Direkt zum Hauptbereich

Wer will schon in Ungarn arbeiten oder wie Populisten ein Land ruinieren

Der Pester LLoyd berichtete über den Fachkräftemangel in Ungarn:
Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, wegen Unterbezahlung, falscher Ausbildungspolitik, ideologisch bedingter Realitätsverweigerung und Abwanderung, lässt die Regierung hektisch werden. Selbst die großen, privilegierten Investoren werden langsam unruhig und mahnen die Regierung. Die plant jetzt Abgabensenkungen gegen Lohnerhöhungen. Millionen sollen außerdem in Venture Capital gesteckt werden, eine einstellige Einkommenssteuer ist dafür vom Tisch. Ein wirkliches Konzept ist das nicht, denn dafür bräuchte es einen Systemwechsel.....

Die weiteren Ausführungen sind es wert gelesen zu werden.


Andrea Lukács war drei Wochen lang zu Gast bei Handelsblatt Online. Sie berichtete über den Ärztemangel in Ungarn:
In Ungarn versucht die Regierung schon fast verzweifelt, die Ärzte zum Bleiben zu zwingen. Seit diesem Jahr müssen Absolventen die Zeit ihres Studiums – in der Regel sechs Jahre - im Heimatland abarbeiten – und zwar innerhalb der folgenden 20 Jahre. So will das Land die medizinische Versorgung sichern. Denn allein bis September dieses Jahres waren es 1.600 Ärzte und Pfleger, die ihr Glück im Westen suchen wollten. 2011 waren es 1.900. 

Und Welt Online berichtet:
Ungarische Firmen suchen händeringend Arbeitskräfte. Denn die Jugend wandert ab in Länder, in denen man mehr verdient. Die Unternehmen würden gern Facharbeiter aus dem Ausland einstellen, auch qualifizierte Flüchtlinge. Aber die Regierung Orbán ist dagegen. Sie setzt auf eine Stärkung der Familien und auf Kinderreichtum.


Und der Pester Lloyd legt dann auch den Finger in die Wunde:
Bei einem Runden Tisch der Autoindustrie vor einigen Tagen beklagten selbst die besonders umsorgten Großinvestoren Audi und Daimler den Mangel an adäquaten Arbeitskräften für ihre Branche, - ein deutliches Warnzeichen an Orbán, der durch seine asoziale, ständestaatliche und bildungsfeindliche Politik seit 2010 fast eine Million junger Leute in den Westen vertrieben hat und aus ideologischen Gründen lieber Hunderttausende in 1-Forint-Programmen den Wald fegen lässt als eine anständige Bildungs- und Qualifizierungspolitik zuzulassen.

Ja, Ungarn ist auf Arbeitskräfte angewiesen. Wie ein Bumerang kommt die ganze fremdenfeindliche und nach innen autoritäre Politik der Orban-Regierung zurück. Die einheimischen Fachkräfte können sich anderswo ein besseres Arbeitsklima vorstellen und die Ausländer winken dankend ab. Ungarn umschleimt deutsche Rentner ihren Wohnsitz in Ungarn aufzunehmen, weil es da bestimmt keine Muslime gibt und hat gleichzeitig keine Menschen, die diese Rentner dann versorgen.

Der gelernte Volkswirt und Politikwissenschaftler (Diplom-Politologe) Wolfgang J. Koschnick hat bereits im März diesen Jahres in einem Artikel auf der Webseite "Telepolis" einer solchen Politik energisch die Leviten gelesen:

Es kommt hinzu: Europas Bevölkerung schrumpft seit Jahrzehnten und wird das weiter tun. Der demografische Wandel ist unaufhaltsam. Europa braucht dringend junge Leute. Einige Völker Europas werden in wenigen Generationen fast ausgestorben sein, wenn sie nichts dagegen unternehmen. 

Am dramatischsten ist das in Osteuropa, wo man sich am fanatischsten gegen jede Zuwanderung sträubt, obwohl man sie am dringendsten braucht: in Ungarn, Polen, Rumänien, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Tschechien. Was die Politiker da, auf einer Welle dumpfer völkischer Verbohrtheit schwimmend, treiben, ist im Angesicht der demografischen Realität geradezu kriminell - ein Verbrechen an den eigenen Völkern. Und was die Bevölkerungen da tragen, ist eine Art kollektiver Selbstmord aus dumpfer Verbohrtheit. 

