Sonntag, 12. August 2012

Der perverse Erfolg der genmanipulierten Pflanzen in Brasilien

Die mit Getreide bewirtschafteten Landschaftsflächen in Brasilien wuchsen von 2005 bis 2011 um 19% und gleichzeitig stieg in dieser Zeit der Einsatz von Pestiziden von 7 Kilo auf 10,1 Kilo pro Hektar. Letzteres bedeutet einen Anstieg von 43,2%. Eine offensichtliche Diskrepanz zwischen dem Anstieg der bewirtschafteten Fläche und dem Anstieg beim Pestizideinsatz.

Der Agrar-Ingenieur und Wissenschaftler der Universität von Santa Catarina, Rubens Nodari hat der Bewegung MST (Movimento dos Trabalhadores / Arbeiterbewegung) auf deren Fragen geantwortet und versucht Licht in den Dschungel der Pestizide und gentechnisch veränderten Pflanzen zu bringen. Nodari gilt als einer der wichtigsten Spezialisten für gentechnisch verändertes Saatgut.

Für Nodari ist der Anstieg des Pestizideinsatzes darauf zurück zu führen, dass viele Pflanzen inzwischen resistent gegen Pestizide sind. Das bezeichnet er zwar als ein weltweites Phänomen, das aber insbesondere auch in Brasilien zu beobachten sei. Die Landwirte würden dann die Dosis erhöhen oder noch mehr spritzen. Nach Einführung der gentechnisch veränderten Soja sei die Zahl die Zahl der verschiedenen Arten zurückgegangen, es gebe weniger genetische Vielfalt bei der Kultivierung. Wenn eine dieser Arten von Schädlingen attackiert würde, dann würde das eine viel größere Fläche betreffen. In diesem Fall greife man zu anderen Pesitziden, wie im Fall der Fungizide, um die neuen Schädigungen zu bekämpfen.

Für den Sojabohnen-Anbau werden in Brasilien 48% der verkauften Pestizide verwendet. Laut Nodari nimmt der Soja-Anbau heutzutage den größten Anteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Brasilien in Anspruch. Meistens erfolge der Anbau auf mittelgroßen bis sehr großen Landwirtschaftsflächen für die man ein komplettes Pestizid-Paket anwende: Gentechnisch verändertes Saatgut, Insektizide, Herbizide und Fungizide, da Soja eine Hülsenfrucht sei, die sehr empfindlich auf Krankheiten und Schädlinge reagiere. Seine Schlussfolgerung lautet: “Wenn jemand gentechnisch veränderte Pflanzen benutzt, wird er mehr Herbizide benutzen müssen, die er gezwungen ist, oft präventiv oder mehrfach zu verwenden. Es gibt in der wissenschaftlichen Literatur auch Berichte, dass gentechnisch veränderte Pflanzen anfälliger gegen Attacken sind. So ist auch bei der gentechnisch veränderten Sojabohne die Anfälligkeit stärker, was zur Anwendung weiterer Pestizide, in diesem Fall von Fungiziden führt.”

Auf die Frage, warum eigentlich gentechnisch verändertes Soja in Brasilien dominiere, erklärt er, dass viele Agrarbetriebe meinten mit dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen wenig Arbeit zu haben und damit auch weniger Arbeiter benötigten. Er verweist aber darauf, dass diese Meinung sehr kurzsichtig sei, weil der Teufelskreis neuer Resistenzen die Landwirte zu immer umfangreicheren Pestizideinsätzen zwingen würden. Auch die Frage der gentechnischen Verschmutzung des konventionellen Landbaus sieht er sehr kritisch. Seiner Ansicht nach müssten Felder mit gentechnisch veränderten Pflanzen eine Abstand von mindestens 100 m vom konventionellen Nachbarfeld haben, in Brasilien wären aber gerade einmal 10 oder 20 m vorgeschrieben.

Wer hat den Nutzen der Gentechnik in der Landwirtschaft? Das brasilianische Beispiel zeigt, dass nur der Hersteller der gentechnischen Pflanzen verdienen wird. Einen einmal abhängig gemachten Agrarbetrieb hat er auf lange Sicht an sich gekettet und man wird diesem entgegenkommend für jede neue Resistenz ein neues Mittel liefern. Mit welchen Folgen für das Land und die Menschen, das wird sich erst in vielen Jahren abzeichnen und bis dann wird keiner mehr wissen, wer die Verantwortung dafür trägt.

Siehe auch:
Brasilianischer Tabak macht arm und krank
Der Alles-Vernichter soll jetzt auch Maniok nicht verkrauten lassen

Informationsquelle
A relação transgênico-agrotóxico – Comissao Pastoral da Tierra