Donnerstag, 13. November 2014

Madame Le Pen denkt, dass das funktioniert

Flüchtlinge berennen Europas Grenzen im Osten, Südosten, Süden und Südwesten. Im Mittelmeer patrouillieren Militärschiffe, die inzwischen zwar nicht mehr nur Flüchtlinge ertrinken lassen, sondern sie aus dem Wasser ziehen, um sie danach wieder größtenteils abzuschieben. Griechenland und Italien verhalten sich in ihrer Flüchtlingspolitik so, dass die Flüchtlinge verschreckt das Weite suchen müssten. Das tun sie aber nicht. Das Elend, aus dem sie kommen ist noch viel größer als das Elend, in das sie Europa kommen. In Calais stehen seit bald 2 Jahrzehnten Flüchtlinge, sogenannte Illegale, die unbedingt nach Großbritannien wollen. Ihr Elend ist grenzenlos. Ein einmal errichtetes Flüchtlingslager wurde 2002 geschlossen. Seither leben die Flüchtlinge buchstäblich im Dreck, in Calais nennt man das auch den “Dschungel”. Syrische Flüchtlinge meinen aber, dass es immer noch besser als in Aleppo sei.

Frau Le Pen, die berufsmäßige Fremdenhasserin von der Front National, eilte im Oktober nach Calais, um Empörung für die armen Bewohner von Calais zu heucheln und den Illegalen mit Rausschmiss zu drohen. Frankreich müsse auch wieder die volle Kontrolle über seine Grenzen, sprich Kündigung des Schengen-Abkommens bekommen und dann werde wieder alles gut, meint sie. In welcher Welt lebt die Frau? Glaubt sie wirklich, dass Ihre Politik des Einigelns funktionieren wird? Glaubt sie wirklich, dass angesichts der blutigen Kriege und des zum Teil unglaublichen Elends, in dem ein Teil der Menschheit lebt, sich die Flüchtlingsströme aufhalten lassen werden? Haben die Römer vor bald 2000 Jahren den Franken noch etwas entgegen zu setzen gehabt? Was wird der Papst den ach so katholischen Super-Franzosen zu sagen haben?

Im Programm des Front National ist ansatzweise aufgeführt, was diese Partei mit den Illegalen machen wird: “Die heimliche Einwanderung muss auf Null zurückgeführt werden. Systematische Ausweisung jeder Person, die illegal einreist oder sich illegal im nationalen Territorium aufhält. Schließung der Attraktionen für die heimliche Einwanderung, wie die Medizinische Hilfe des Staates, soweit sie für die illegalen Einwanderer bestimmt sind. Demonstrationen von Illegalen und ihren Unterstützern müssen verboten werden. Der Anti-Frankreich-Rassismus als Motiv für ein Verbrechen oder Delikt muss als besonders erschwerend gewertet werden und die Strafe verlängern. Straffällig gewordene Illegale werden dank bilateraler Abkommen in ihren Heimatländern in die Gefängnisse gesteckt. In jedem Fall Abschiebung von straffällig gewordenen Ausländern in ihre Herkunftsländer.”

Besonders erhellend sind die bilateralen Abkommen. Frau Le Pen wird also, falls sie an die Macht kommen sollte, Abkommen mit dem Schlächter Asad schließen, um ihm die illegal eingereisten Syrer zu überstellen. Manch ein Diktator wird sich über die neuen Handlanger in Europa freuen. Ach ja, Entwicklungshilfe an die besonders gebeutelten afrikanischen Länder soll es auch noch geben, aber nur wenn diese “eng” mit den französischen Behörden zusammen und alle illegal Ausgewanderten wieder zurück nehmen. Die werden sich freuen, wenn die alte Kolonialmacht plötzlich wieder so selbstbewusst auftritt.

So sieht sie aus die schöne neue Le-Pen-Welt. Sie wird nur kein einziges Problem auf der Welt und in Europa lösen, sondern nur neue schaffen.

Informationsquelle
Stopper l’immigration, renforcer l’identité française – Front National
A Calais, Marine Le Pen dénonce le «fléau» de «l'immigration clandestine»
Migrants à Calais : Cazeneuve donne finalement son aval au centre d'accueil
Out of sight, out of mind: refugees in purgatory -- New Internationalist