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Was machen, wenn ein Lutheraner als Staatspräsident den Segen der Orthodoxen braucht?

In Artikel 9 der rumänischen Verfassung steht: “In Rumänien gibt es keine Staatsreligion; der Staat verhält sich gegenüber jeder Religion oder atheistischer Ideologie neutral” und “alle Religionen sind vor den Behörden gleich. Der Staat wird keiner Religion Privilegien erteilen oder irgendeine Religion diskriminieren”. So steht es auf dem Papier, aber in der Wirklichkeit drängt sich die Orthodoxe Kirche Rumäniens als Staatsreligion auf und die Politiker haben recht wenig dagegen getan. Zumal für Viele Rumäne = Orthodox kirchengläubig bedeutet.

Am 21. Dezember wird der neue Staatspräsident Klaus Johannis in sein Amt eingeführt werden. Im Rahmen der Feierlichkeiten wird entsprechend dem Protokoll, kurz nachdem der Oberste Verfassungsrichter die verfassungsgemäße Wahl festgestellt und Johannis auf die Verfassung geschworen hat, der orthodoxe Patriarch ein Willkommenswort sprechen. Dem parteiunabhängigen Abgeordneten Remus Cernea geht das gegen den Strich, er erklärt in einem Schreiben an die Parlamentsverwaltung: “Eine solche Sache ist geeignet, den säkularen Charakter des rumänischen Staates schwer zu beschädigen und sie unterwirft auf symbolische Art zwei laizistische Institutionen, das Parlament und den Präsidenten, unter die religiöse Autorität einer Religion”. Zum Teilnahme des Patriarchen an der Investitur des Präsidenten meint er: “Es ist offensichtlich, dass die Einladung des Führers einer Glaubensrichtung und die Erlaubnis, dass er bei dieser Zeremonie ein Grußwort spricht, eine Verletzung der Neutralitätspflicht des Staates und die Schaffung eines Privilegs gegenüber einer Glaubensgemeinschaft bedeutet.

Johannis ist evangelischer Christ. Die Teilnahme des Patriarchen an der Zeremonie muss er wohl oder über schlucken, weil sonst die geifernde Rechtsfront der rumänischen Patrioten das sofort mit einem Propagandakrieg nach dem Motto “wir haben schon immer gesagt, dass ein evangelischer Siebenbürger Sachse kein richtiger Rumäne sein kann” kontern wird.

Der Metropolit Laurențiu Streza hat auf die Forderung von Cernea so reagiert: “Wir fragen uns wie lange und mit wie viel Ausdauer er uns auf die Nerven gehen wird? Aber, wenn er glaubt, dass er mit uns kämpft, mit der Kirche, das wird leicht sein, aber mit dem lieben Gott wird es sehr schwer werden für jemanden, der das versucht”. Dafür setzt Cernea zu Recht noch eins drauf: “Die religiöse Intoleranz hat schon viele Opfer gefordert und stellt eine riesige Quelle des Übels dar.” Und für die Orthodoxe Kirche wünscht er sich: “Ich wünsche mir und hoffe es noch zu erleben, auch für meine rumänischen Mitbürger, dass die Kirche sich einer klaren Sprache bedient und offen ist für einen Dialog mit den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft und dort, wo es eine Vielfalt der Meinungen gibt”.

Das ist etwas, was die vermeintliche rumänische Staatskirche in der Tat noch nicht begriffen hat. Den Politikern in Rumänien ist der Mut zu einer Distanz zu ihr im Sinne der Verfassung sehr zu wünschen.

Siehe auch
Wie die Popen in Rumäniens Politik mitmischen
Rumänen fallen immer mehr vom Glauben ab
Kirchen-Posse um einen verdienten toten Kulturschaffenden in Bukarest
Kirchenfürsten nehmen Beispiel an des Diktators Größenwahn

Informationsquelle
Îi întorc și celălalt obraz Mitropolitului Laurențiu Streza care mă amenință pentru că am ‘îndrăznit’ să afirm că învestitura președintelui Klaus Iohannis trebuie făcută după legea unui stat laic « voxpublica | Platforma de comentarii, bloguri si opinii REALITATEA.NET

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