Direkt zum Hauptbereich

Rumänische Justiz: Die flinken Richter von Cornetu

Cornetu, ein kleiner Ort im Kreis Ilfov, 20 km von Bukarest entfernt besitzt ein Gericht. Es wurde 2006 eingerichtet, um auch der Landbevölkerung eine funktionierende Justiz zu gewährleisten. Und wie sie funktioniert! Das Gericht in Cornetu ist in Rumänien bekannt als die “Fabrik für Urteile”. Die Zahlen sind beeindruckend: Im Jahr 2011 hat ein Richter in 4.000 Verfahren entschieden. Durchschnitt für rumänische Richter sind 1.000 Verfahren pro Jahr, in Europa soll der Schnitt sogar nur bei 250 liegen. Bis zu 300 Verfahren werden pro Tag in Cornetu abgewickelt.

Diese großartige Leistungsbilanz hat einen Reporter der Zeitung Adevarul dazu veranlasst, eine Reise nach Cornetu zu unternehmen und sich einen Gerichtstag dort anzusehen. Erschüttert war er schon einmal über die Dauer der Fahrt für die 20 km: Eine schmale und holprige Straße führt aus Bukarest raus, Felder rechts, links Berge von Müll, Huperei und Bauruinen und endlich nach einer Stunde Fahrzeit das Gerichtsgebäude von Cornetu. Für den Reporter aus Bukarest fühlt sich die Reise wie eine Fahrt in längst vergangene Zeit an. An Shopping-Möglichkeiten findet er nur einen Brotladen und ein Second-Hand-Kleidergeschäft, wo ihn der fürchterliche Naftalingeruch und die Mottenkugeln stören. Billiges chinesisches Zeug wird ebenfalls angeboten. Er findet auch ein Lebensmittelgeschäft, wo er gerne ein Mineralwasser kaufen möchte, aber eine ihn feindlich behandelnde Verkäuferin wirft ihm bei jeder Fragen nur ein “gibt es nicht” entgegen. Originalton Reporter: “Kein Snickers, kein Milka, kein Mars. Du wirst empfangen wie ein Feind. Das ist ein Alptraum aus den 80er Jahren. Der Ort besteht aus grauen, vierstöckigen Wohnblocks”.

Da hebt sich das Gerichtsgebäude fast großartig von seiner Umgebung ab. Es ist ein großes Gebäude mit neuem Dach und einem repräsentativen Eingang zur Straße. Die Eingangstür ist allerdings so klein geraten, dass nur 2 Personen gleichzeitig durchkommen. Hier arbeitet nun das Schnellgericht. Morgens Strafprozesse, nachmittags zivilrechtliche Prozesse. Bei den Strafprozessen geht es um Nachbarschaftsstreitigkeiten, die oft im Zustand der Volltrunkenheit entstanden sind und mit einer Prügelei endeten. Der Alkohol ist ohnehin das große Problem, denn in Cornetu verzichtet man auch im fahruntüchtigen Zustand nicht gerne aufs Auto und stellt dann allerhand Sachen an. Viele fahren auch ohne gültige “Maut-Vignette” und wollen gegen die Strafbescheide klagen. Es ist das pralle walachische Landleben, das hier vor dem Richter oder der Richterin landet. Die machen kurzen Prozess, die Entscheidung fällt in wenigen Minuten. Der Reporter nennt die Situation “kafkaesk”, mehrere Male bemüht er Kafka’s Prozess, um seine Eindrücke zu beschreiben.

Das Gericht in Cornetu ist zwar noch jung, aber bereits reich an Skandalen. Eine Richterin lies sich für ihre Urteile bezahlen und wurde einmal sogar “in flagranti” dabei erwischt. Weil sie gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen ein unziemliches Verhalten an den Tag legte wurde sie disziplinarrechtlich belangt. Eine andere Richterin hat kurzer Hand ihr eigenes Urteil nach einer Woche wieder geändert. Der Kläger, ein 80-jähriger Mann, der mit dem ersten Urteil meinte gewonnen zu haben, erlitt nach der 180-Grad-Wende der Richterin einen Herzinfarkt. Besagte Richterin gehörte nicht zum Schnellarbeiter-Team, sie ließ 500 Akten unbearbeitet liegen, fehlte häufig unentschuldigt und ließ einfach mal so ein paar Gefangene – vermutlich gegen geldwerte Vorteile - frei.

