Donnerstag, 6. Oktober 2016

Frau May und die Marmeladen-Affäre

Wir werden ein vollkommen unabhängiges, souveränes Land – ein Land, das nicht länger Teil einer politischen Union ist mit supranationalen Institutionen, die nationale Parlamente und Gerichte übergehen können.
Theresa May

Die Marmeladen-Affäre
Die britische Presse lobte die Ankündigungen von Theresa May in höchsten Tönen als "Freiheitsmarsch" (Sun), "historische Rede" (Mail), "keine Kapitulation" (Express). Doch die Unsicherheit bleibt, was der Brexit denn nun konkret bedeutet. Symptomatisch dafür sind die Reaktionen auf einen Tweet, den das britische Handelsministerium nach der May-Rede absetzte.
"Frankreich braucht hochwertige, innovative britische Marmelade und Konfitüre", twitterte das Ministerium und verwies dabei auf entsprechende "Exportchancen". Das Ministerium forderte britische Produzenten auf, sich zu melden, man vermittle dann Kontakt zu einem Nahrungsmittel-Agenten, der entsprechende Erzeugnisse in Frankreich vermarkten wolle. Per Formular können sich britische Unternehmen bewerben.
Beim Kurznachrichtendienst Twitter löste der Tweet viel Spott und Häme aus. Was "innovative" Marmelade sei, war noch eine der harmloseren Bemerkungen. "Marmelade und Konfitüre – das ist alles, worüber die Jungs und Mädchen im Ministerium nachdenken?", fragte einer. "Wow, unsere Zukunft hängt jetzt vom Verkauf von Marmelade und Konfitüre an die Franzosen ab", kommentierte ein anderer. "Großartiger Humor. Einmal am Tag lachen ist gut für die Seele", so eine Nutzerin. Mit 280 Retweets und 164 Likes hatte das Handelsministerium immerhin deutlich mehr Aufmerksamkeit als gewöhnlich erzielt.

(aus Telepolis "Wir werden ein vollkommen unabhängiges, souveränes Land" von Dirk Eckert)