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Bukarester Gene mutieren

Rumänien war und ist immer noch ein armes Land. Zu Zeiten der kommunistischen Diktatur hatte man nicht einmal das Geld, sich ein Fahrrad zu kaufen. Ganz davon abgesehen, dass diese im staatlichen Produktionsplan auch nicht vorgesehen waren. Schließlich hatte man ja den öffentlichen Nahverkehr oder die Pferde- und Ochsenkarren. Nach der Revolution gierten alle Rumänen nach einem Auto. In der Regel kramten sie, nachdem sie endlich die lang ersehnte Reisefreiheit bekamen, all ihr Geld zusammen und erwarben sich Devisen, um den Westeuropäern damit die Schrottautos abzukaufen. Hauptsache 4 Räder und ein Motor, auch wenn der nicht lange hielt.

Inzwischen hat sich Rumänien sehr gewandelt. Der Strassenverkehr ist gerade in den Städten und besonders in Bukarest explodiert und die Infrastruktur hat damit kaum Schritt gehalten. Autoverkaufshäuser sind aus dem Boden geschossen wie Pilze. Beliebt war auch, dass rumänische Arbeitgeber ihren Beschäftigen Benzinkostenzuschüsse gaben, was letztendlich den Drang zum Auto als Verkehrsmittel noch verstärkte. Mit der Wirtschaftskrise hat man als erstes diese Zuschüsse gestrichen. Viele mussten nun in Bukarest wieder zur Metro, Bus oder Trolleybus wechseln. Die sind auch ständig überfüllt und damit nicht unbedingt ein bequemes Verkehrsmittel.

Eine solche Situation führt auch in Rumänien zu Veränderungen, von denen man gedacht hat, dass sie noch Jahrzehnte benötigen. Die Bukarester sind darauf gekommen, dass man sich auch mit dem Fahrrad fortbewegen kann. Inzwischen gibt es in der Stadt bereits eine grosse Anzahl an Fahrradläden und Organisationen, die ihre MitbürgerInnen für das Fahrradfahren gewinnen wollen. Äusserst beliebt sind Falträder, vermutlich weil man die auch in die Wohnung mitnehmen kann und sie einem somit nicht so einfach geklaut werden können. Es gibt auch viele Geschäfte, die Fahrräder vermieten. Auf jeden Fall sind die Fahrradliebhaber begeistert: "Mein Auto verbraucht monatlich ungefähr 50 Liter, das kostet mich zwischen 200 und 250 Lei. Geld, das ich jetzt durch das Fahrrad spare. Zudem habe ich den ganzen Autofahr-Stress nicht mehr, fahre jetzt leichtfüssig durch den Park nach Hause", erklärt ein Bukarester. Ein Student ist begeistert: "Bisher brauchte ich zur Universität mit dem Auto 35 Minuten, mit dem Trolleybus 45 Minuten und mit dem Fahrrad schaffe ich das in 10 Minuten, was einfach toll ist."

Da das Fahren auf 2 Räder für die Bukarester und Bukaresterinnen aber eine neue Art der Fortbewegung bedeutet, müssen sie erst einmal lernen, das Ding in der Senkrechten zu halten. Die Zeitung Evenimentul Zilei erkärt ängstlichen LeserInnen wie das geht: "Mit Eifer, Mut und ein wenig Hilfe kann jeder Fahrradfahren lernen. Man braucht eine etwas dichtbewachsene Wiese, auf der keine Autos und Menschen sind. Das Geheimnis des Fahrradfahrens ist, dass man sich so darauf setzt, dass man mit beiden Füßen den Boden berührt. Danach muss man darauf achten, das Gleichgewicht solange zu halten bis man zu treten anfängt. Ratschläge und Hilfe kann man auch bei den Vermietungsstationen für Fahrräder bekommen." Und hier noch der aufmunternde Bericht einer Anfängerin: "Ich habe mir ein Fahrrad gesucht, das mir gepasst hat. Ich habe versucht das Gleichgewicht zu halten und nach vielen Versuchen ist es mir gelungen, in die Pedale zu treten und das Gleichgewicht zu halten".

Morgen gibt es in Bukarest die Aktion "Ein Tag ohne mein Auto in meiner Stadt". Die Bukarester sind für morgen Abend zu einem gemeinsamen Fahrrad-Ausflug in der Stadt eingeladen. Vor einigen Jahren noch undenkbar......

Wer sagt denn, dass wer ein Gen hat, unverbesserlich ist?

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Cum a înlocuit criza maşina românului cu bicicleta

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