeichnen, wo einige hundert deutsche Soldaten - Opfer des Großen Krieges -begraben worden sind. Es scheint mir also völlig inopportun und gegen das allgemeine Interesse, die Zerstörung dieses Grabdenkmals zu fordern, insbesondere in Zeiten, wo die Erinnerungskultur oft in Frage gestellt wird, wobei seine weitere Pflege ein ständiger Kampf ist gegen die Rückkehr des Nationalismus und anderer extremer Kräfte”, erklärt Haguette.

Soll sich Deutschland um den Erhalt kümmern? Entsprechende Fühlungnahme mit deutschen Institutionen gab es seit den 70er Jahren. Die deutschen Stellen haben es aber vorgezogen, ihre auf dem Friedhof liegenden Kriegstoten umzubetten in andere deutsche Soldatenfriedhöfe in der Region. Deshalb winkt man von da aus ab, man will sich am Erhalt des Denkmals nicht beteiligen. Die Vereinigungen des französischen Kombattanten hat mehrfach der Zerstörung zugestimmt, die Sprengung stand mehrfach bevor, aber es kam bisher nicht zur tatsächlichen Zerstörung.

Was nun? Wie geht der Kampf aus? Deutschland wird sich das Geld sparen wollen und so wird der Beton des 1. Weltkrieges wohl doch bald durch eine Sprengung ins Reich der geschriebenen Geschichte befördert.

Informationsquelle
Sedan sur les dents pour son monument aux morts allemands – Libération
Le monument aux morts allemand du cimetière Saint-Charles en péril Entre devoir de mémoire sécurité et finances – l’Union / l’Ardennais

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Frankreich ekelt sich vor seinen Schlachthöfen und empört sich über Tierquälerei

Massentierhaltung in Frankreich: 83% der Hühner werden in geschlossenen Ställen aufgezogen, 68% der Hennen und 99% der Kaninchen werden in Käfigen gehalten. 95% der Schweine fristen ihr kurzes Leben in geschlossenen Ställen auf Gitterrosten. Die Tiere werden nur als Handelsware gesehen, man verstümmelt sie (Kastration ohne Betäubung, Abschneiden der Schwänze oder der Schnäbel). Ihre Sterblichkeitsrate ist sehr groß, zum Beispiel sterben 20% der Schweine vor ihrer Schlachtung.

Industrielle Massentierhaltung wie in Deutschland auch. Das Tier wird nicht als Lebewesen gesehen, sondern nur als Handelsprodukt. Während in Deutschland die Konsumenten seit einiger Zeit ins Grübeln geraten sind und sich eine Bewegung gegen Massentierhaltung gebildet hat, hat man in Frankreich, das wir als Schlemmerland kennen, bisher beide Augen zugedrückt beziehungsweise die Verbraucher wollten nicht so genau wissen wie das Fleisch auf ihrem Teller gelandet ist. Zwar hat sich seit einiger Zeit ein…

Der Generalkonsul mit Nazi-Vergangenheit, dessen Sohn mit internationalem Haftbefehl gesucht wird

Hans Hoffmann, mit Spitznamen “Juanito” oder “Don Juan”, war Generalkonsul in Málaga. Kein echter Berufskonsul, sondern ehrenhalber. Nicht nur Honorarkonsul, sondern Honorargeneralkonsul, wobei er gegen schwere Bedenken des Auswärtigen Amtes darauf bestand nur “Generalkonsul” genannt zu werden. Ganz früher war er zur Nazizeit an der deutschen Botschaft in Madrid tätig. Er kannte sich bestens im Land des Diktators Franco aus und war mit einigen Größen des Francoregimes befreundet. Spanische Medien haben inzwischen herausgefunden, dass Hoffmann an der Botschaft als Gestapo-Agent tätig war. Er soll auch bei Treffen zwischen Hitler und Franco gedolmetscht haben.Er ist 1998 gestorben.

Nach dem Krieg zog er an die Costa del Sol, wo er deutschen Nazis als Fluchthelfer gedient haben soll. In den 50er Jahren machte er die Bekanntschaft von Franz-Josef Strauß, der in Deutschland eine steile Politikerkarriere hinlegte. Strauß sorgte dafür, dass Hofmann sogenannter Wahlkonsul in Algec…

Frankreich erfindet den Zahnarzt–Aldi

Die Großzügigkeit der französischen Krankenkassen bei Erstattung von Zahnarztkosten hält sich in Grenzen. In der Regel können Versicherte mit etwa 70% erstatteter Kosten rechnen, d.h. 30% muss selbst getragen werden. Die Zahnärzte sind jedoch oft mit den Tarif-Honoraren nicht zufrieden. Sie verlangen Aufschläge, die ebenfalls an den Versicherten hängen bleiben. Gerade dieser Aufschlag scheint in letzter Zeit bei den Zahnärzten in Frankreich sehr beliebt geworden zu sein. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit steigt und auch viele Franzosen mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen, verursacht der Gang zum Zahnarzt wegen Zahnschmerzen den Betroffenen zusätzlich noch Bauchschmerzen wegen der finanziellen Belastung.

Frankreich hat zwar den Lebensmittel-Discounter nicht erfunden, darin sind die Deutschen wohl Weltmeister, aber in anderen Bereichen haben die Franzosen durchaus den Ehrgeiz zur durchgreifenden Rationalisierung, um die Preise zu senken. Besonders offensichtlich ist das…