Direkt zum Hauptbereich

Bürgermeister im Kampf für die Biotonne und die neue Müllpolitik

Barcelona bekommt die Biotonne. Bürgermeister Jordi Hereu ist stolz auf Barcelona, weil Barcelona damit die zweite Grossstadt, nach Wien, in Europa ist, die organischen Müll gesondert sammelt und bearbeitet. Die neuen Tonnen - sie sind grün - werden in den nächsten Wochen ausgeliefert.

Dumm ist nur, dass der Kenntnisstand der Bewohner Barcelona's bezüglich Müll und Wiederverwertung miserabel ist. Der Durchschnittsbürger glaubt, dass die Müllltrennung nur Theater ist. Seiner Ansicht nach muss er trennen und danach wird wieder alles auf einen Haufen geschmissen und verbrannt.

Um diesem Vorurteil Paroli zu bieten, hat sich Hereu mit seinem Stab zur Recyclingstation, ecoparque (Ökopark) genannt, in Montcada begeben. Für seine ungläubigen Bürger hat er demonstrieren lassen wie der Müll angeliefert, sortiert und behandelt wird. Natürlich schmeissen die Barceloniner ihren Müll immer noch kreuz und quer durcheinander, so dass in der braunen Tonne das ist, was in die graue gehört und umgekehrt. Es wird auf der Station vorgeführt wie das mühsam vor Ort getrennt werden muss. Dann aber wird demonstriert wie aus organischem Müll Dünger wird und aus den Resten Biogas, mit der sich der Ökopark autark mit Energie versorgen kann.

Der unvermeidliche Restmüll, auch das wird demonstriert, wird in Ballen gepresst und in die Mülldeponie "Argilera Elena" gebracht. Das Gelände liegt in der Gemeinde Cerdanyola und ist ein Tagebau, in welchem früher Ton abgebaut wurde. Das Loch wird jetzt mit Restmüll gefüllt und wird, wenn es voll ist, eine hügelige Landschaft bilden. Man wird den Müll nicht mehr sehen und blühende Landschaften werden auf ihm entstehen.

Plastikbehälter und -flaschen, die Barcelona diszipliniert in der gelben Tonne ablegen sollte, gehen an den Strandort Gavà, wo auch diese der Wiederverwertung zugeführt werden. Nichts bleibt also unbehandelt und es der Wunsch des Bürgermeisters, dass seine Bürgerinnen und Bürger das auch begreifen.

Im Rücken von Gavà kann man die naturzerstörende Müllpolitik der letzten Jahrzehnte beobachten. Im Naturpark des Garraf liegt die grösste offene Müllkippe Barcelona's die erst 2006 geschlossen wurden. Der Garraf ist ein Wandergebiet und in der Beschreibung einer Wanderung (noch vor der Schliessung der Deponie verfasst) heisst es über die Müllkippe, die 2 Täler aufgefüllt hat: "Schon allein durch den Geruch können wir uns vorstellen, welche Probleme eine solche Menge von Müll, aufgestapelt bis zu einer Tiefe von 100 m, verursacht. Während wir langsam die Deponie zugehen, können wir uns Gedanken über die Lösung des Abfallproblems machen. Zur Zeit beleuchtet das Gas des Garraf teilweise Barcelona und die Abwasser werden behandelt. Auf dem Rückweg kann man sich fragen, mit was wir das verdient haben, während hunderte von Möwen sich ein Fest daraus machen."

Informationsquelle: El Periódico, Hereu echa el resto para combatir la leyenda negra que rodea al reciclaje
Bild: Jordi Hereu; Foto: JOSEP GARCIA

Reblog this post [with Zemanta]

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kafkaeske Erfahrungen mit Coliposte

Der Blogger Eric aus Frankreich berichtet in seinem Blog "PresseCitron", den ich heute neu in meine Blog-Liste aufgenommen habe, über eine deprimierende Erfahrung mit der französischen Gepäckpost. Unter dem Titel "Ne vous déplacez pas, de toute façon vous étiez absent" (gehen sie nicht weg, auf jeden Fall werden sie abwesend sein) berichtet er über eine nur auf dem Papier stehende Dienstleistung der Gepäckzusteller.

In der Episode 1 wird ihm in seiner Abwesenheit vom Postboten (facteur) ein Paket gebracht. Wie er nach Hause kommt findet er den Auslieferungszettel (le bordereau) in seinem Briefkasten, auf dem er in großen Buchstaben daraufhingewiesen wird: "Gehen sie nicht weg" (Ne vous déplacez pas). Er soll am andern Morgen zwischen 9 und 12 Uhr den Boten erwarten. Bittere Bemerkung von Eric dazu: Scheinbar haben die Postmenschen (les postiers) noch nicht begriffen, dass sie im Dienst des Kunden stehen und nicht umgekehrt.

Episode 2: Am nächsten Morgen st…

Bittere Cashew-Nüsse und schwarze Kinderhände

Im Nordosten Brasiliens werden die beliebten Cashew-Nüsse, auf deutsch auch Kaschu genannt, geerntet. “Der Cashewbaum trägt ungewöhnliche Früchte, augenscheinlich sind es sogar zweierlei verschiedene: die bunten Cashew-Äpfel und die an Bohnenkerne erinnernden Cashewnüsse, quasi als Anhängsel.  Nebenbei produziert der Cashewbaum auch noch Latex und ein technisch wertvolles Öl. Sein Holz ist sehr hart und dicht, resistent gegen Termiten und sehr widerstandsfähig gegen Verwitterung.” So beschreibt die Webseite “Biothemen” Cashew und Cashewkerne.

Die Cashew-Nuss ist schwierig zu ernten. Die Schale enthält ein ätzendes Öl. Dieses Öl verletzt die Haut, verursacht Irritationen und chemische Verbrennungen. Zudem ist das Öl leicht entzündlich und klebrig. Beim Aufbrechen der Schalen mit den Händen werden die Hände schwarz und verletzen die Papillarleisten der Finger. Das Öl breitet sich beim Brechen der Nüsse über die Finger bis zu den Spitzen aus. Die Linien auf den Fingerspitzen verschwinde…

Pina Bausch und die Katalanen

Die katalanischsprachige Zeitung "Avui" widmet der gestern in Wuppertal verstorbenen Tänzerin und Choreographin Pina Bausch einen Nachruf mit der Bemerkung: Die Barcloneser sind Pina Bausch sehr zu Dank und zum Gedenken verpflichtet. Im Jahr 1980 ist Pina Bausch das erste Mal in Barcelona aufgetreten, damals im noch nicht sanierten Theater von "Mercat de les Flors".

"Jenes 1980 war ein Schock in einem Moment, in dem Barcelona's Theaterwelt bedingt durch den Franco-Faschischmus gerade aus der szenischen Lethargie aufwachte. 1980 wurde das Fenster geöffnet, durch das ein eiskalter Wind zog, der alles entblösste und den Eintritt des Barceloneser Theater nach Europa bedeutete. Pina Bausch hat uns aufgewühlt und hat uns während Dekaden mitfühlen lassen", schreibt Avui.

Viele katalanische Theatergruppen wurden vom Tanz von Pina beeinflusst, sei es die bereits verschwundene Gruppe "Heura" bis zur heutigen "Senza Tempo" oder auch Marta Carra…