Montag, 17. September 2012

Rumäniens Regierung schenkt seine Schülern ein neues Abitur

Rumäniens Senat hat jetzt einen Gesetzentwurf verabschiedet, mit dem ein Berufsabitur in Rumänien eingeführt wurde. Auf Rumänisch nennt es sich “bacalaureat professional”. Die Zeitung Romania Libera berichtet, dass das Berufsabitur den Schülern das Recht zum Zugang auf den Arbeitsmarkt gibt, aber kein Recht zum Zugang zu Hochschulen.

Die rumänische Erziehungsministerin Ecaterina Andronescu hat versucht ihren Landsleuten zu erklären, was das für die Zukunft bedeutet. Ihrer Ansicht nach wird mit dem Berufsabitur das bisherige Berufsschulwesen reformiert. Bisher wechselten Schüler nach der 9. Klasse des Gymnasiums in die Berufsschulen, jetzt soll der Berufsschulunterricht bereits nach der 8. Klasse beginnen. Die Schüler sollen damit besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Originaltext Ministerin: “Durch das Berufsabitur wollen wir die beruflichen Kompetenzen stärken und die Absolventen attraktiver für die Arbeitgeber machen. Das Berufsabitur-Zeugnis ist eine Eingangsschein für den Arbeitsmarkt, aber der Abschluss erfolgt dem Kalender nach, so dass der Schüler wählen kann”. Mit den letzten Worten meint sie, dass das Berufsabitur vor dem üblichen nationalen Abitur abgelegt wird, so dass ein Berufsabitur-Absolvent sich gegebenenfalls noch für den Abschluss des nationalen Abiturs mit Hochschulzugang entscheiden kann.

Die Berufsabiturienten müssen sich zwei Prüfungen unterwerfen: Die Erstellung eines Projekts und eine praktische Prüfung. Zudem müssen sie eine schriftliche Prüfung im Fach der unternehmensfachlichen Erziehung (educaţia antreprenorială) ablegen.

Für den ehemaligen Erziehungsminister Daniel Funeriu, jetzt Berater des rumänischen Präsidenten, ist die Einführung des neuen Abiturs ein totaler Fehler. Seiner Ansicht nach handelt es sich um ein Billig-Abitur, dass den Stolz der rumänischen Gymnasiasten, das nationale Abitur, damit in den Schmutz ziehe. Die Einführung des Berufsabiturs geschehe auf Druck der “Diplom-Fabriken”, denen bei einem seriösen Abitur die Kunden fehlen würden. Für das rumänische Schulwesen bezeichnend ist, dass etwa 80% der Gymnasiasten privaten Nachhilfeunterricht nehmen. Die auf Nachhilfeunterricht spezialisierten Unternehmen werden “Diplom-Fabriken” genannt. Funeriu vermutet, dass sie mit dem Berufsabitur eine neue Kundengruppe erhalten.

Der Hintergrund ist darin zu finden, dass in den vergangenen Jahren die Abiturabschlüsse in Rumänien eine Katastrophe waren. Gerade mal die Hälfte der Kandidaten und Kandidatinnen haben das Abitur bestanden. Mit dem Berufs-Abitur gibt es die Möglichkeit wenigstens ein Abschlusszeugnis zu bekommen und damit geht es dann ab in die Lehre.

Siehe auch:
Spiru Haret, das Schnellwaschmittel unter den Akademiker-Produzenten
Rumänien sucht einen makellosen Erziehungsminister
Abitur-Desaster in Rumänien

Informationsquelle:
Andronescu: Diploma de bacalaureat profesional, permis pentru piaţa muncii –Romania Libera
Senatul a VOTAT bacul profesional. Vom avea două tipuri de bacalaureat de anul viitor – Romania Libera