Direkt zum Hauptbereich

Krimi aus dem Korruptionssumpf Brasilia

José Roberto Arruda, geboren in Itajubá 1954, ist Elektroingenieur und ein Politiker der brasilianischen Partei DEM (Democratas).

Zur Zeit ist er Gouverneur im Bundesdistrikt von Brasilia. Im deutschen Vergleich könnte man ihn mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin vergleichen. Seine Amtszeit läuft bis 31. Dezember 2010. Vielleicht erreicht er aber dieses Datum nicht im Amte.

Der Bösewicht, der ihn vorher zu Fall bringen könnte, ist ein Herr namens Durval Barbosa. Herr Durval Barbosa war Polizist und stammt aus dem Norden Brasiliens, dem Bundesstaat Piauí. Er entwickelte sich schon früh zu einem trickreichen Fachmann für Erpressungen. Nachdem er aus dem Polizeidienst ausgeschieden war, wechselte er in die öffentliche Verwaltung und verfeinerte sein "Geschäft" und die Art dieses zu betreiben.

Gouverneur Arruda lernte Herrn Barbosa im Wahlkampf um den Gouverneursposten kennen. Er besuchte damals seinen Vorgänger im Amt, Joaquim Roriz, und traf dabei auf Herrn Durval, der ein Bediensteter im Amt des Gouverneurs war. Herr Durval war damals sehr grosszügig. Er händigte Herrn Arruda ein Bündel Banknoten im Wert von R$ 50.000 R$ (ca. 20.000 Euro nach heutigem Kurs) aus. Ab dem Zeitpunkt hatte er ein Problem, denn Durval liess die Übergabe heimlich filmen.

Nachdem Arruda zum Gouverneur gewählt wurde, hatte er Herrn Durval am Hals. Der steckte in Schwierigkeiten, war Angeklagter in Dutzenden von Prozessen und benötigte dringend "Protektion". Zuerst gelang es Arruda noch, dem Herrn die kalte Schulter zu zeigen bis er einen Stapel CD's erhielt, auf denen unter anderem der Geldübergabe-Film darauf war. Drei Monate nach der Amtsübernahme brach sein Widerstand: Er ernannte Herrn Durval zum Sekretär für institutionelle Fragen im Bundesdistrikt.

Herr Arruda berichtete jetzt seinen Parteifreunden, dass er glaubte mit der Einstellung von Durval die "Bombe" entschärft zu haben. Dabei war das Gegenteil der Fall. Er zeigte, dass er erpressbar war und damit war er für einen Barbosa ein gefundenes Fressen. So ganz naiv war nun Arruda aber auch nicht. Er kannte Durval schon seit langem. Dieser war bekannt dafür, dass er unter der Regierung des Vorgängers Roriz für die Millionengeschäfte im Codeplan (Verträge im Informatikbereich) zuständig war und bei jedem Vertragsabschluss sein "Trinkgeld" (propina) haben wollte. Er soll damals Verträge in einer Grössenordnung "erzeugt" haben, die sogar unter der korrupten Regierung Roriz verdächtig hoch waren. Deshalb wurden auch Gelder an Oppositionspolitiker bezahlt u.a. Arruda. Nachdem er nun Durval in seiner nächsten Nähe hatte, ging Arruda dazu über, sich auch seiner Methoden zu bedienen. Er schusterte Durval Verträge im Wert von 100 Millionen R$ zu und mutierte so vom "Erpressten" zum "Komplizen".

So konnte Durval weiterhin seine "Trinkgelder" einsammeln. Mit dem Geld stellte er Abgeordnete ruhig, zahlte persönliche Spesen des Gouverneurs und seiner Gehilfen und finanzierte Rechtsanwälte, die ihn in den vielen Prozessen gegen ihn vertraten. Plötzlich gab es aber Prozesse, die gegen ihn ausgingen. Durval fühlte sich verraten. Arruda's Alptraum wurde grösser. Durval versuchte ihm zu erklären, dass er die CD's jetzt löschen würde, 30 Stück, alle komprimittierend. Stattdessen machte er aber weiter. Er hatte ein leichtes Spiel, da Arruda als geschwätzig gilt. So nahm er wieder mal ein verfängliches Gespräch mit dem Herrn Gouverneur auf. In dem Gespräch drückte Arruda seine Besorgnis aus, dass die Ehefrau von Durval, mit der dieser in Scheidung lebte, der Opposition Geheimnisse verraten könnte. Durval beruhigte ihn.

