Direkt zum Hauptbereich

Bei einer 30-30-30-Situation wird es in Spanien gefährlich

Eine 30-30-30-Situation lässt bei Spaniens Forstarbeitern die Zähne klappern. Diese Zahlen stehen für 30 km/h oder mehr Westwind, weniger als 30% Luftfeuchtigkeit und mehr als 30 Grad Hitze. Hat das Wetter diese Konstellation, hat das Feuer in Spaniens Wälder freie Fahrt. So geschehen jetzt in der Region Cortes de Pallás bei Valencia in den Bergen von Martés.

Arbeiter schweißten auf einem Privatgelände Solarzellen zusammen und lösten einen Brand aus, dem inzwischen 50.000 Hektar Wald zum Opfer gefallen ist. Gestern sind bei den Löscharbeiten zwei Hubschrauber abgestürzt. Ein Pilot ist dabei ums Leben gekommen, zwei Insassen des zweiten Hubschraubers wurden schwer verletzt. Der Brand soll – so hofft man – jetzt unter Kontrolle sein. Die Umstände für den Brand waren perfekt. Wie bereits geschildert gab es die 30-30-30-Situation. Zudem hatte es weder im Mai noch im Juni in der Region geregnet. Vergangenen Donnerstag, der Tag an dem das Feuer ausbrach, herrschte ein Temperatur von 42 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von gerade einmal 7 bis 8%. Dazu kam ein Westwind der Stärke 40 bis 50 km/h. Da reichte der kleinste Funke um eine Katastrophe auszulösen.

Also alles höhere Gewalt. Die regierenden Politiker in Valencia ziehen sich auf diese Ausrede zurück. Fachleute beklagen, aber, dass man durch jahrelanges Nichtstun die Katastrophe provoziert habe. Es sei zwar in Material zur Bekämpfung investiert worden, gleichzeitig aber bei der Feuerwehr eingespart worden. Die beste Methode zur Vermeidung von Waldbränden, die prophylaktische Reinigung und Säuberung der Wälder von Unterholz sei völlig vernachlässigt worden. Die letzte große Waldbrand-Katastrophe gab es in der Region im Jahre 1994. Damals bildeten die Sozialisten die Regierung in der Autonomie Valencia. Bald darauf übernahm die Partido Popular, die konservative Volkspartei, die Macht. Sie hat sie bis heute behalten, aber die Region völlig heruntergewirtschaftet. Auch die Tatsache, dass es keine großen Waldbrände mehr gab, heftete sich als Erfolg an die Jacke. Im vergangenen Oktober brüstete sich noch der verantwortliche Minister: “Unser Ziel in diesem Bereich ist wirksam  und effektiv zu handeln, so wie wir es die vergangenen Jahre, in denen wir erreicht haben, dass mit pro Brand zerstörten 7,5 Hektar Wald wir an der untersten Stelle in ganz Spanien stehen, getan haben”. Die Zeitung El Pais zitiert diese Äußerung und schreibt dazu: “Monate später ist der Drachen des alles zerstörenden Feuers zurückgekehrt, um all diese Statistiken innerhalb von 4 Tagen mit tausenden zerstörten Hektar am Wald und dem Tod eines Piloten in Asche zu verwandeln”.

