Freitag, 6. November 2009

Bürgermeister im Kampf für die Biotonne und die neue Müllpolitik

Barcelona bekommt die Biotonne. Bürgermeister Jordi Hereu ist stolz auf Barcelona, weil Barcelona damit die zweite Grossstadt, nach Wien, in Europa ist, die organischen Müll gesondert sammelt und bearbeitet. Die neuen Tonnen - sie sind grün - werden in den nächsten Wochen ausgeliefert.

Dumm ist nur, dass der Kenntnisstand der Bewohner Barcelona's bezüglich Müll und Wiederverwertung miserabel ist. Der Durchschnittsbürger glaubt, dass die Müllltrennung nur Theater ist. Seiner Ansicht nach muss er trennen und danach wird wieder alles auf einen Haufen geschmissen und verbrannt.

Um diesem Vorurteil Paroli zu bieten, hat sich Hereu mit seinem Stab zur Recyclingstation, ecoparque (Ökopark) genannt, in Montcada begeben. Für seine ungläubigen Bürger hat er demonstrieren lassen wie der Müll angeliefert, sortiert und behandelt wird. Natürlich schmeissen die Barceloniner ihren Müll immer noch kreuz und quer durcheinander, so dass in der braunen Tonne das ist, was in die graue gehört und umgekehrt. Es wird auf der Station vorgeführt wie das mühsam vor Ort getrennt werden muss. Dann aber wird demonstriert wie aus organischem Müll Dünger wird und aus den Resten Biogas, mit der sich der Ökopark autark mit Energie versorgen kann.

Der unvermeidliche Restmüll, auch das wird demonstriert, wird in Ballen gepresst und in die Mülldeponie "Argilera Elena" gebracht. Das Gelände liegt in der Gemeinde Cerdanyola und ist ein Tagebau, in welchem früher Ton abgebaut wurde. Das Loch wird jetzt mit Restmüll gefüllt und wird, wenn es voll ist, eine hügelige Landschaft bilden. Man wird den Müll nicht mehr sehen und blühende Landschaften werden auf ihm entstehen.

Plastikbehälter und -flaschen, die Barcelona diszipliniert in der gelben Tonne ablegen sollte, gehen an den Strandort Gavà, wo auch diese der Wiederverwertung zugeführt werden. Nichts bleibt also unbehandelt und es der Wunsch des Bürgermeisters, dass seine Bürgerinnen und Bürger das auch begreifen.

Im Rücken von Gavà kann man die naturzerstörende Müllpolitik der letzten Jahrzehnte beobachten. Im Naturpark des Garraf liegt die grösste offene Müllkippe Barcelona's die erst 2006 geschlossen wurden. Der Garraf ist ein Wandergebiet und in der Beschreibung einer Wanderung (noch vor der Schliessung der Deponie verfasst) heisst es über die Müllkippe, die 2 Täler aufgefüllt hat: "Schon allein durch den Geruch können wir uns vorstellen, welche Probleme eine solche Menge von Müll, aufgestapelt bis zu einer Tiefe von 100 m, verursacht. Während wir langsam die Deponie zugehen, können wir uns Gedanken über die Lösung des Abfallproblems machen. Zur Zeit beleuchtet das Gas des Garraf teilweise Barcelona und die Abwasser werden behandelt. Auf dem Rückweg kann man sich fragen, mit was wir das verdient haben, während hunderte von Möwen sich ein Fest daraus machen."

Informationsquelle: El Periódico, Hereu echa el resto para combatir la leyenda negra que rodea al reciclaje
Bild: Jordi Hereu; Foto: JOSEP GARCIA

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