Mittwoch, 18. Februar 2015

Von der Lynch- und Rassenjustiz in Bahia

Wir, schwarze Männer und schwarze Frauen, Bewohner der einfachen Viertel, Marihuanasüchtige, Analphabeten und Halbanalphabeten, ex-Verhaftete und Frauen von Verhafteten, ex-Zuchthäusler, Professoren, Rechtsanwälte, Zahnärzte, Hand-Arbeiter, eine ungeheure Menge von Leuten, die gerne brüllen möchten über das Blut, das seit Urzeiten vergossene Blut, Geprügelte des Kolonialismus eingewickelt in die betrügerische Politik einer Regierung der weißen Übermacht in dem Bundesstaat, in der es die meisten Schwarzen Brasiliens gibt, sind wir aus der Sicht dieser Regierung Feinde, die niedergeschlagen werden müssen und sie, die Weißen aller ideologischen Farben sparen nicht mit Schriftstücken zur Rechtfertigung dieses Massakers.

Dies schreibt der Blog-Autor Hamilton Borges dos Santos, genannt Walê. Er gehört der schwarzen Rasse an und hat die Nase voll wie das Volk der schwarzen Rasse im brasilianischen Bundesstaat Bahia behandelt wird. Es gibt die Einheit der Rondas Especiais (Rondesp) in Bahia, ein Sondereinheit der Militärpolizei, die für Menschen wie Borges dos Santos nur dafür da sind, um vor allem die schwarze Bevölkerung, die in der Regel auch das Heer der Armen stellt, zu terrorisieren. “Ich habe  vor einigen Tagen über die Grausamkeit der Rondesp geschrien, ihren Genozid-Charakter, die das Leben und die Menschenwürde verspottet. Die Rondesp ist eine Polizei zur Produktion und Einsammlung schwarzer Körper, indem sie wie ein Raubsaurier handeln, der meint alle Rechte für sich zu haben. Ihre Form zu handeln: An unser Wohnorten, unseren Gemeinschaften, die nicht den Hauch der öffentlichen Politik zu spüren bekommen, von denen diese parfümierten Menschen in nicht enden wollenden Konferenzen sprechen, wenn Wahlzeit ist. Unsere Leute kennen keine Präsenz des Staates mit Ausnahme des “Ausnahmezustandes”, die die Politik immer wieder beschwört”.

Die Wut von Borges dos Santos ist verständlich, weil Ereignisse wie das vom 6. Februar im Stadtteil Cabula von Salvador / Bahia seine Erfahrung bestätigt. Dort erschießt die Polizei 12 meist jugendliche Männer, eine Tat der gefürchteten Rondesp. Diese Polizei wurde nach Cabula gerufen, weil es dort Kämpfe zwischen Banden geben sollte. Der Kommandant entschied sich mehrere Fahrzeuge mit Besatzung hinzuschicken. Diese trafen am Tatort 6 Männer mit Rucksäcken an, die ihnen suspekt vorkamen und bei Ansicht der Rondesp flüchteten. Daraufhin hielt sich die Polizei nicht lange mit Fragen auf und beschoss die Gruppe und alles, was in ihrer Nähe war. “Die Polizisten waren auf der Straße, stellten sich auf und töteten”, erzählte ein Augenzeuge. Nach einem anderen Augenzeugenbericht gelang es drei Verdächtigen, zu fliehen und in einem Wäldchen zu verstecken, sie wurden von der Polizei gefunden und ebenfalls erschossen.

Die Toten lagen auf der Straße und das Massaker sorgte dann doch für Unruhe. Die Polizei rechtfertigte sich damit, dass die Verdächtigen einen Banküberfall geplant hätten. Zudem wären sie schwer bewaffnet gewesen. Erstaunlich ist, dass bei der Bewaffnung kein Polizist verletzt wurde. Sogar den politisch Verantwortlichen in Bahia war die Bluttat doch erklärungsbedürftig, aber das lief immer in dem Sinne ab, dass die Polizisten alles richtig gemacht hätten. Die Vizerektorin der Staatsuniversität von Bahia hat dazu nur folgenden Kommentar: “Das billigste Fleisch auf dem Markt ist das schwarze Fleisch” und sie kritisiert die Marginalisierung der schwarzen Bevölkerung in der Gesellschaft.

Die Rondesp ist in der Tat eher eine öffentliche Terrortruppe als eine Polizei. Schon allein ihre Facebook-Seite zeigt, dass ihr oberstes Ziel ist, die Bevölkerung einzuschüchtern. Martialisch bewaffnete Männer, Christbaumkugeln mit dem Emblem der Truppe, die um den Frieden zu Weihnachten für sich selbst bitten, und Droh-Videos gegen “braun” gefärbte Verbrecher im Comic-Stil zieren ihre derzeitige Hauptseite. Der Verbrecher ist vor allem dunkler Hautfarbe und bei ihm schießt man erst einmal, bevor man fragt.

Blogger Borges dos Santos zieht folgende Schlussfolgerung: “In diesem Moment des tiefsten Schmerzes, weinen wir über den Tot der Abgeschlachteten in Cabula. Aber auch der vielen Anderen, die in ganz Bahia umgebracht und in ihrem Blut erstickt wurden.”


Informationsquelle
Sobre a Bahia, seus linxamentos e confinamento racial
Policiamento no Cabula é reforçado após mais de 10 mortes em confronto
Vice-reitora da UNEB critica massacre do Cabula