Der Frust über großmäulige Regionalpolitiker und die Politik in Spanien ist sehr groß. Ein Journalist aus Valencia gibt diesem freien Lauf: Nach seiner Ansicht ist der Sommer wie immer eine Strafe. Eine Woche ist schlechter wie die andere. Die Formel 1 mit ihrem Rennen in Valencia geht den Leuten mit ihrem Krach auf die Nerven. Kaum ist das vorbei fängt es an zu brennen. Dicke Wolken nehmen einem die Atemluft. “Ein Qualm so schwarz und dick wie die Tinte des Tintenfischs, mit der Serafin Castellano (Minister in der Regierung von Valencia) versuchte das Ausmaß der Katastrophe zu vertuschen.” Vom lokalen Frust steigert er sich zum Ärger in der nationalen Politik: “In all der Katastrophe beglückwünscht  uns Frau Gospedal (Generalsekretärin der Regierungspartei PP), dass nicht mehr verbrannt ist. Dafür ein dreifaches Olé! Am vergangenen Samstag erklärte uns der Herr Wirtschaftsminister, Luis de Guindos, dass die Wirtschaftskrise sich noch verschärfen werde. Da muss man nur daran denken, dass dieser Herr bei Lehmann Brothers daran mitarbeitete, dass die Spanier den Braten nicht gerochen haben. Und zu allem kommen jetzt auch noch die Riesenquallen im Meer zurück. Mit Pauken und Trompeten verkündete das ozeanographische Institut, dass im Mittelmeer 50 Exemplare der bisher seltenen Riesenquallen gesichtet wurden. Die Dinger erreichen ein Gesamtgewicht von 40 kg und haben einen Durchmesser von 60cm. Woher kommen die? Welcher Perseus wird ihnen den Kopf abschlagen? Wenigstens hat unsere Fußballnationalmannschaft in brillanter Weise die Europameisterschaft gewonnen, sonst wäre das derzeitige patriotische Getue, das von einem Nationalismus der ranzigsten Sorte überzogen ist, überhaupt nicht zu ertragen.”

Informationsquelle
La vida sigue igual – El Pais
El fuego de Valencia se cobra una vida – El Pais
No digas que has domado al dragón – El Pais

Beliebte Beiträge

Wale an Menschen: Lasst uns in Ruhe!

Vor allem an der französischen Mittelmeerküste hat der Kommerz ein neues Vermarktungspotential entdeckt. Mit Delfinen oder Walen schwimmen. Das läuft so ab: Ein Flugzeug sucht im Tieflug die Tiere und danach werden entsprechende Interessenten an den Ort gebracht, um mit den Tieren schwimmen zu können. Hört sich schrecklich tierlieb an, ist aber nur wieder einmal eine der schrecklichen Geschmacksverirrungen, zu denen der Mensch in der Lage ist.
Die französische Umweltorganisation "France Nature Environment " beschreibt die Folgen:
Die Meeressäugetiere, insbesondere die Wale, sind es nicht gewöhnt in der Nähe von Menschen zu sein.  Die Tatsache, direkt mit der Anwesenheit des Menschen konfrontiert zu werden führt zu einer nicht widerrufbaren Änderung im Verhalten der Tiere. Die Delfine und Wale werden durch die Anwesenheit von Menschen verwirrt und gestresst.  Wenn Sie mit dem Flugzeug verfolgt werden,  erschöpfen sie sich. Sie werden von ihren normalen Aktivitäten abgehalten …

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

So soll Großbritannien vom Joch der EU-Gesetzgebung befreit werden

Die britische Premierministerin Theresa legte vor kurzem dem Parlament das "Great Repeal Bill"  zur Abstimmung vor. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, mit dem das EU-Recht im Vereinigten Königreich für ungültig erklärt werden soll. Offiziell nennt sich das Gesetz "European Union (Withdrawal) Bill", also EU-Rücknahme-Gesetz.


Mit dem Gesetz sollen die rechtlichten Wirkungen des Vertrages von 1972 über den Beitritt des UK zu EU aufgehoben werden. Damit würde wieder nur das Recht des Vereinigten Königreichs gelten und die Rechtssprechungsbefugnis des Europäischen Gerichtshofs für Großbritannien beendet. Dazu soll die bisherige in EU-Gesetzgebung in nationales Recht überführt werden, so dass am Tag des erfolgten Austritts aus der EU kein Chaos entsteht.

Alle EU-Regeln sollen in nationales Recht übernommen werden. Anschließend kann das Parlament diese Regeln "ändern, ergänzen oder verbessern". Damit soll die Geschäftswelt und Bürger und Bürgerinnen beruhigt …

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…