Dienstag, 28. August 2012

Angekündigter Völkermord an den Guarani-Kaiowá

“Wenn die Regierung Krieg haben will, dann kann sie Krieg haben. Wenn sie eine Invasion machen, werden wir auch eine Invasion machen. Wir haben keine Angst vor dem Indio. Wir gehen zum Krieg über und zwar in der kommenden Woche. Von diesen Indios dort wird es vielleicht einigen gelingen zu überleben. Die, die es nicht überleben, werden wir den Schweinen zum Frass vorwerfen”. Breitbeinig erklärt dies der Fazendeiro Luis Carlos da Silva Vieira auf seinem Landgut in Paranhos im Bundesstaat Mato Grosso do Sul der filmenden Presse. Erstaunlich mit welcher Arroganz und ungestraft dieser Großgrundbesitzer auftreten und mit Mord und Totschlag drohen kann. Es zeigt sich, dass das Leben der Indios solchen Leuten nichts wert ist und das angekündigte Blutbad eine reale Bedrohung ist.

Die Indio-Völker der Guarani-Kaiowá hatten früher in dieser Region ihre Heimat. Ab den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden sie nach und nach aus ihren Gebieten vertrieben. Die Agrarkonzerne setzten auf die Vernichtung der Kaiowas. Diese hatten in den letzten Jahren für die Rückgabe ihrer alten Heimat gekämpft und öffentlichkeitswirksam demonstriert. Jetzt wollen sie die Gebiete mit friedlichen Mitteln besetzen. Die Agrar-Gangster schlugen bisher brutal zurück: In den letzten 9 Jahre wurden von ihnen über 270 Führer der Kaiowás umgebracht.

Jetzt geht ein Hilferuf der Guarani-Kaiowá an die Welt, den ich hiermit auszugsweise wiedergebe:
“Note der Aty Guasu Guarani-Kaiowá (Versammlung der Guarani-Kaiowá) an die Bundessbehörden Brasiliens und an die Welt angesichts Drohung der kollektiven Ermordung des Indio-Volkes: Angesichts der Drohung einer kollektiven Ermordung unseres Volkes in der Form eines angekündigtes historischen Genozids durch die Besetzer der alten Territorien der Guarani-Kaiowá, geben wir den Behörden bekannt, dass die Großgrundbesitzer, die gefürchteten Mörder der Indios, heute am 18. August 2012 ein neues Blutbad zur Auslöschung der Indio-Bevölkerung in Paranhos an der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay angekündigt haben. ….. Angesichts der kollektiven Todesdrohung, die in aller Öffentlichkeit erfolgte, verlangen wir eine Untersuchung und rigorose Bestrafung dieser Anstifter zum Genozid. Wir alle wissen, dass sie modernste und gefürchtete Waffen haben, sie haben Geld, das sie über das Blut der Indios verdient haben, mit dem sie Waffen kaufen und Pistoleiros engagieren können.  …… Es ist wichtig zu verstehen, dass in den Dekaden von 1940, 1960 und 1970 dieselben Großgrundbesitzer, nachdem sie das Land der Kaiowá und Guarani besetzt hatten, angefangen haben, mit ihren Morden und den gewalttätigen Vertreibungen. Heute erklären sie unumwunden im Wildwest-Stil, dass sie mit den Morden fortfahren werden…..Angesichts der bevorstehenden Attacke wenden wir uns noch einmal an die Bundesbehörden Brasiliens und die Welt. Wir Völker der Guarani und Kaiowa kämpfen um ein paar Stücke unserer alten Territorien. Wir haben keine Waffen und darüberhinaus wissen wir nicht einmal wie man mit Waffen umgeht. Wir wiederholen noch einmal, der Kampf um unsere Territorien soll das menschliche Leben, die Fauna und Flora unseres Planeten Erde sichern. Wir glauben an den Frieden, wir sind für einen wirklichen Frieden, wir haben keine die Menschen zerstörenden Waffen. Wir haben nur unsere Gesänge und heiligen Gebete mbaraka und takua, um damit einen wirklichen Frieden für die Menschheit zu suchen….In diesem Sinne werden wir hingehen in den kollektiven Tod durch die Pistoleiros der Großgrundbesitzer”.

Die Großgrundbesitzer sind daran interessiert, die Indios zu terrorisieren, so dass sie den Mut verlieren Gerechtigkeit für ihre Vertreibung zu fordern, aber sie schrecken in der Tat auch vor keinem Mord zurück. Wie das dann aussieht, kann man der Schilderung eines Vorfalls am 10. August im Indio-Dorf Aldeia Arroyo Corá ersehen: Die Indios protestierten an diesem Tag friedlich für eine Rückgabe ihrer Territorien. Die Proteste begannen um 5 Uhr des Morgens des 11. August. Gegen 8 Uhr erschienen im Dorf 4 Kleinlastwagen mit 50 bestens bewaffneten Männern. Die Pistoleiros teilten sich in 3 Gruppen auf und kreisten die protestierenden Indios ein und richteten ihre Waffe auf sie. Sie kamen bis auf 200 Meter heran und begannen auf die Indios zu schießen. Nach Information der Indios dauerte die Schiesserei 2 Stunden. Kleinlaster brachten neue Munition und die Schiesserei ging weiter. Die Indios berichten: “Ungefähr weitere 2 Stunden schossen sie in unsere Richtung, wir hatten uns hinter den Bäumen versteckt und andere lagen im Bach oder im Schlamm. Die Pistoleiros lachten uns aus und schrien “ihr Scheiss-Indioss! Ihr werdet hier alle sterben! Heute wird hier kein Indio lebend davon kommen. “ Wir sahen wie Autos kamen und neue Munition mitbrachten”. 4 Polizisten der Nationalgarde sollen vor Ort gewesen sein, aber von den Bewaffneten vom Gelände verdrängt worden sein. Die Nationalgarde soll ohnehin der Ansicht sein, dass die Indios selbst Schuld seien, denn schließlich würden sie die Landgüter besetzen. Das Resultat der Schiesserei: Ein alter geistig behinderter Indio und ein 9 Monte altes Kind wurden erschossen, ein weiterer Indio ist verschwunden.

Siehe auch:
Kaiowá und Guarani haben die Nase voll

Informationsquelle
Assassinos de Indígenas: Guerra aos Guarani-Kaiowá é declarada esta semana no Mato Grosso do Sul
Nota da Aty Guasu Guarani-Kaiowá às autoridades federais do Brasil e Mundo diante da ameaça de morte coletiva indígena – CMI
ANGRIFF AUF INDIGENE – Amnesty International