Montag, 20. Dezember 2010

Einsame Weihnachten in Barcelona

Auch Spanien gehört zu den europäischen Ländern, in denen die Gesellschaft immer mehr vergreist. Zudem gibt es das frühere Zusammenleben mehrerer Generationen in einer Familie immer weniger. Die Folge ist, dass viele Menschen allein leben. An Weihnachten erinnert man sich gerne daran, dass sich eigentlich wenigstens an diesen Festtagen alle Menschen in Gesellschaft befinden sollten.

In Barcelona gibt es ungefähr 70.000 Menschen, die über 70 Jahre alt sind und alleine leben. Davon sind über die Hälfte Frauen. Die Zeitung "El Periódico" berichtet darüber und schreibt: "Es gibt keine schlimmere Krise in der modernen Gesellschaft als die Einsamkeit und keine schlimmere Armut als die Armut der Gefühle." Die Wohlfahrtsverbände in Barcelona berichten, dass viele alte Menschen in der Stadt isoliert leben und dass für sie Weihnachten zu einer deprimierenden Erfahrung der Einsamkeit führt. Deshalb versuchen die Wohlfahrtsverbände sich gerade in diesen Tagen verstärkt um die alten Menschen zu kümmern.

Die Sozialdienste bemängeln aber die geringe finanzielle Ausstattung des Dienstes. Viele Hilfebedürftige hätten eine Rente, die es ihnen nicht erlaube, die Leistungen selbst zu bezahlen. Die Situation werde sich noch verschärfen, denn wenn zur Zeit 5% der Barceloneser über 80 Jahre alt seien, müsse man bis 2050 mit einem Anteil von 11% rechnen.

Oriol Alsina, Direktorin der Organisation "Amics de la Gent Gran" (Freunde der alten Menschen) warnt: "Die Situation ist unsere Ansicht nach sehr besorgniserregend, man muss sich mehr bewusst machen, was Einsamkeit bedeutet. Viele ältere Menschen haben alle sozialen Bindungen verloren, Framilie, Arbeit, Freunde und ein Gesellschaftsleben. Deshalb müssen wir vor allem das soziale Netz wieder verstärken. Ein ähnliche Ansicht vertritt ein Vertreter der Caritas. Er weist daraufhin, dass viele älter Menschen Weihnachten mit "Resignation, Schmerz und Angst" erleben. "Resignation, weil sie sehen, dass sie ihre Fähigkeit zu kämpfen, eingebüßt haben; Angst, weil sie sehen dass ihre Einkünfte ständig kleiner werden und Schmerz, weil die Versprechungen der Verbesserung ihre wirtschaftlichen Situation sich nicht erfüllen und weil sie ständig stärker von anderen abhängig werden.

Das Gefühl der Einsamkeit werde noch verstärkt durch das Dauerbombardement mit Weihnachtsstimmung in den Geschäften und Fernsehen, erklärt Magdalena Blasco von der Fundació Avismón. Dies treffe vor allem ledige Frauen, die weniger als 400 Euro verdienen und keine familären Bindungen mehr haben. Deshalb würde ihre Organisation gemeinschaftliche Essen für diesen Personenkreis organisieren, was für viele Betroffenen die einzige Gelegenheit im Jahr sei, aus der Wohnung zu kommen.

Verstärkt werden soll auch der Dienst "Teleasistencia". Dies ist ein staatlicher Dienst, der rund um die Uhr telefonisch erreichbar ist. Er vermittelt zwischen dem Bedürftigen und den Hilfsorganisationen wie z. B. das Rote kreuz. So etwas wie eine Notfallnummer für alte Menschen. Ein Verantwortlicher der Stadtverwaltung rühmt diesen über die Telefonleitung gebotenen Sozialdienst: "Der Dienst bietet eine personalisierte, menschliche und warmherzige Aufmerksamkeit, der sehr auf das gefühlsmässige Wohlergehen der Menschen zu diesen speziellen Tagen Rücksicht nimmt."

Und was machen einsame Deutsche in Barcelona? Wenn es ganz schlimm kommt, dann kann man den  "Deutschen Hilfsverein", der sich auch die Betreuung von Senioren und Kranken zum Ziel gesetzt hat, in Anspruch nehmen. Der Verein lebt ausschließlich von Spenden der deutschen Kolonie in Barcelona.

Informationsquelle:
Las oenegés se vuelcan para paliar la soledad navideña de los mayores - Barcelona - El Periódico