Montag, 30. November 2009

Krimi aus dem Korruptionssumpf Brasilia

José Roberto Arruda, geboren in Itajubá 1954, ist Elektroingenieur und ein Politiker der brasilianischen Partei DEM (Democratas).

Zur Zeit ist er Gouverneur im Bundesdistrikt von Brasilia. Im deutschen Vergleich könnte man ihn mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin vergleichen. Seine Amtszeit läuft bis 31. Dezember 2010. Vielleicht erreicht er aber dieses Datum nicht im Amte.

Der Bösewicht, der ihn vorher zu Fall bringen könnte, ist ein Herr namens Durval Barbosa. Herr Durval Barbosa war Polizist und stammt aus dem Norden Brasiliens, dem Bundesstaat Piauí. Er entwickelte sich schon früh zu einem trickreichen Fachmann für Erpressungen. Nachdem er aus dem Polizeidienst ausgeschieden war, wechselte er in die öffentliche Verwaltung und verfeinerte sein "Geschäft" und die Art dieses zu betreiben.

Gouverneur Arruda lernte Herrn Barbosa im Wahlkampf um den Gouverneursposten kennen. Er besuchte damals seinen Vorgänger im Amt, Joaquim Roriz, und traf dabei auf Herrn Durval, der ein Bediensteter im Amt des Gouverneurs war. Herr Durval war damals sehr grosszügig. Er händigte Herrn Arruda ein Bündel Banknoten im Wert von R$ 50.000 R$ (ca. 20.000 Euro nach heutigem Kurs) aus. Ab dem Zeitpunkt hatte er ein Problem, denn Durval liess die Übergabe heimlich filmen.

Nachdem Arruda zum Gouverneur gewählt wurde, hatte er Herrn Durval am Hals. Der steckte in Schwierigkeiten, war Angeklagter in Dutzenden von Prozessen und benötigte dringend "Protektion". Zuerst gelang es Arruda noch, dem Herrn die kalte Schulter zu zeigen bis er einen Stapel CD's erhielt, auf denen unter anderem der Geldübergabe-Film darauf war. Drei Monate nach der Amtsübernahme brach sein Widerstand: Er ernannte Herrn Durval zum Sekretär für institutionelle Fragen im Bundesdistrikt.

Herr Arruda berichtete jetzt seinen Parteifreunden, dass er glaubte mit der Einstellung von Durval die "Bombe" entschärft zu haben. Dabei war das Gegenteil der Fall. Er zeigte, dass er erpressbar war und damit war er für einen Barbosa ein gefundenes Fressen. So ganz naiv war nun Arruda aber auch nicht. Er kannte Durval schon seit langem. Dieser war bekannt dafür, dass er unter der Regierung des Vorgängers Roriz für die Millionengeschäfte im Codeplan (Verträge im Informatikbereich) zuständig war und bei jedem Vertragsabschluss sein "Trinkgeld" (propina) haben wollte. Er soll damals Verträge in einer Grössenordnung "erzeugt" haben, die sogar unter der korrupten Regierung Roriz verdächtig hoch waren. Deshalb wurden auch Gelder an Oppositionspolitiker bezahlt u.a. Arruda. Nachdem er nun Durval in seiner nächsten Nähe hatte, ging Arruda dazu über, sich auch seiner Methoden zu bedienen. Er schusterte Durval Verträge im Wert von 100 Millionen R$ zu und mutierte so vom "Erpressten" zum "Komplizen".

So konnte Durval weiterhin seine "Trinkgelder" einsammeln. Mit dem Geld stellte er Abgeordnete ruhig, zahlte persönliche Spesen des Gouverneurs und seiner Gehilfen und finanzierte Rechtsanwälte, die ihn in den vielen Prozessen gegen ihn vertraten. Plötzlich gab es aber Prozesse, die gegen ihn ausgingen. Durval fühlte sich verraten. Arruda's Alptraum wurde grösser. Durval versuchte ihm zu erklären, dass er die CD's jetzt löschen würde, 30 Stück, alle komprimittierend. Stattdessen machte er aber weiter. Er hatte ein leichtes Spiel, da Arruda als geschwätzig gilt. So nahm er wieder mal ein verfängliches Gespräch mit dem Herrn Gouverneur auf. In dem Gespräch drückte Arruda seine Besorgnis aus, dass die Ehefrau von Durval, mit der dieser in Scheidung lebte, der Opposition Geheimnisse verraten könnte. Durval beruhigte ihn.

Dann wurde es Durval zu heiss und er stellte sich in Hoffnung auf eine Strafminderung der Polizei. Der erzählte er, dass ihm Arruda gedroht habe, dass er, falls er das Material veröffentliche, nur noch die Wahl habe, sich selbst in den Kopf zu schiessen oder ihn selbst umzubringen.

Jetzt gerät Herr Arruda schwer ins Schleudern. Das damalige Geldgeschenk zu Beginn seiner Karriere versucht er damit zu erklären, dass er mit dem Geld Hosen für arme Kinder gekauft habe. Plötzlich sieht er sich als Opfer einer Verschwörung. Er ist "perplex darüber das Ziel eines primitiven Angriffs durch jemanden zu sein, der sich all sein Mitarbeiter ausgibt. Die Delikte habe dieser in der Zeit seines Vorgängers begangen. Alles andere wäre eine einzige Lüge." Und das alles, um "die ernste und erfolgreiche Arbeit unserer Regierung" zu beflecken. Ansonsten bleibt er "ruhig" und "zuversichtlich" und vertraut auf die ernsthafte und unabhängige Justiz des Landes, wo die Wahrheit am Ende immer ans Tageslicht kommt.

Gouverneur Arruda, wir sind gespannt, wie das endet!

Informationsquelle: Folha Online, Sob a corrupção, chantagem e até ameaça de morte und Ultima Segundo, "Arruda está na minha mão", dizia Durval Barbosa