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Ist ein Plagiat wichtiger als effektive Korruptionsbekämpfung?

Sebastian Ghiță, 44 Jahre alt, ist ein rumänischer Geschäftsmann, dem die Firma Asesoft und der Fernsehsender RTV gehört. Seit 2012 ist er auch Abgeordneter im rumänischen Parlament. Gewählt wurde er für das Parteienbündnis USL, wechselte aber 2016 die Partei und wurde Mitglied bei der PRU (einer rechtsextremistische Partei). Sein Vermögen wurde 2009 auf 90 bis 100 Millionen Euro geschätzt. Er hat den Übernamen “Copilu” (das Kind). Gegen Ghiță laufen zur Zeit mehrere Strafverfahren wegen Geldwäsche, Vertrauensbruch, Erpressung, Bestechung und Fahren ohne Führerschein. Er befindet sich zur Zeit nach Zahlung einer Kaution in Höhe von 13 Millionen Euro auf freiem Fuß.

Seine heftigste Gegnerin ist die Leiterin der rumänischen Anti-Korruptionsbehörde DNA, Laura Kövesi. Unter ihrer Leitung hat die Korruptionsbekämpfung in Rumänien große Fortschritte gemacht. Wichtigen Politikern auf Regierungs-, Kreis- und Gemeindeebene wurden wegen Bestechung der Prozess gemacht. Eine Umfrage aus dem Jahr 2015 ergab, dass inzwischen über 60% der Rumänen Vertrauen in die Arbeit der DNA haben. Im April dieses Jahres wurde das Mandat für Laura Kövesi für weitere 3 Jahre verlängert. 2012 wurde ihr vorgeworfen, dass sie bei ihrer Doktorarbeit abgeschrieben habe. Sie konnte allerdings nachweisen, dass diese Vorwürfe haltlos sind.

Die Plagiatsvorwürfe sind eine Schwachstelle, auf die sich jetzt Herr Ghiță stürzt, im Versuch seine Haut zu retten. Er hatte jetzt die schlaue Idee einer Selbstanzeige. In dieser bezichtigte er sich selbst im Jahre 2012 als Mitglied des Nationalen Ethikrates (CNE), einer zum Wissenschaftsministerium gehörende Einrichtung, eine falsche und gegen die gesetzlichen Bestimmungen verfasste Expertise über die Doktorarbeit von Laura Kövesi verfasst zu haben. Er habe Beweise, dass die entsprechende Kommission nie getagt habe und die falsche Expertise unter Einflussnahme hoher Würdenträger und Politiker und mit Zustimmung von Kövesi verfasst worden sei. Er erklärt feierlich, dass er all diesbezüglichen Dokumente, die ein Plagiat bei der Doktorarbeit von Kövesi nachweisen, vorlegen werde.

Die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ) berichtet, dass “bis dato der wiederholt zur Generalstaatsanwaltschaft vorgeladene Ghiță außer einigen Zeitungsartikeln älteren Datums Null Beweise für seine Behauptungen erbracht hat. Auch scheint Ghiță nicht gewillt zu sein, beim Rat für die Überprüfung von akademischen Titeln, Diplomen und Zertifikaten (CNATDCU) Anzeige zu erstatten – bekanntlich das einzige für Plagiatsfragen zuständige Gremium.”

Man darf sich fragen, was wichtiger ist: Eine hart und beharrlich gegen Korruptionsmachenschaften vorgehende Leiterin der Anti-Korruptionsbehörde oder die versuchte Ablenkung in Form der Schaffung eines Skandals über abgeschriebene Stellen in einer Doktorarbeit. Für Rumänien wird es wichtig sein, dass Kövesi bisher ihre Arbeit gut gemacht hat und Sebastian Ghiță seine wohlverdiente Strafe bekommt.


 Informationsquelle
Sebastian Ghiță – Wikipedia rumänisch
Ce scrie în denunțul făcut de Sebastian Ghiță. Acuzații năucitoare la adresa Laurei Codruța Kovesi
Kövesi geißelt zunehmende Attacken auf die DNA

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