Mittwoch, 22. August 2012

20.000 Roma sorgen für französischen Dauerstress

Alle Jahre wieder steht das Thema des "fahrenden Volkes", wie die Franzosen die Roma auch nennen, in den Schlagzeilen der französischen Presse. Während die Regierung des abgewählten Staatspräsidenten Sarkozy mit diesem Thema versucht haben auf populistische Weise die französischen Rechtsextremen zu überholen, hat die neue sozialistische Regierung auch nicht verhindert, dass in diesem Sommer wieder Roma-Camps geräumt wurden.

Man schätzt, dass es in Frankreich 20.000 Roma gibt. Davon lebt die Hälfte in der Ile de France (Region Paris). Viele von ihnen sollen aus Rumänien kommen. Dabei ist in der Regel in den Medien unklar, was eigentlich als ein "Roma" definiert wird. Rumänen werden oft alle in den "Roma-Topf" geworfen, obwohl die "Roma" als Volk zu den ethnischen Minderheiten Rumäniens gehört. Bei all dem Kuddelmuddel weiss man nie genau, was nun eigenlich gemeint ist, wenn in Frankreich von den "Roms" gesprochen wird. Zumal es auch Roma mit französischer Staatsangehörigkeit gibt.

Trotzdem ist erstaunlich, dass eine derart kleine Minderheit für solche Aufregung sorgt. Vielleicht ist es die Art und Weise, wie sich die Roma ihr Wohnen organisieren. In der Regel nutzen sie einen Platz, auf dem sie ihre Caravans und Zugmaschinen abstellen. Meistens artet das in defizitäre sanitäre Verhältnisse aus, die dann die Begründung für die Gemeinden zur Räumung sind. In der Stadt Lille wurden Anfang des Monats zwei solcher "unerlaubter" Camps geräumt. Darob kam es zu einem Streit zwischen dem Innenminister und der Bürgermeisterin der Stadt, Martine Aubry, der Sekretärin der regierenden Sozialisten, weil eigentlich Präsident Hollande zugesagt hatte, dass es Schliessung solcher Camps nur noch geben werde, wenn den Menschen eine Alternative angeboten würde. Bisher hat sich die Regierung in dieser Richtung aber nicht besonders bemüht und die Gemeinden haben sich um Alternativplätze nicht gekümmert.

Diverse Bürgerbewegungen haben gegen die Aktionen der Polizei protestiert. Diese Proteste haben Wirkung gezeigt. Die Regierung will jetzt konkrete Projekte für die Lager der Roma voranbringen. Es soll sich um Plätze mit Infrastruktur handeln mit einer Notaufnahme und teilweise auch mit festen Wohnungen zur Eingliederung der Roma. 2010 hatte die französische Regierung jedem Roma, der freiwillig nach Rumänien zurückkehrte, eine Prämie bezahlt. Insgesamt hat der französische Staat dafür die bescheidene Summe von 18 Millionen Euro ausgegeben. Für die rumänische Regierung, die die Aktion begleitete und dafür Polizisten zur Hilfeleistung nach Frankreich entsandte, war das Programm nicht geeignet, um das Problem zu beheben. Nach ihrer Ansicht wäre es besser gewesen, dieses Geld in konkrete Projekte zur sozialen Eingliederung zu investieren. Rumänien wird seine Polizei-Verbindungsleute mit Wirkung vom 1. September zurückziehen.

Siehe auch:
Romas in Europa aus französischer Sicht
Europas Zigeuner als Sündenböcke


Informationsquelle
Le gouvernement tend la main aux Roms - Le Figaro