Direkt zum Hauptbereich

Die alte Haschisch-Route erblüht zu neuem Glanz

In den 70er und 80er Jahren war Marokko ein beliebtes Ziel für den Erwerb von Haschisch und dessen Schmuggel über die Meerenge von Gibraltar. Auch deutsche Drogenkuriere beteiligten sich an dem lukrativen Geschäft. Damals war Spanien allerdings noch eine Diktatur, deren Gesetzgebung noch bis weit in die 80er Jahre reichte. Wer mit 1 kg Haschisch erwischt wurde bekam dafür 1 Jahr Gefängnis. So einfach und systematisch war die Straffestsetzung durch die spanischen Gerichte. Die Gefängnisse in Algeciras, Jerez und Ceuta waren derart voll mit deutschen Gefangenen, dass das deutsche Konsulat in Sevilla einen eigenen Gefangenenbetreuer beschäftigte. Die drakonischen Strafen schienen keine abschreckende Wirkung zu haben. Die Menge des geschmuggelten Rauschgifts stieg stetig an. Ein Drogenkurier, der mit 250 kg in einem Lieferwagen erwischt wurde, erhielt 250 Jahre Gefängnis aufgebrummt.


Die spanischen Gefängnisse platzten aus allen Nähten. Auch deswegen kam es zu einer Strafrechtsreform der ersten sozialistischen Regierung, bei der das Strafmaß für Haschisch-Schmuggel erheblich heruntergesetzt wurde. Ersttäter konnten nach 6 Monaten Haft und nach Zahlung einer Kaution bis zum Prozess aus dem Gefängnis entlassen werden. Erstaunlich wie schnell diese Kautionen bezahlt wurden und im Falle von Ausländern keiner mehr zum Prozess erschien.


Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem EU-Beitritt überzeugte viele Haschisch-Schmuggler, dass reguläre Arbeit risikoärmer ist. Der Drogenschmuggel verlor an Intensität. Jetzt zeichnet sich aber infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage und der hohen Arbeitslosigkeit in Spanien eine Trendwende ab. Alte, erfahrene Haschischschmuggler sprechen davon, dass Sie jetzt wieder zu den Mauren (bajar al moro) gehen und meinen damit die Marokkaner, um in den Haschischschmuggel nach Europa einzusteigen.


So machen sich viele auf den Weg und versuchen auf diese Art ihr Einkommen zu verbessern. Manche kommen durch, viele fliegen bei den Kontrollen in Ceuta oder Algeciras auf. Es sind nicht nur junge Leute, die den Versuch wagen, sondern Menschen jeden Alters. So wurde vor kurzem eine 74-jährige erwischt, die sich 4 kg Haschisch auf den Leib geklebt hatte und so durch die Kontrollen kommen wollte. Sie hatte kein Glück. Es sind nicht nur Spanier, sondern auch viele Menschen aus Osteuropa, die es auf diese Weise versuchen und jetzt die spanischen Gefängnisse bevölkern.


Die Internet-Zeitung Publico lässt einen alten, erfahrenen Schmuggler, der Zwischenzeitlich einen Arbeitsplatz auf dem Bau gefunden hatte, aber nach dem Platzen der Immobilienblase diesen wieder verlor, zu Wort kommen: "Ich schmuggel auf eigene Rechnung. Ich brauch das, um mein Auskommen zu haben. Und wenn sie mich erwischen, dann bekomme ich wenigstens ein warmes Essen. Früher sass ich schon im Knast, es war noch das alte, das von Piñera. Wenn sie mich jetzt verknacken sollten, nehme ich an, dass ich in das Botafuego komme, das moderner ist. Das mit der Droge ist ein Risiko. Ich schmuggel das Zeug nicht tonnenweise, denn dann müsste ich es verstecken und ich will nicht zu denen gehören, die auf den Drogen sitzen und dann kommen die Typen und schneiden dir die Zehen ab, damit du "singst", wo du das Zeug versteckt hast. Ich mach das auf meine Art. Ich brauche das, damit ich voran komme."


