Donnerstag, 19. Juli 2012

Schottland: Der Kampf gegen Alkoholismus schädigt die Whisky-Industrie

Die schottische Regierung sieht mit Sorge, dass ein großer Teil der Bevölkerung ein chronisches Alkoholproblem hat. Sie hat jetzt ein Gesetz auf den Weg gebracht, das einen Minimalpreis für alkoholische Getränke festlegen soll. Geplant ist, dass die billigste Flasche Wein nicht weniger als £4.69 (ca. 6 €) und das Vierer-Pack Bier mindestens £3.52 (ca. 4,50 €) kosten muss.

Dagegen wehrt sich die Schottische Whisky-Vereinigung (Scotch Whisky Association; SWA), die Interessenvertretung der Whisky-Produzenten. Zwar sieht die SWA auch das Problem. Sie schreibt auf ihrer Webseite: “Wir akzeptieren, dass Schottland gegen die Alkoholschäden kämpfen und auf eine Änderung der Haltung zu Alkohol und Trunkenheit in Schottland gedrängt werden muss, aber die politischen Entscheidung müssen dahin gerichtet werden, wo das Problem liegt. Etwa 30% von denen die trinken, trinken 80% des verkauften Alkohols. Dieses Problem sollten wir zuerst angehen.” Die SWA ist nämlich der Meinung, dass ein Minimumpreis den Alkoholmissbrauch nicht beseitigen würde, sondern nur die mäßigen Trinker mit höheren Preisen bestrafen werden, in einer Situation wo die Haushaltseinkommen ohnehin unter Druck sind. Das würde dann auch die schottische Whisky-Industrie auf den Export-Märkten schädigen. Die schottische Whisky-Industrie habe, von der Regierung ermuntert, den Export ausgeweitet und schaffe damit erhebliche Gewinne für die schottische und britische Wirtschaft. “Scotch Whisky” habe einen Anteil von 80% am schottischen Lebensmittel- und Getränkeexport. Und das werde nun alles gefährdet. Deshalb wollen die Whisky-Produzenten gegen das Gesetz beim Europäischen Gerichtshof klagen, weil sie der Ansicht sind, dass das schottische Parlament keine Zuständigkeit in diesem Bereich habe.

Die schottische Regierung unterhält eine eigene Organisation mit dem Namen “Alcohol Information Scotland”. Sie gibt einen jährlichen Alkoholreport heraus. Im Report 2011 wurde zum Beispiel festgestellt, dass die Alkoholpreise in Schottland von 1987 bis 2009 im Verhältnis zu den gestiegenen Haushaltseinkommen um 66% billiger wurden. Die Schotten geben 4,5% ihres Haushaltseinkommens für alkoholische Getränke aus. Schätzungen gehen davon aus, dass 2009 in Schottland 51 Millionen reinen Alkohols verkauft wurden.Der Pro-Kopf-Alkoholverbrauch liegt in Schottland höher wie in England oder Wales. Der Alkohol-Missbrauch ist ursächlich für viele Erkrankungen und Todesfälle. Die Statistiken zeigen auch, dass in schottischen Regionen und Stadtgebietne mit einer sozial benachteiligten Bevölkerung besonders viel Alkohol konsumiert wird. Verständlich, dass die schottische Regierung dagegen etwas unternehmen will. Weniger verständlich, dass die Alkoholindustrie diesen Versuch aus Angst um ihre Gewinne torpedieren will.

Informationsquelle
Our opposition to minimum pricing – SWA
‘Euro laws would put SNP’s booze fight on a knife edge’ – The Scotsman