Samstag, 21. Juli 2012

Spanischer Atomkraftwerkbetreiber straft nicht willfährige Gemeinde ab

Sie müssen eine fürchterliche Angst haben, die spanischen Atomkraftbetreiber oder über eine gnadenlose Arroganz verfügen. Die Betreiber des spanischen Atomkraftwerks Almaraz haben der Gemeinde Navalmoral de la Mata, in dessen Nähe das AKW liegt, die Wirtschaftszuschüsse entzogen, weil die Gemeinde es einer Gruppe der Umweltschutz-Bewegung erlaubt hat, Gemeindeeinrichtungen zu benutzen.

Wer sind denn nun diese gefährlichen Atomkraftgegner? Die Gruppe “Eco Marcha” hatte zu einer Aktion “Pedaleando Caminos Alternativos” (Radeln auf alternativen Wegen) aufgerufen. Die Gruppe der radelnden Umweltinteressierten ist seit einigen Tagen unterwegs. Sie beschreiben ihre Absichten so: “In 15 Etappen, drei davon durch die Region Madrid, radelt das ökologische Fahrerfeld gegen die Krise und die sozialen Einschnitte, für die Alternativen zu diesem ungerechten und unhaltbaren Model, für die Bewahrung der Natur und die alternativen Wege, die uns aus diesem Hexenkessel herausholen.” In Navalmoral de la Mata haben die Teilnehmer mit Unterstützung des Bürgermeisters Debatten veranstaltet und einige Projekte und Praktiken nachhaltiger Entwicklungen kennengelernt. Ansonsten haben sie die Landschaft genossen und die Menschen kennengelernt, die an ihrer Route wohnen.

Eigentlich kann sich jede Gesellschaft freuen, die solche Menschen hat. In den Augen der Drahtzieher des AKW scheinen diese Menschen aber Meinungen zu vertreten, die ihre Macht untergraben. Deshalb muss ihren Unterstützern möglichst brutal die finanzielle Basis entzogen werden. Der Bürgermeister erklärt wie das Ganze abgelaufen ist: “Die Gemeinde erhielt Anfang Mai einen Antrag der Gruppe “Ecologistas en Acción” für eine Übernachtungsmöglichkeit in der Sporthalle von Navarrosa. Die Gemeinde hat dem zugestimmt. Danach rief der Direktor für Öffentlichkeitsarbeit des Atomkraftwerks Almaraz, Aniceto González, beim Bürgermeister an und verlangte, dass die Gemeindeverwaltung die Genehmigung zurücknehmen solle. Nachdem das Bürgermeisteramt erklärte, dass man die Genehmigung nicht zurücknehmen werde, rief am 13. Juli erneut das AKW an und teilte mit dass die Direktion des Betreibers CNA entschieden habe, dass auf Verlangen des Generaldirektors der AKW Almaraz und Trillo alle wirtschaftlichen Zuschüsse für die Gemeinde gestoppt würden.” Der Bürgermeister ist erschüttert über die Haltung der AKW-Betreiber und erklärt: “Diese Entscheidung des AKW zeigt nicht viel Demokratieverständnis” und er bedauert, dass hier ein privates Unternehmen versuche, der Gemeinde vorzuschreiben, was sie zu tun habe.

Für die Veranstalter der Rad-Umwelttour ist diese Entscheidung ein Schlag ins Gesicht mündiger Bürger. Sie zeige die autoritären Praktiken bei der Durchsetzung privater Interessen gegenüber der Bürgerschaft. “Sie machen nicht nur Gewinne, indem sie die Menschen und Gebiete, in denen diese leben, Gefahren aussetzen, sondern darüber hinaus beeinflussen sie die Entscheidungen öffentlicher Stellen und bringen legitimen Proteste derjenigen, die sich ihren Aktivitäten widersetzen, zum Schweigen.”

Navalmoral de la Mata liegt in der autonomen Region Extremadura, eine Gegend, die zu den ärmeren in Spanien gehört. Die wirtschaftliche Abhängigkeit von Unternehmen wie die der Atomkraftwerke – bei deren Bau man der Bevölkerung vermutlich wieder das Blaue vom Himmel versprochen hat, was der wirtschaftliche Schub durch das AKW betraf – ist sehr groß und das Erpressungspotential der Nuklearindustrie erheblich. Umso mehr ist die Gemeinde zu beglückwünschen, dass sie der Erpressung nicht nachgegeben hat.

Siehe auch:
Atomalarm in Almaraz, was tun?
Informationsquelle:
Denuncian la actitud antidemocrática de la CN de Almaraz – Ecologistas en acción
Comunidad de Madrid: Pedaleando caminos alternativos 
CNA retira todas las ayudas económicas al Ayuntamiento de Navalmoral por ceder un pabellón a grupos ecologistas – Gemeinde Navalmoral