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Die Herrscher des atomaren Feuers sind Geschichtsdilettanten

Es gibt Science-Fiction Filme, die uns die menschlichen Probleme mit Raum und Zeit eindrücklich vor Augen führen. Im Film "Alien" von Ridley Scott fliegt ein Raumschiff durchs Weltall. Eines von vielen, die privatwirtschaftlich betrieben, die Schätze des Weltalls beheben sollen. Eigentlich interessiert sich auf der Basisstation Erde keiner für den Raumfrachter, es sei denn die Ladung kommt nicht an. Wie dann die Katastrophe in Form eines destruktiven "Alien" zuschlägt, ist die Einsamkeit und Hilflosigkeit der Besatzung angesichts des unfassbaren Geschehens bedrückend erfahrbar.

Eine ähnliche Erfahrung machen wir immer mehr bei der gefährlichsten Technik, an die sich der Mensch bisher gewagt hat. Es geht um die Nutzung der Nuklearenergie. Es ist eine Energieform, die mit ihren Folgen auf Jahrtausende die Menschheit beschäftigen wird. Nach Meinung ihrer Verteidiger kein Problem. Dabei handelt es sich bei dieser Meinung um Größenwahnsinn oder um unverschämte Manipulation der Ahnungslosen, um in Ruhe Geld machen zu können.

Wieweit die Nuklearindustrie Vergangenheit und Zukunft im Griff hat, kann man an den neuesten Meldungen zum belgischen Atomkraftwerk Doel erkennen. Dort sind im Reaktordruckbehälter Risse entdeckt worden. Die Reaktordruckbehälter waren von einer niederländischen Firma hergestellt worden, die inzwischen vom Markt verschwunden ist. Zuvor hatte sie für viele europäische AKW's Reaktordruckbehälter hergestellt. In Belgien sucht man jetzt verzweifelt nach Unterlagen, um besser beurteilen zu können, welche Art von Konstruktionsfehler zu den Rissen geführt hat. In Frankreich, Deutschland und der Schweiz, wo diese Reaktordruckbehälter auch hin geliefert wurden, wedeln die Atomsicherheitsbehörden heftig mit den Armen und beteuern zum tausendsten Mal, dass man die Riss-Problematik kenne und alles im Griff habe.

Es ist also so, dass bereits nach 30 oder 40 Jahren man sich wichtige Konstruktionsdetails von einigen Atomkraftwerken nicht mehr erklären kann. Aber genau die Betreiber und ihre Helfershelfer in den Atomaufsichtsbehörden behaupten trotzdem stramm, sie hätten alles im Griff und zwar auf Jahrtausende hinaus. Dabei haben sie gar nichts im Griff und es ist erstaunlich, dass es ihnen immer noch gelingt Politiker und die Menschen per Panikmache - ohne Atomkraft werden wir wieder bei Kerzenlicht in Höhlen leben - von der Alternativlosigkeit dieser Energieform zu überzeugen.

Dabei ist es schon 5 vor 12, was die Gefährdung und Verseuchung unseres Planeten mit den Produkten der Nuklearenergie betrifft. In Deutschland lässt das vorläufige Lager für schwach strahlenden Atommüll, die Asse, grüßen. Von Verantwortung für kommende Generationen war, als man den Müll einfach in das Salzbergwerk kippte, nichts zu spüren. Russland wirft seine Nuklearabfälle einfach in das Nordmeer oder lässt das Zeug in Sibirien vor sich hin strahlen. Das immense Lager an Atomwaffen, das vor allem in den Zeiten des Kalten Kriegers massenhaft produziert wurde, will ebenfalls entsorgt werden. In den USA hat man die Wasserstoffbombe B-53 3 Jahr studiert, bevor man die erste Schraube löste. In der Atomfabrik Pantex in Texas sollen demnächst 3.500 ausgemusterte Atomwaffen demontiert werde. Laut der Zeitschrift P.M. kommen noch mehr als 10.000 radioaktive Zünder hinzu. P.M. beschreibt auch wie geschichts- und problembewusst man dabei ans Werk ging: "Im Frühjahr 2005 kam es in den Pantex-Fabrik des US-Energieministeriums, in der nun auch die B-53 demontiert wurde, beinahe zur nuklearen Katastrophe. Als sich ein Sprengkopf auch beim dritten Versuch nicht zerlegen lassen wollte, zerrten die Techniker mit so viel Kraft daran, dass ein Sicherheitsmechanismus versagte. Die Bombe hätte explodieren können. Zum Glück ging alles gut."

Vermutlich haben die sogenannten Fachleute keine Ahnung mehr wie diese hochbrisanten Waffen gebaut wurden. Es ist mal gerade 50 bis 60 Jahre her, dass Bomben und Kernkraftwerke konstruiert wurden. Wenn es jetzt schon solche Wissenslücken gibt, wie wird es dann erst in 100 oder 200 Jahren aussehen? Von den tausenden von Jahren, von denen selbst die Verursacher der Nuklearabfälle sprechen, ganz zu schweigen.


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