Die zehn am bedrohlichsten schrumpfenden Nationen der Welt liegen ausnahmslos in Ost- und Südosteuropa. Bis 2050 wird allein Polens Bevölkerung um 5,7 Millionen Menschen zurückgegangen sein, die Rumäniens um 4,3 Millionen und die Bulgariens um 2,8 Millionen.
Da sagt sich mancher Einfaltspinsel: Na, und? Ein paar weniger. Das macht auch nix. Ein paar Fresser weniger. Und wenn das eine durch und durch proportionale Schrumpfung wäre, könnten die Länder das vielleicht auch verkraften. Aber das ist lebensfremd; denn vor allem der Anteil der Menschen im arbeitsfähigen Alter schrumpft rapide, die Zahl der Menschen im Rentenalter dagegen wird wachsen. 

....
Denn wenn die Staaten Osteuropas in den kommenden Jahrzehnten demografisch veröden, werden sie unweigerlich auf viele EU-Fördermilliarden angewiesen sein. Eine gemeinsame Einwanderungspolitik wäre eine ökonomisch und politisch vernünftige Lösung. Man muss sich das genau vor Augen führen: Durch ihre völkische Verbohrtheit organisieren die Osteuropäer ihre eigene Auszehrung und werden deshalb EU-Milliarden brauchen, um ihr selbstverschuldetes Elend zu bekämpfen.



Informationsquelle
Deutschlands Rettung in Weiß kommt aus Ungarn
Humankapital auf der Flucht: Ungarn reagiert planlos auf Fachkräftemangel
Ungarns Wirtschaft sucht den perfekten Einwanderer 
Die nationalistisch Verbohrten und die völkisch Verblödeten

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Junge Ungarn flüchten aus Orbans migrantenfreiem Paradies

Victor Orban hat vor kurzem die Parlamentswahl in Ungarn gewonnen und dank eines nach seinen Vorstellungen zugeschnittenen Wahlrechts gleich auch noch mit verfassungsändernder Mehrheit. Das Orban-Regime zementiert sich in Ungarn ein. Scheinbar kann man mit einer Politik, die den Normalbürger unverfroren entmündigt, immer noch Wahlen gewinnen. Damit dürfte sich die Mehrheit der mit Angstpropaganda vor Flüchtlingen und Islam und unterschwellig mit antisemitischer Propaganda bombardierten ungarischen Wähler in ihr Schneckenhaus zurückgezogen haben, in der Hoffnung, dass dieses vom großsprecherischen Ministerpräsidenten auch tatsächlich gegen die Unbilden der Welt geschützt werden kann.

Der unterlegenen Minderheit, insbesondere der Jugend, nimmt das stickige Klima im Land die Luft zum atmen. Deshalb ist es sehr verständlich, wenn inzwischen viele das Weite suchen. Dank der Freizügigkeit in der Europäischen Union ist das zumindest in Europa heutzutage möglich. Die Web-Zeitung Huffington P…

Offizielle Faschistenverehrung in Spanien bleibt eine regierungsamtliche Selbstverständlichkeit

Aus Wikipedia (spanisch) ist zu erfahren:
Das Herzogtum von Franco (Ducado de Franco) ist ein spanischer Adelstitel für höchste Repräsentanten des spanischen Adels, der am 26. November 1975 durch König Juan Carlos I eingerichtet und an Maria del Carmen Franco Polo verliehen wurde, die damals noch den Titel "angeheiratete Marquise von Villaverde" als Aufmerksamkeit für die besonderen Umstände und Verdienste, die damit verbunden sind" trug.

Seit dem 29. Dezember 2017 ist nach dem Tod der Titelträgerin dieser Titel vakant.

Die Titelträgerin, Maria del Carmen Franco Polo, war die Tochter des 1975 verstorbenen Diktators Francisco Franco. Nach ihrem Tod Tod gibt es nun in Spanien eine Diskussion, ob der Titel weiter vererbt werden kann. Die Enkelin des Diktators, Carmen Martínez Bordiú, hat einen solchen Antrag gestellt. In der Diskussion geht es nicht nur um die formale Möglichkeit, den Titel weiter tragen zu dürfen, sondern auch darum wie Spanien mit dem faschistischen Er…