Direkt zum Hauptbereich

Rumänischer Ministerpräsident riskiert für akademische Ehren seinen Ruf

Es gibt europaweit einen Akademikerdünkel. Akademiker ist, wer über ein abgeschlossenes Hochschulstudium verfügt. Ein ganz erhabener Akademiker ist, wer einen Doktortitel trägt. Ihm unterstellt man – und seine Gesellschaftsgruppe schürt kräftig diesen Ruf – einen besonders hohen Intelligenzgrad. Und natürlich ist Herr oder Frau Doktor zu allem fähig, besser gesagt zu allem befähigt. Auch für höchste Staatsämter. Die letzten Monate haben gezeigt, dass dieser Doktortitel nichts wie eine Hülle ist. Jungakademiker machen sich ein Sport daraus, ihre angeblich so hochqualifizierten Doktorarbeiten mit Textschnipseln aus dem Internet zusammenzuschustern und ihre noch hochqualifizierteren Doktorväter oder –mütter merken nichts. Ist der Doktorand prominent, wird ihm auch noch die Bestnote “summa cum laude” hinterher geworfen. In Brasilien ist man beim einfachen Volk ein “Doktor”, wenn man einen dicken Bauch hat. Da weiß man, dass er genug zu essen bekommt. Das qualifiziert ihn in diesem Land für höchste Ehren. Vermutlich ist dieses Auswahlkriterium ehrlicher wie das europäischer Universitäten.

Nachdem man sich in Deutschland bereits ergiebig über aufgedeckte Fälle von unehrlich erworbenen Doktortiteln erregt hat, ist jetzt auch in Rumänien ein hoher Prominenter mit einem unehrlich erworbenen Doktortitel erwischt worden. Es handelt sich um den Ministerpräsidenten Victor Ponta. In einem Land, in dem gekonnte Betrügereien durchaus noch eine gewisse Anerkennung erfahren, ist das Abschreiben eigentlich eine Kleinigkeit. Jeder mogelt sich ja schließlich so durch, um zu Geld und Ehren zu kommen. Jetzt ist aber noch herausgekommen, dass Herr Ponta sich eines “Master-Titels” der sizilianischen Universität Catania rühmt, diese Universität aber rundweg abstreitet, dass Herr Ponta bei ihr eine “Master-Arbeit” geschrieben hat. Er hatte an der Universität nur einen Fortgeschrittenenkurs besucht und darüber eine Bescheinigung erhalten. Dies Bescheinigung gab er in seinem Lebenslauf als Mastertitel aus. Welchen Teufel hat den Mann geritten, eine solche Behauptung in die Welt zu setzen? Diese kleine Schummelei hätte vermutlich niemand gemerkt, wenn er nicht schon seine Doktorarbeit mit geringstem Aufwand erstellt hätte.

Victor Ponta ist noch nicht lange rumänischer Ministerpräsident. Es war ihm gelungen über sein Parteienbündnis USL die bisherige Regierung zu stürzen. Staatspräsident Basescu hatte damit gegen seinen Willen die bisherige Opposition als Regierung bekommen. Seither gibt es einen Krieg zwischen Präsidenten und dem Ministerpräsidenten. Nachdem Ponta an die Macht kam, sonnte er sich in einem Umfrage-Hoch, von dem er jetzt jäh abstürzen könnte. Staatspräsident Basescu reitet auf niedrigem Niveau auf dem falschen Doktor rum. Nach dem Motto “Angriff ist die beste Verteidigung” erklärte Ponta jetzt, dass er zurücktreten werde, wenn auch gleichzeitig der Staatspräsident zurücktrete und Neuwahlen ausgeschrieben würden. Rumänische Kommentatoren schlagen ob dieser Forderung die Hände über dem Kopf zusammen. In einer schwierigen wirtschaftlichen Situation die beiden wichtigsten politischen Ämter in Land unbesetzt zu lassen, zeige, dass Herrn Ponta der Weitblick fehle. Der Journalist Mălin Bot von der Zeitung Adevarul schreibt: “Der Plagiatskandal zeigt uns in welcher zugespitzten politischen Krise sich Rumänien befindet. Die wichtigsten politischen Führer und Akteure prügeln sich ohne Rücksicht auf die Auswirkung, die ein solcher Rachefeldzug auf uns und die viel wichtigeren derzeitigen Themen für Rumänien hat”.

