Samstag, 28. April 2012

Sedan: Deutsches Kriegsdenkmal zerstören oder als Kulturerbe behandeln?

“Dieses Denkmal ist Teil unseres Kulturerbes: Warum soll man nicht deutsche Vereine darum bitten, bei der Restauration mit zu machen?” “Die Bewohner von Sedan oder die Franzosen zahlen zu lassen, ist etwas zu dick aufgetragen"…” “Würde man diese Frage stellen, wenn es um Gebäude, die von den Römern errichtet wurden, ginge, obwohl die nie etwas anderes waren als Invasoren im Land der Gallier? Nein! Also machen wir dasselbe für dieses Gebäude, das von den deutschen Invasoren errichtet wurde und restaurieren wir es….”

Ein derart heftiger Meinungsstreit tobt zur Zeit in der Ardennenstadt Sedan. Sedan ist ein Symbol der Kämpfe zwischen Frankreich und Deutschland. Während der Schlacht von Sedan im Deutsch-Französischen Krieg wurde der französische Kaiser Napoléon III. am 2. September 1870 mit 100.000 seiner Soldaten bei Sedan gefangengenommen; im anschließenden Deutschen Kaiserreich (bis 1918) wurde dieses Ereignis als Sedantag gefeiert. 1915 wurde auf dem Friedhof Saint-Charles von Sedan von der deutschen Besatzungsmacht ein pompöses Monument aus Beton errichtet. Im Laufe der letzten hundert Jahre verwahrloste das Monument und sorgt jetzt wegen seiner Baufälligkeit für eine Gefährdung der Besucher des Friedhofs. Die Stadt Sedan will deshalb jetzt das Monument abreißen.

Dagegen protestiert die Gesellschaft für Geschichte und Archäologie Sedans (SHAS). Der Präsident, Sébastien Haguette, verweist darauf, dass es sich um ein sehr wichtiges Denkmal des Kulturerbes handle. Es sei ein Monument aus armierten Beton und sei eines der ersten öffentlichen Gebäude, das mit diesem Material errichtet worden sei. “Diese Denkmal der Erinnerung, das kein rachsüchtiges Motiv hat, wurde gebaut, um die Stelle zu kennzeichnen, wo einige hundert deutsche Soldaten - Opfer des Großen Krieges -begraben worden sind. Es scheint mir also völlig inopportun und gegen das allgemeine Interesse, die Zerstörung dieses Grabdenkmals zu fordern, insbesondere in Zeiten, wo die Erinnerungskultur oft in Frage gestellt wird, wobei seine weitere Pflege ein ständiger Kampf ist gegen die Rückkehr des Nationalismus und anderer extremer Kräfte”, erklärt Haguette.

Soll sich Deutschland um den Erhalt kümmern? Entsprechende Fühlungnahme mit deutschen Institutionen gab es seit den 70er Jahren. Die deutschen Stellen haben es aber vorgezogen, ihre auf dem Friedhof liegenden Kriegstoten umzubetten in andere deutsche Soldatenfriedhöfe in der Region. Deshalb winkt man von da aus ab, man will sich am Erhalt des Denkmals nicht beteiligen. Die Vereinigungen des französischen Kombattanten hat mehrfach der Zerstörung zugestimmt, die Sprengung stand mehrfach bevor, aber es kam bisher nicht zur tatsächlichen Zerstörung.

Was nun? Wie geht der Kampf aus? Deutschland wird sich das Geld sparen wollen und so wird der Beton des 1. Weltkrieges wohl doch bald durch eine Sprengung ins Reich der geschriebenen Geschichte befördert.

Informationsquelle
Sedan sur les dents pour son monument aux morts allemands – Libération
Le monument aux morts allemand du cimetière Saint-Charles en péril Entre devoir de mémoire sécurité et finances – l’Union / l’Ardennais