Das, was der alte Schmuggler von sich gibt nennen die Soziologen "die Moral der Grenze" in der Bucht von Algeciras. Das Schmuggeln hat in dieser Region eine lange Tradition. Der Drogenschmuggel über die Meerenge von Gibraltar hat aber inzwischen wieder europaweit zugenommen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Verhaftungen bis heute die des ganzen vergangenen Jahres bereits übertroffen hat. Aber es ist nicht nur das Haschisch, das auf diese Weise nach Europa kommt, sondern auch immer mehr das Kokain. Über die südamerikanischen Länder gelangt es vermehrt nach Afrika, von wo aus es über Spanien in das weitere Europa geschmuggelt wird. Die Spanien sind die größten Konsumenten von Kokain in Europa. Der Rauschgiftkonsum fördert auch die Beschaffungskriminalität und es ist zu befürchten, dass in Spanien Diebstähle und Überfälle wieder zu nehmen werden.

Informationsquelle

Beliebte Beiträge

Aufs falsche Pferd gesetzt: Eukalyptus in Galicien

Wer den Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela wandert kommt an Wälder vorbei, die so gar nicht in diese Landschaft passen. Es sind Eukalyptus Plantagen,  die dieser doch wasserreichen und sehr grünen Landschaft in weiten Bereichen einen desolaten Aspekt geben. 
Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben.  Die Zellulosefabrik ENCE in der Nähe der Stadt Pontevedra erhielt weitreichende Anbau-Konzessionen. Im letzten Jahr wurden die Konzessionen für das Unternehmen um 60 Jahre verlängert und gleichzeitig die Produktionserlaubnis für ein Biomasse Kraftwerk erweitert. 
Der Blogger "Mendigo" gibt dem Protest dagegen eine wütende Stimme:
Sind unsere Mülldeponien ein riesiges Problem? Einige Betroffene Hektar Land in Galicien? Das ist kompletter Unsinn! Auf …

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Der spanische König will nur seine eigene Haut retten

Nachdem sich König Felipe VI. in der Katalonienfrage voll auf die Seite des Zentralstaates gestellt hatte und nicht den mindesten Versuch unternommen hat, in diesem Konflikt zu vermitteln, war man doch recht gespannt, was Felipe in seiner Weihnachtsansprache dem Volk nach den katalanischen Wahlen, die wieder eine Mehrheit für die Unabhängigkeitsbefürworter brachte, zu sagen hatte.


Um es vorweg zu nehmen: Nichts von Bedeutung, außer dass die Spanier ganz stolz auf sich sein könnten. Wie man mit nichtssagenden Sprüchen versucht dem Problem aus dem Weg zu gehen, ergibt sich aus folgenden Ausführungen:


Und dieser große Wandel (Spaniens), dieser ganz große Sprung nach vorn wie es ihn bisher in unserer Geschichte nicht gegeben hat, war nur möglich dank eines offenen und solidarischen Spaniens, das sich selbst nicht eingeigelt hat; eine Spanien, das unsere Unterschiede anerkennt und respektiert, unsere Pluralität und unsere Verschiedenheit mit einem integrierenden Geist; ein Spanien, das von…

Bukarest, Veolia und eine Wasserversorgung nach Gutdünken der Privatwirtschaft

Der französische Multi "Veolia Eau-Compagnie Générale Des Eaux" hält knapp 74% der Anteile an Apa Nova, dem Unternehmen, das für Bukarests Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zuständig ist. Seit Herbst vergangenen Jahres ist Veolia in einen umfangreichen Korruptionsskandal in Rumänien verwickelt. Sein Tochterunternehmen "Apa Nova" wird beschuldigt, in großem Umfang Lokalpolitiker bestochen zu haben, um die Genehmigung für Preiserhöhungen zu bekommen. So sollen von 2008 und 2015 mehrfach Bestechgungsgelder geflossen sein, um Tariferhöhungen durchsetzen zu können und einen Auftrag für den Bau und den Betrieb einer Wasseraufbereitungsanlage zu bekommen, der aus EU-Mitteln finanziert wurde.

Auf diese Art und Weise konnte das Unternehmen seine Einkünfte von etwa 118 Millionen Euro im Jahr 2011 auf  158 Millionen Euro im Jahr 2012 steigern, was eine Steigerung des Nettogewinns von 20,6 Millionen auf 26,5 Millionen Jahr in diesem Zeitraum bedeutete.

Trotz einer Razz…