Dann wurde es Durval zu heiss und er stellte sich in Hoffnung auf eine Strafminderung der Polizei. Der erzählte er, dass ihm Arruda gedroht habe, dass er, falls er das Material veröffentliche, nur noch die Wahl habe, sich selbst in den Kopf zu schiessen oder ihn selbst umzubringen.

Jetzt gerät Herr Arruda schwer ins Schleudern. Das damalige Geldgeschenk zu Beginn seiner Karriere versucht er damit zu erklären, dass er mit dem Geld Hosen für arme Kinder gekauft habe. Plötzlich sieht er sich als Opfer einer Verschwörung. Er ist "perplex darüber das Ziel eines primitiven Angriffs durch jemanden zu sein, der sich all sein Mitarbeiter ausgibt. Die Delikte habe dieser in der Zeit seines Vorgängers begangen. Alles andere wäre eine einzige Lüge." Und das alles, um "die ernste und erfolgreiche Arbeit unserer Regierung" zu beflecken. Ansonsten bleibt er "ruhig" und "zuversichtlich" und vertraut auf die ernsthafte und unabhängige Justiz des Landes, wo die Wahrheit am Ende immer ans Tageslicht kommt.

Gouverneur Arruda, wir sind gespannt, wie das endet!

Informationsquelle: Folha Online, Sob a corrupção, chantagem e até ameaça de morte und Ultima Segundo, "Arruda está na minha mão", dizia Durval Barbosa

Beliebte Beiträge

Wale an Menschen: Lasst uns in Ruhe!

Vor allem an der französischen Mittelmeerküste hat der Kommerz ein neues Vermarktungspotential entdeckt. Mit Delfinen oder Walen schwimmen. Das läuft so ab: Ein Flugzeug sucht im Tieflug die Tiere und danach werden entsprechende Interessenten an den Ort gebracht, um mit den Tieren schwimmen zu können. Hört sich schrecklich tierlieb an, ist aber nur wieder einmal eine der schrecklichen Geschmacksverirrungen, zu denen der Mensch in der Lage ist.
Die französische Umweltorganisation "France Nature Environment " beschreibt die Folgen:
Die Meeressäugetiere, insbesondere die Wale, sind es nicht gewöhnt in der Nähe von Menschen zu sein.  Die Tatsache, direkt mit der Anwesenheit des Menschen konfrontiert zu werden führt zu einer nicht widerrufbaren Änderung im Verhalten der Tiere. Die Delfine und Wale werden durch die Anwesenheit von Menschen verwirrt und gestresst.  Wenn Sie mit dem Flugzeug verfolgt werden,  erschöpfen sie sich. Sie werden von ihren normalen Aktivitäten abgehalten …

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

So soll Großbritannien vom Joch der EU-Gesetzgebung befreit werden

Die britische Premierministerin Theresa legte vor kurzem dem Parlament das "Great Repeal Bill"  zur Abstimmung vor. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, mit dem das EU-Recht im Vereinigten Königreich für ungültig erklärt werden soll. Offiziell nennt sich das Gesetz "European Union (Withdrawal) Bill", also EU-Rücknahme-Gesetz.


Mit dem Gesetz sollen die rechtlichten Wirkungen des Vertrages von 1972 über den Beitritt des UK zu EU aufgehoben werden. Damit würde wieder nur das Recht des Vereinigten Königreichs gelten und die Rechtssprechungsbefugnis des Europäischen Gerichtshofs für Großbritannien beendet. Dazu soll die bisherige in EU-Gesetzgebung in nationales Recht überführt werden, so dass am Tag des erfolgten Austritts aus der EU kein Chaos entsteht.

Alle EU-Regeln sollen in nationales Recht übernommen werden. Anschließend kann das Parlament diese Regeln "ändern, ergänzen oder verbessern". Damit soll die Geschäftswelt und Bürger und Bürgerinnen beruhigt …

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…