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Der Protzbischof von Madrid

Es ist schwer als verdienter alter Kardinal und langjähriger Vorsitzender der spanischen Bischofskonferenz plötzlich ins Nichts des Ruhestandes gestoßen zu werden. Zumal, wenn man als “kleiner Ratzinger” zu den Lieblingen eines überforderten und inzwischen abgetretenen Papstes mit Familiennamen Ratzinger gehörte. Plötzlich gibt es einen Papst, der auf Bescheidenheit und Armut setzt und mit solchen Dinosauriern wie Rouco Varela nichts mehr anfangen kann. Deshalb hat er den 78-jährigen Kardinal im vergangenen Jahr gnädig "auf eigenen Antrag" in den Ruhestand versetzt.

Zu seinem Nachfolger wählte die spanische Bischofskonferenz den Erzbischof von Valencia, Carlos Osoro. Die Webseite “Eldiario.es” schrieb dazu: “Die Ernennung von Osoro bedeutet für Rouco eine doppelte Niederlage, genauso wie die Ernennung seines alten Widersachers Antonio Cañizares zum neuen Erzbischof von Valencia. Dies bedeutet das Ende einer Etappe, in der die spanische Kirche einen guten Teil jenes Prestiges verloren hat, das sie in der Zeit des Übergangs von der Diktatur in die Demokratie gewonnen hatte, in der der damalige Kardinal Tarancón auf Versöhnung setzte. … Rouco Varela hat sich durch seinen mürrischen Charakter, die Neigung zur Verdammung und einer politischen Orientierung hin zu den Forderungen der extremen Rechten ausgezeichnet.”

Dass dieser Kardinal, dem Macht über alles geht, nun keine mehr haben soll, das versuchte er mit aller Gewalt zu verhindern. Statt sich wie Ex-Papst Benedikt in die klösterliche Abgeschiedenheit zu begeben und über sein Leben nachzudenken, hat sich Rouco Varela entschieden, weiterhin im Bischofspalast von Madrid zu residieren. Und nicht in der Dachkammer, sondern im nobelsten Teil des Gebäudes im 2. Stock. Die Zeitung “El Mundo” berichtet, dass es das prächtigste Stockwerk mit mehreren Galerien und einem breiten pompösen Treppenaufgang zur Wohnung sei. Auf Befehl von Rouco sollte das 1. Stockwerk, das wesentlich bescheidener ist, für seinen Nachfolger hergerichtet werden. Der lebt zur Zeit immer noch in einem Kloster in Madrid.  Spanische klerikale Kreise ließen durchsickern, dass Rouco mit dieser Entscheidung zeigen wollte, dass er weiterhin das Sagen habe. Das konnte sich die spanischen Bischöfe nun doch nicht bieten lassen und der Druck auf Rouco Varela wurde so groß, dass er sich nach einer anderen Bleibe umschauen mussste. Inzwischen hat Rouco Varela in Spanien den Übernamen “Cardenal Okupa”, was soviel bedeutet wie “Häuserbesetzer-Kardinal”.

Inzwischen hat er eine “bescheidene” Wohnung von 370 qm Fläche mit Blick auf die Almudena Kathedrale gefunden, die auf Kosten der spanischen katholischen Kirche mit einer halben Million Euro renoviert wurde. Ein lediger Mann, eine Wohnung mit 6 Schlafzimmern und 4 Bädern und eine großzügige Terrasse mit schöner Aussicht auf Madrid. Weichen aus der Wohnung mussten 4 Priester, die als Professoren an der theologischen Universität San Damáso tätig waren.  In aller Bescheidenheit verfügt Rouco Varela noch über 2 Nonnen, die ihm den Haushalt führen und ein Sekretär. Zudem bekommt er noch einen neuen Dienstwagen.

Ob so etwas in einem Land, in dem viele Gläubigen in wirtschaftliche Not geraten sind, gut ankommt? Dem Medienecho nach zu urteilen, gar nicht. Schmarotzende Kirchenfürsten will eigentlich der neue Papst zurecht stutzen, aber viele der an Protz und Prunk gewöhnten Diener des Herrn scheinen das noch nicht begriffen zu haben.


Siehe auch
Der Vatikan, die spanische Regierung und die spanischen Bischöfe 
Botschaft an die spanische Jugend: Glaubt an Christus und alles wird gut!


Informationsquelle
La reforma del piso de Rouco costó más de medio millón de euros
El papa Francisco decreta el fin de la era Rouco
Rouco Varela reforma su ático de 370 metros cuadrados por medio millón de euros

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