Direkt zum Hauptbereich

Leidende spanische Fluglotsen

Die spanischen Fluglotsen haben Spanien dieses Wochenende mit einem wilden Streik ein derartiges Chaos beschert, dass die Regierung das erste Mal seit der Demokratisierung den Notstand ausrufen musste. Das bedeutete, dass die Fluglotsen zur Arbeit gezwungen werden und bei Weigerung vor Militärgerichte gestellt werden konnten. Der Streik wurde daraufhin beendet.

Nicht beendet sind aber die Gründe, die zu diesem Streik führten. Begonnen hat das jahrelange Gezerre im Jahr 1999, das Jahr, in dem zum ersten Mal ein Tarifvertrag für die spanischen Fluglotsen abgeschlossen wurde. In diesem Tarifvertrag wurde eine Arbeitszeit von 1.200 Stunden im Jahr festgelegt und zudem ein Grundgehalt, das jährlich um die Inflationsrate erhöht sich heute auf 140.000 Euro beläuft. Ende 2003 lief der Tarifvertrag aus, zu einer neuen Einigung kam es nicht. Im Laufe der darauf folgenden Jahre wurde auf Druck der Fluglotsen die bisher geltende Arbeitszeit verlängert und alles, was darüber hinausging, wurde als teuer bezahlte Überstunden abgerechnet. Einige Fluglotsen nutzten die günstige Gelegenheit und verdoppelten ihre Arbeitszeit und gingen dafür mit Jahresgehältern von über 300.000 Euro im Jahr nach Hause. Die IATA wies bereits 2006 auf die hohen Kosten der spanischen Flugkontrolle hin.

Bei den Fluglotsen handelt es sich um eine kleine Schar gutausgebildeter Spezialisten, die man nicht innerhalb kürzester Zeit ersetzen kann. Die Regierung beschuldigt die Fluglotsen-Gewerkschaft USCA, diese Situation genutzt zu haben, um für die Fluglotsen umfangreiche Privilegien zu erpressen. Trotz einer erheblichen Steigerung des Flugverkehrs, stieg nicht die Zahl der Fluglotsen. Dafür aber die der Überstunden. Warum nicht mehr Fluglotsen eingestellt wurden: Nach Ansicht der Flughafenverwaltungsbehörde AENA beinflussten die Fluglotsen die Zahl der Einstellungen, weil sie für die Ausbildung zuständig waren. Natürlich waren AENA auch die Kosten für die Fluglotsen zu hoch, weshalb sie ebenfalls kein Interesse an mehr angestellten Fluglotsen hatte.

Der Minister für Infrastruktur, José Blanco, wollte das ändern. Er setzte alles in Bewegung, um die "Privilegien" der Fluglotsen, die in Europa zu den Bestverdienenden gehörten, aber nur eine niedrige Arbeitsproduktivität aufweisen konnten, zu beenden. Im Februar wurde per Gesetz die Jahresarbeitsstunden auf 1.750 Stunden erhöht, eingeschlossen 80 Überstunden, die als normale Arbeitszeit erbracht werden musste. Gleichzeitig wurde aber das Höchstalter für den Fluglotsendienst auf 57 Jahre herabgesetzt. Damit gab es noch weniger Personal und noch mehr Überstunden. Die Regelung wurde dann zwar modifiziert, so dass man unter halbjährlicher ärztlicher Beobachtung auch länger arbeiten konnte.

Seit dem Frühling dieses Jahres gibt es eine Klageflut der Fluglotsen gegen AENA, weil ihnen Beurlaubungsmöglichkeiten (z.B. Erziehungsurlaub) wegen Personalknappheit verboten wurden. Die Zahl der Krankmeldungen stieg steil an. Im vergangenen Monat erschienen in Santiago de Compostela Fluglotsen nicht mehr zur Arbeit mit der Begründung, dass ihr Jahresstundensoll erfüllt sei. Da es auf andern Flughäfen auch nicht anders aussah, war bis Weihnachten der Ausfall des gesamten Fluglotsendienste zu befürchten. Die Stimmung kochte über als bekannt wurde, dass die Regierung beabsichtige, von den Jahresollzahlen die Beurlaubungen für Gewerkschaftstätigkeit, Erziehungsurlaub und Krankheitstage abzuziehen. Damit war der wilde Streik da und mit ihm das Chaos.

Vorläufig hat die Regierung mit brachialer Gewalt für Ruhe gesorgt.

El sueldo y la jornada laboral alimentaron la protesta · ELPAÍS.com

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…