Samstag, 11. August 2012

Die französischen Alten neigen zur Lebensmüdigkeit

Betagte Französinnen und Franzosen im Alter über 85 neigen vermehrt dazu, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen. Neuere Fälle von Suiziden in dieser Altersgruppe beunruhigen inzwischen die französische Regierung. Die zuständige Staatsministerin hat dazu vor kurzem einen Sachstandsbericht abgegeben und die Situation als alarmierend bezeichnet.

Sie schildert, dass älter werdende Menschen oft verzweifelt seien und als letzten Ausweg nur noch die Selbsttötung sähen. Oft handle es sich.um einsame Menschen, denen ein Weiterleben sinnlos erscheine. Die Zahl der Suizide in diesem Personenkreis nehme vor allem im Sommer zu, da zu dieser Zeit das Gefühl der Isolation noch stärker sei. Die Ministerin appelliert deshalb an die Gesellschaft, sich mehr um die betagten Landsleute zu kümmern. Die Staatsministerin heißt Michèle Delaunay und sie beschreibt in ihrem Blog diesen Sommer als den "mörderischen Sommer" (L’été meurtrier).

Die Statistik zeigt, dass Suizid-Rate bei Menschen über 85 Jahren in Frankreich am höchsten ist. Besonders betroffen sind dabei die Männer. Eine Leserin des Blogs von Frau Delaunay kommentiert deren Bericht wie folgt: "In den Altenheimen werden die alten Menschen nicht immer so behandelt, wie es sein müsste. Meine Mutter, 87 Jahre alt, befindet sich in einem solchen Heim. Sie hat ein eigenes, sauberes Zimmer und ein Bad. Aber es gibt keinerlei menschliche Wärme in dem Heim. Während des Arztbesuches ist der Direktor anwesend und meine Mama, die sehr schamhaft ist, sagt dem Arzt dann nicht, dass sie Schmerzen im Unterleib hat. Dieser Direktor macht den Familien schöne Versprechungen, um seine Einrichtung rentabel machen, aber ansonsten sind ihm die Alten egal."

Die Probleme kommen uns auch in Deutschland bekannt vor. Inzwischen ist die Frage, wie wir unsere überalterte Gesellschaft lebenswürdig gestalten wollen ein europaweites Problem.

Informationsquelle:
Suicides de vieux - Blog Michèle Delaunay