Samstag, 8. September 2012

Katalanen mit Drang zur deutschen Sprache

Barcelona und die Region Katalonien grenzen an Frankreich. Es ist nicht verwunderlich, dass dort deshalb die französische Sprache einen hohen Stellenwert hat. Deutsch war dagegen etwas für Liebhaber. Die Landesregierung förderte umfangreich den Französischunterricht an den Schulen. Bereits nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Fall des eisernen Vorhangs zeichnete sich aber ab, dass die deutsche Sprache in Katalonien und Spanien bisher völlig unter ihrem Wert eingestuft war. In Wirtschaftskreisen begann man zu erkennen, dass Deutsch nicht nur in den wirtschaftlich potenten Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz gesprochen wurde, sondern auch ein wertvolles Hilfsmittel für den Zugang zu den osteuropäischen Märkten war.

Bereits damals versuchte die katalanische Landesregierung, unterstützt vom lokalen Deutschlehrerverband das Verhältnis zwischen Deutsch- und Französischlehrern zu verändern. Da gab es aber ein erhebliches Problem: Die Lehrer für Französisch hatten langfristige Arbeitsverträge und es ging nicht, Stellen für Französisch abzubauen und welche für Deutsch aufzubauen. Die glorreiche Idee war, Französischlehrer als Deutschlehrer umzuschulen. Die Idee war wenig erfolgreich, da es viel Engagement, Durchhaltevermögen und Idealismus der betroffenen Lehrer erfordert hätte.

Dann kam aber 2009 die Finanzkrise und mit ihr trudelte Spanien immer mehr in eine tiefgehende Wirtschaftskrise ab. Die Arbeitslosigkeit und vor allem die Jugendarbeitslosigkeit stieg rasant an, während in Deutschland der Trend umgekehrt lief. Hier wurden und werden qualifizierte Arbeitskräfte gesucht. Das hat sich inzwischen in Spanien und vor allem in Barcelona herum gesprochen. Seither steigen die Bewerbungen für deutsche Sprachkurse in der Stadt steil an. Die offiziellen katalanischen Sprachschulen (Escuelas oficiales de idiomas catalanas, EOI) erfuhren bereits 2011 ein hohe Nachfrage nach deutschen Sprachkursen, aber in diesem Jahr werden alle Rekorde gebrochen. Über 17.000 Bewerbungen sind bisher eingegangen, 5.000 mehr wie im vergangenen Jahr, aber nur 8.000 Plätze sind überhaupt verfügbar. Die durchschnittliche Steigerung liegt bei 30%, bei einigen Instituten bei 50%. Die Nachfrage übersteigt bei weitem das Angebot. Es gibt inzwischen Wartelisten.

Deutsch lernen wollen vor allem Jugendliche zwischen 20 und 35 Jahren, in der Regel Studenten aus dem Bereich Ingenieurwesen, Pharmazie, Chemie und ähnlichen Wissenschaftszweigen. Ihr Ziel ist es, in Deutschland eine Arbeit zu finden. Viele haben an Treffen mit Vertretern der deutschen Industrie zur Abeitskräfteanwerbung teilgenommen. Die Deutschlehrerin Marta Sibila erklärt das Phänomen: “Seit Beginn der Krise haben die Leute sich Mut gemacht und die Angst vor der deutschen Sprache verloren. Sie sind jetzt viel motivierter und verlassen den Kurs nicht wieder kurz nach Weihnachten so wie es früher oft der Fall war.” Besonders beliebt waren auch die diesjährigen Sommer-Schnellkurse für Deutsch im Ausland. Nach Angaben der Reiseagenturen, die Sprachkurse im Ausland vermitteln, stand Deutsch von der Nachfrage her inzwischen an zweiter Stelle und hat Französisch auf den dritten Platz verwiesen.

Siehe auch:
Madrid zahlt seinen Arbeitslosen Deutschkurse und hofft sie so los zu werden

Informationsquelle
El alemán se impone en las escuelas de idiomas – La Vanguardia