Montag, 24. November 2014

Barcelona will Hauptstadt werden und Madrid fürchtet sich

Nachdem das vom Zentralstaat nicht erlaubte Referendum in Katalonien trotzdem abgehalten wurde und eine überwältigende Zustimmung für die Unabhängigkeit ergab, steckt Spanien in einer Sackgasse, die Gedankenspielen Tür und Tor öffnet. Die Situation ist verfahren, die Zentralregierung in Madrid klammert sich nach außen eisern an die Einheit der spanische Nation und die Katalanen tun alles, damit ihr Votum für die Unabhängigkeit voran kommt. Damit beginnt die Suche nach dem Mittelweg und der kann eigentlich nur heißen ein “föderales Spanien”.

Einen ersten Zucker soll Ministerpräsident Rajoy bereits ausgelegt haben, indem er insgeheim prüfen gelassen haben soll, ob man nicht staatliche Institutionen nach Barcelona verlegen könnte, um der Stadt damit ein Bedeutungsgewinn zu verschaffen und so die Unabhängigkeitsanhänger zu besänftigen. Der Kandidat der katalanischen Sozialisten für den Posten des Oberbürgermeisters von Barcelona, Jaume Collboni, hat diese vorsichtigen Ansätze für eine Neuausrichtung Spaniens weiter gesponnen und verlangt, dass die 2. Kammer des Parlaments, der spanische Senat, nach Barcelona verlegt werden soll. Damit solle Barcelona den Status eine Ko-Hauptstadt bekommen. Generell tritt er für eine Dezentralisierung der staatlichen Institutionen ein, denn Spanien sei ein plurinationaler Staat.

Solche Gedankenspiele sollte man, wenn es nach dem zentralistischen Moloch Madrid geht, noch im Keime erstickt werden. Der Parteifreund von Collboni, der Generalsekretär der Sozialisten in Madrid Tomás Gomez erklärte seine Pläne für absurd. Er ruft zum Dialog auf, ohne zu sagen, wohin der Dialog führen soll. Spanien steht erst am Beginn eines neuen Weges, der noch viele Überraschungen auf Lager haben wird.

Informationsquelle
Collboni pide la cocapitalidad de Barcelona y que el Senado se traslade allí