Dienstag, 18. November 2014

Pilzparadies Spanien bedroht von Rumänen?

Das könnte man fast denken, wenn man die Schlagzeile der spanischen Zeitung ABC liest: “Rumänische Banden grasen die Berge auf der Suche nach Pilzen ab, um sie danach zu verkaufen”. Hier wird wieder einmal leichtfertig mit Verallgemeinerungen gearbeitet, um zu kaschieren, dass die eigenen Leute eigentlich die Schuldigen sind. Denn kurz darauf wird geschildert, dass die Rumänen von spanischen Vermittlern engagiert und in die Berge geschickt werden. Und da sie natürlich unter Druck gesetzt werden, möglichst viel und schnell Pilze zu sammeln, machen sie das auch noch “aggressiv” und ohne Rücksicht auf die Natur.

Spanien ist nach diesem Bericht ein Pilzparadies.  Man schätzt die verschiedenen Pilzarten auf mehr als 10.000. Für die Pilze kann ein guter Preis erzielt werden, für ein Kilo Butterpilze (oronjos) werden bis zu 100 Euro bezahlt. Für den Trüffelpilz bis zu 450 Euro. Der Lehrstuhl für Mykologie der Universität Valladolid hat errechnet, dass im Jahr 2012 fast 50.000 Tonnen Edel-Reizker (niscalo) und Steinpilze (boletus) geerntet wurden.

Die nun beschuldigten Rumänen sollen seit neuestem im spanischen Pilzparadies aufgetaucht sein: “Sie kommen organisiert und massiv, in Gruppen bis zu 30 Personen, die in den Bergen kampieren, solange es Pilze gibt”, erklärt ein Verantwortlicher der Guardia Civil. “Wir denken, dass sie von Unternehmern aus dem Bereich der Pilzverwertung engagiert wurden”, führt er weiter aus. Der Generalsekretär des spanischen Unternehmerverbandes für Pilze und Trüffel präzisiert die Geschichte: “Die Invasion dieser Banden, die die lokalen Sammler einschüchtern, begann vor ein paar Jahren. Sie kommen in Autobussen, die von Vermittlungsagenten angemietet werden, die ihnen 20 Euro bezahlen, damit sie den Wald durchkämmen. Die Pilze werden dann auf dem Markt von Madrid oder Barcelona verkauft oder auch in Frankreich, Deutschland, Schweiz, Italien.”

Dann wird beklagt, dass der Pilzsektor in Spanien völlig unreguliert sei. Zudem würden die Pilze nicht immer von Kennern gesammelt. Pro Jahr gebe es im Durchschnitt 500 Pilzvergiftungen, 200 Fälle mit Krankenhauseinlieferung und 10 Tote. In Spanien soll es 890 Betriebe geben, die sich mit der Pilzverarbeitung befassen, aber nur 140 sollen sachkundig geregelte Tätigkeit ausüben.  Deswegen möchte der Generalsekretär des Pilzbundes erreichen, dass die Tätigkeit des Pilzsammler vertraglich geregelt wird und dass diese über einen Vertrag identifiziert werden können.

Es ist richtig, dass Pilzsammler durch radikale Sammlermethoden das Ökosystem des Waldes schädigen. Im Südschwarzwald sind es nicht die Rumänen, die in den Ruf aggressiven Sammelns stehen, sondern die Schweizer, denen ihre eigenen Erntegründe zu mickrig sind. Des Öfteren berichtet die Lokalpresse über Zollbeschlagnahmungen von zu viel geernteten Pilzen. Dass “ABC” nun suggeriert, dass die Rumänenbanden am Raubbau im Pilzbestand des Landes schuld sind, ist wieder einmal eine dieser billigen Kampagnen, die auf Fremdenhass angelegt sind. In Wahrheit sind es die eigenen Landsleute, die alles dafür tun, dass die Umwelt zerstört wird. Die Spanier sind bisher mit ihrer Umwelt selbst nicht zimperlich umgegangen.

Nun, “ABC” ist ein reaktionär-monarchistisches Blatt, das seine Hoch-Zeit in der Epoche der Franco-Diktatur hatte. Das lässt ahnen, weshalb nun die Rumänen am Untergang des spanischen Pilzes schuld sein sollen.

Informationsquelle
Bandas de rumanos arrasan el monte en busca de setas – ABC