Verliert die politische Klasse in Rumänien nun endgültig ihren Ruf? Dazu noch einmal Mălin Bot: “In diesem Zirkus entwickeln sich zwei sehr gefährliche Phänomene:
Als erstes ist ein Radikalisierung der Sympathisanten der USL und PDL festzustellen. Die Kommentare der einfachen Menschen in den sozialen Netzwerken und in den Zeitungen werden immer aggressiver. Menschen, die sich überhaupt nicht kennen, sind bereit sich gegenseitig an die Gurgel zu fahren. Bei ihnen werden negative Gefühle geweckt, nur um sie für den Wahlkampf nutzen zu können. So regt man sich auf für Politiker, die nicht einen Moment an die Interessen dieser Menschen denken. Das zweite Phänomen ist die totale Ablehnung der politischen Klasse und das Fernbleiben derjenigen von den Wahlurnen, die noch nicht in der einen oder anderen Gruppe radikalisiert sind. Das ist insofern gefährlich, weil dieser Bevölkerungsteil noch die Objektivität und Ruhe besitzt, unter all den Übeln das Geringste auszuwählen. Leider, denn nur mit solchen Leuten können wir Fortschritte in Demokratie machen”. Bot befürchtet, dass damit irrationale Populisten vom Schlage eines Dan Diaconescu in Rumänien an die Macht kommen und dem Land in diesem Fall schwere Zeiten bevorstehen.

Siehe auch:
Wer ist Victor Ponta?
Dan Diaconescu, Rumäniens Berlusconi?

Informationsquelle:
Premierul şi-a falsificat CV-ul. Preşedintele Universităţii din Catania: Victor Ponta nu a făcut niciun master la Universitatea Catania – Adevarul
Doctorul şi marinarul ne duc în ape tulburi – Adevarul

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Der spanische König will nur seine eigene Haut retten

Nachdem sich König Felipe VI. in der Katalonienfrage voll auf die Seite des Zentralstaates gestellt hatte und nicht den mindesten Versuch unternommen hat, in diesem Konflikt zu vermitteln, war man doch recht gespannt, was Felipe in seiner Weihnachtsansprache dem Volk nach den katalanischen Wahlen, die wieder eine Mehrheit für die Unabhängigkeitsbefürworter brachte, zu sagen hatte.


Um es vorweg zu nehmen: Nichts von Bedeutung, außer dass die Spanier ganz stolz auf sich sein könnten. Wie man mit nichtssagenden Sprüchen versucht dem Problem aus dem Weg zu gehen, ergibt sich aus folgenden Ausführungen:


Und dieser große Wandel (Spaniens), dieser ganz große Sprung nach vorn wie es ihn bisher in unserer Geschichte nicht gegeben hat, war nur möglich dank eines offenen und solidarischen Spaniens, das sich selbst nicht eingeigelt hat; eine Spanien, das unsere Unterschiede anerkennt und respektiert, unsere Pluralität und unsere Verschiedenheit mit einem integrierenden Geist; ein Spanien, das von…

Die britische Pass-Burleske oder so dümmlich tickt der Populimus

Unglaublich, was Theresa May ihren Landsleuten als Weihnachtsgeschenk glaubte machen zu müssen: Die Briten werden statt des bisherigen roten einen blauen Pass bekommen, auf dem auch die ominöse "Europäische Union" nicht mehr erwähnt wird. Suggeriert wird damit - und von den Hurra-Patrioten krampfhaft behauptet -, dass man sich einer weiteren Zwangsmaßnahme der perfiden Europäischen Union gegen das seiner Souveränität beraubten Vereinigten Königreichs damit entledigt. Nur, niemand hat die Briten gezwungen, den roten Pass für seine Bürger anzuwenden, die Entscheidung traf damals allein die Thatcher-Regierung, es so zu machen, wie es seither gelaufen ist.

Die harten Brexit-Anhänger - inzwischen eher eine große Minderheit - laufen seither einen Jubel-Amok. Die Premierministerin May verkündet über Twitter: "Der UK-Pass ist ein Ausdruck von Unabhängigkeit und Souveränität, indem er uns als Bürger einer stolzen, großen Nation symbolisiert. Darum haben wir angekündigt, dass de…

Meinungsfreiheit in Spanien erheblich bedroht

Die spanische "Plattform zur Verteidigung der Informationsfreiheit (PDLI)" hat für 2017 ein deprimierendes Resumée über den Stand der Meinungsfreiheit in Spanien gezogen. In der Zusammenfassung stellt die Präsidentin der PDLI, Virginia Pérez Alonso, fest:

Es fällt schwer im zurückliegenden Zeitraum der demokratischen Entwicklung Spaniens einen Präzedenzfall zu finden für die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, wie wir sie dieses Jahr erlebt haben. Es wurden Leute ins Gefängnis gesteckt nur wegen eines Liedes oder einer Twittermeldung. Wir dachten nicht mehr an eine solche Entwicklung und doch geschah es jetzt mitten in Europa im 21. Jahrhundert. Das ist so schwerwiegend, dass wir immer noch Probleme haben, deren Reichweite zur Kenntnis zu nehmen.


Es ist so, dass vor allem Jugendliche, die ihre Meinungen in den sozialen Netzwerken veröffentlichten, Ziel einer so seltsamen Strafvorschrift wie "Verherrlichung des Terrors" war. Dazu gaben Witze über Repräsentanten der …