Mittwoch, 12. November 2014

Wie die Popen in Rumäniens Politik mitmischen

Die rumänische orthodoxe Kirche (BOR) hat keine Berührungsängste, wenn es darum geht in der rumänischen Politik mitzumischen. Auch die Präsidentschaftswahlen sind eine willkommene Gelegenheit, die Gunst an die alten Kader zu verteilen. Selbstverständlich lässt man sich da gerne auch mit Spenden bestechen. Auch mit Diktator Ceausescu hatte sich die Kirche bestens arrangiert. Inzwischen ist der Diktator längst tot und die BOR hat sich im Gefolge der Wirren der Revolution versucht als Rettungsanker für die Gläubigen ins Spiel zu bringen. Dabei hat sie keinen Versuch der Vergangenheitsbewältigung unternommen und ihre religiöse Praxis ist meilenweit von unseren modernen Zeiten entfernt. Dagegen ist sogar die katholische Kirche eine fortschrittliche Organisation.

Einem rumänischer Jugendlichen ist das Gehabe der rumänischen Staatskirche im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen auf die Nerven gegangen und er fragt in einem offenen Brief “Schämt ihr euch nicht, dass ihr den Gott für Brosamen verkauft habt?”. Daniel Nica heißt der junge Mann, er ist Absolvent der Akademie für Wirtschaftsstudien in Bukarest. Er erklärte gegenüber der Zeitung “Adevarul”, dass es ihm nicht normal erscheine, wenn im Jahre 2014 eine Religion, welche auch immer, sich direkt in die Politik einmische und vor allem bei dem Teil der Bevölkerung ihren Einfluss geltend mache, der von einer ordentlichen Informationsversorgung abgeschnitten sei. “Die sagen dann, der Pope hat es gesagt, dann muss es gut sein”, erklärt Daniel.

Die orthodoxe Kirche ist alles andere als neutral in diesem Präsidentschaftswahlkampf: “Politische Predigten, Flugblätter mit politischen Botschaften in den Höfen der Klöster, Gottesdienste, die zu Pilgerfahrten bestimmter Politiker umfunktioniert werden und die Verleihung von Ehrentiteln an Mitglieder der Regierung”, das ist zur Zeit Alltag vor und in rumänischen Kirchen. Den Nutzen haben davon haben die Mächtigen in der Regierung Ponta und der Partei PSD, die den besonderen Schutz der Popen genießen, weil sie genügend Geld an die BOR verteilen. Die Frömmler von der PSD verteilen an die Gläubigen Heiligenbildchen des hochverehrten verstorbenen Mönchs Arsenie Boca, einem ehemaligen Verfolgten der Securitate, bei denen auf der Rückseite Wahlpropaganda mit dem Slogan “Ponta, Präsident” steht. Den Vizepremier der Konkurrenzpartei PDL, Cătălin Predoiu, geht diese Kungelei zu weit. Er verlangt von den Führer der orthodoxen Kirche, dass sie sich von Aktionen der Ponta-PSD distanziert.

Das Schreiben von Nica, gerichtet an den Metropoliten von Bukarest endet so: “In meiner Situation als Gottes Kind frage ich sie, hochverehrter Allerseeligster so wie ich es einmal vom Pfarrer gehört habe als er fragte: Schämt ihr euch nicht? Schämt ihr euch nicht, dass ihr Gott für ein paar Brosamen verkauft habt? Ich bitte euch, betet nicht für mich, ich werde euch dafür nicht bezahlen. Der Gott, an den ich zu glauben gelehrt wurde, kostet nichts und macht keine Politik”. Die Leserkommentare zeigen, dass Nica damit ein weitverbreitetes Unbehagen an der orthodoxen Kirche artikuliert hat.

Siehe auch
Soweit das Auge reicht: Rumänen fallen immer mehr vom Glauben ab
Informationsquelle
Scrisoare deschisa a unui tanar catre Patriarhul Romaniei: Incercati sa imi manipulati bunicii si strabunicii. Nu va e rusine ca l-ati vandut pe Dumnezeu cu bucatica ? - Politic - HotNews.ro