Mittwoch, 26. Oktober 2016

Brasilianische Jugend hat wenig Vertrauen in die Zukunft ihres Landes, aber umso mehr in Europa

In Brasilien hat der Forscher Ilton Teitelbaum eine Studie unter dem Titel "Der junge Brasilianer und die Zukunft des Landes" gefertigt, für die er eine Meinungsumfrage bei 1.700 Jugendlichen im Alter zwischen 18 und 34 durchgeführt hatte.

Teitelbaum fasst das Ergebnis so zusammen:
Diese Jugendlichen sind in einer Epoche ohne Inflation, im digitalen Zeitalter aufgewachsen und deshalb träumten sie davon, dass Brasilien eine Weltmacht werden könnte. Da dies nicht passiert ist, sind sie immer mehr zu der Überzeugung gekommen, dass sie in 10 Jahren nicht mehr in diesem Land leben möchten. Es ist Tatsache, dass es wenig Stolz gibt, Brasilianer zu sein, vieles ist auf die politischen und wirtschaftlichen Probleme zurückzuführen, diese Instabilität, die uns ständig verfolgt. 


Nach den erhobenen Daten wollen 36% der Befragten ins Ausland umziehen. Die USA und England heben sich als die beliebtesten Ziele hervor, aber es gibt eine Neuheit: "Die Tatsache, dass die Jugendlichen vermehrt für Deutschland Interesse zeigen, bedeutet, dass sie die Entwicklung in Europa für gut halten. Für Kanada, weil das Land vermutlich eine "light" Version der USA ist, ein Amerika ohne Amerika, ein mehr europäisches Amerika", erklärt Teitelbaum die Auswanderungsziele.


Eigentlich sind die Jugendlichen mit der kürzeren Vergangenheit Brasiliens durchaus einverstanden. Positiv bewerten sie die Sozialpolitik der vergangenen Jahre. Ihre Generation ist mit den Wohltaten und dem guten Einfluß einer Politik der Umverteilung groß geworden. Sozialprogramme wie Minha Casa Minha Vida, Fies oder ProUni haben dafür gesorgt, dass viele Leute studieren konnten. Jetzt scheint alles auseinanderzufallen. Für Teitelbaum ist es die Frage, ob jetzt die Jugendlichen das System ändern werden oder das System die Jugendlichen. Dazu meint er: "Man sollte glauben, dass nur eine gemeinsame Anstrengung Brasilien nach vorne bringt, aber es gibt kein Vertrauen zueinander.  Es geht darum, dass wir entweder anfangen effenktiv eine Nation zu sein oder unsere Zukunft wird ähnlich der der jüngsten Vergangenheit sein. Wir wiederholen diesselbe Sache, weil Brasilien nicht in der Lage ist, sich wie ein Land zu organisieren und es ihm nicht gelingt zu einer Nation zu werden."


Informationsquelle
X, Y e Z, três gerações desiludidas com o futuro do Brasil