In Cornetu scheint ein sehr bunter Haufen abgebrühter Richter tätig zu sein. Immerhin hat ihnen der Urteils-Rekord einen hohen Bekanntheitsgrad eingebracht.

Informationsquelle
Cum arată justiţia pe repede-nainte – Adevarul

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Frankreich ekelt sich vor seinen Schlachthöfen und empört sich über Tierquälerei

Massentierhaltung in Frankreich: 83% der Hühner werden in geschlossenen Ställen aufgezogen, 68% der Hennen und 99% der Kaninchen werden in Käfigen gehalten. 95% der Schweine fristen ihr kurzes Leben in geschlossenen Ställen auf Gitterrosten. Die Tiere werden nur als Handelsware gesehen, man verstümmelt sie (Kastration ohne Betäubung, Abschneiden der Schwänze oder der Schnäbel). Ihre Sterblichkeitsrate ist sehr groß, zum Beispiel sterben 20% der Schweine vor ihrer Schlachtung.

Industrielle Massentierhaltung wie in Deutschland auch. Das Tier wird nicht als Lebewesen gesehen, sondern nur als Handelsprodukt. Während in Deutschland die Konsumenten seit einiger Zeit ins Grübeln geraten sind und sich eine Bewegung gegen Massentierhaltung gebildet hat, hat man in Frankreich, das wir als Schlemmerland kennen, bisher beide Augen zugedrückt beziehungsweise die Verbraucher wollten nicht so genau wissen wie das Fleisch auf ihrem Teller gelandet ist. Zwar hat sich seit einiger Zeit ein…

Frankreich erfindet den Zahnarzt–Aldi

Die Großzügigkeit der französischen Krankenkassen bei Erstattung von Zahnarztkosten hält sich in Grenzen. In der Regel können Versicherte mit etwa 70% erstatteter Kosten rechnen, d.h. 30% muss selbst getragen werden. Die Zahnärzte sind jedoch oft mit den Tarif-Honoraren nicht zufrieden. Sie verlangen Aufschläge, die ebenfalls an den Versicherten hängen bleiben. Gerade dieser Aufschlag scheint in letzter Zeit bei den Zahnärzten in Frankreich sehr beliebt geworden zu sein. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit steigt und auch viele Franzosen mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen, verursacht der Gang zum Zahnarzt wegen Zahnschmerzen den Betroffenen zusätzlich noch Bauchschmerzen wegen der finanziellen Belastung.

Frankreich hat zwar den Lebensmittel-Discounter nicht erfunden, darin sind die Deutschen wohl Weltmeister, aber in anderen Bereichen haben die Franzosen durchaus den Ehrgeiz zur durchgreifenden Rationalisierung, um die Preise zu senken. Besonders offensichtlich ist das…

Was kostet das Sterben in Spanien?

In Spanien sind 2011 knapp 400.000 Personen gestorben. Da gibt es für Bestattungsunternehmen zu tun. Der Generaldirektor der Bestattungsdienste “Mémora” hat gegenüber den Medien auf ein paar Zahlen im Zusammenhang mit der Beerdingungspraxis in Spanien verwiesen. Danach kostet die durchschnittliche Bestattung in Spanien 3.700 Euro. In Nordspanien sind die Bestattungen etwas teurer und im Süden etwas billiger. Er führt dies darauf zurück, dass man in Nordspanien auf eine bessere Qualität des Sarges achte und zudem die Überführungen über größere Distanzen erfolgen.

Die Billigversion einer Beerdigung wäre noch für 1.000 Euro zu haben. Aber auch die Spanier wollen es etwas gediegener, das heißt sie beauftragen ein Beerdigungsunternehmen und benutzen eine Aussegnungshalle. Bei internationalen Überführungen kommen in der Regel noch einmal 700 Euro dazu. Die Beerdigungsdienste von Mémora bieten auch eine Finanzierung der Beerdigung an. Dafür gibt es Kredite von bis zu 5.000 Euro, die man in…