Mittwoch, 25. Juli 2012

Wer verdient eigentlich an Olympiade & Co?

Sportliche Goßveranstaltungen sind heutzutage reine Geldmaschinen. Der Sport spielt nur noch eine Nebenrolle. In erster Linie sahnen erst einmal die Dachverbände des Sport und die Funktionärsbürokratie, die in der Regel in Luxushotels absteigt und sich kostenlos durchfüttern lässt, ab. Als nächstes sind es Unternehmen, die mit Exklusiv-Verträgen sich Werbepfründe sichern und im Hintergrund in geschlossenen “Clubs” begleitend ihre Strippen ziehen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Deutsche Haus in London zur demnächst startenden Olympiade. Natürlich hat das übermächtige IOC alles Interesse, den veranstaltenden Ländern und Kommunen dieses teure Spektakel als Langzeitsinvestition darzustellen. Die meisten vom Steuerzahler finanzierten staatlichen Organe fallen auch darauf rein. Die Politiker hoffen, dass von dem Glanz des Spektakels etwas für sie abfällt, deswegen stimmen sie gerne in den Chor der Profitabilität einer solchen Großveranstaltung ein.

Dabei gibt es genügend Beispiele, dass weder mit Formel 1 noch mit Olympiade und anderem Großveranstaltungen für die Kommunen oder Staaten Geld zu verdienen ist. Zuerst legen sie alle drauf, machen kräftig Schulden und hoffen auf die Rendite in Form eines weltweiten Prestigegewinns, der sich rechnen soll. Bei den Spielen in Athen 2004 wurden beim Start der Vorbereitungen mit Kosten von 6 Milliarden US$ gerechnet, tatsächlich mussten dann 15 Milliarden US$ bezahlt werden und das ganze endete mit einem Nettoverlust. Heute sind Athen und Griechenland pleite. Der IOC-gesteuerte Größenwahn von damals hat dagegen nicht geholfen. Die Stadt Valencia in Spanien wollte unbedingt ihr Formel-1-Rennen haben und hat dafür teuer bezahlt. Die Veranstalter reiben sich immer wieder die Hände, dass es genügend verschwendungs- und geltungssüchtige Politiker gibt, die gerne für solche Prestigeveranstaltungen das Geld des Steuerzahler mit vollen Händen hinausschmeißen. In diesen Tagen ist Valencia mehr als pleite, viele Menschen werden entlassen und stehend protestierend auf den Straßen. Seit 2008 gibt es dieses Rennen und die Region Valencia musste damals erst einmal mit 131 Millionen Euro in Vorleistung treten. 2011 besaß der damalige Präsident der Region - bereits Auge in Auge mit der Schuldenkrise - die Frechheit, den Vertrag mit den F1-Veranstaltern bis 2020 zu verlängern. Dafür sollte die Regierung von Valencia dann mit 180 Millionen Euro gerade stehen. Da die Veranstalter regelmäßig Defizite einfahren, darf also der Steuerzahler das Vergnügen bezahlen. Die Nachfolger des Ex-Präsidenten beknien nun die F1-Gewaltigen auf den Knien um eine Absenkung ihres Beitrags.

Ein ähnlich desolates Beispiel liefert die Stadt Sevilla. 2011 wollte die Stadt unbedingt das Davis Cup-Finale organisieren. In diesen Tagen wurde die Abrechnung für die Veranstaltung vorgelegt und sie zeigt, dass die Stadt eine knappe Million Euro aus der Stadtkasse bezahlen muss. Der Bürgermeister, der der derzeit mit Sparprogrammen um sich werfenden Regierungspartei PP angehört, beschuldigt nun die Sozialisten in der Regierung der autonomen Region Andalusien, dass sie diesmal im Gegensatz zu 2004 die Veranstaltung nicht mitsubventioniert hätten. Diese kontern damit, dass die Haushaltslage damals völlig anders war als 2011. Diese Weitsicht scheint die Stadtverwaltung nicht gehabt zu haben und muss nun mühsam ihren Bürgern erklären, warum sie eine Veranstaltung, an der nur wenige profitieren, mitfinanzieren sollen.

Informationsquelle
Camps desoye a Rajoy y se gastará otros 108 millones para mantener la F-1 en Valencia – El Pais
Davis 2011: se debe un millón –Diario de Sevilla