Direkt zum Hauptbereich

Vatikan hat es eilig mit der Segnung von Putschisten

Vor kurzem wurde in Paraguay der Staatspräsident, Fernando Lugo,  in einem Amtsenthebungs-Verfahren abgesetzt. Die Internet-Seite "El Ciudadano" beschreibt die Situation wie folgt: "Die Mehrheit der südamerikanischen Staaten hat den zivilen Staatsstreich in Paraguay, mit dem der amtierende Präsident pauschal und ohne dass er die Möglichkeit hatte sich zu verteidigen, verurteilt und den Vizepräsidenten Frederico Franco, der anstelle von Lugo als Präsident installiert wurde, nicht anerkannt. Wer es aber eilig hatte, war der Vatikan, der die neue Regierung von Frederico Franco sofort anerkannte. Während Abgeordnete und Senatoren der Opposition das Politgericht über Lugo veranstalteten, sprachen sich die katholischen Bischöfe bereits für die Absetzung des legitim vom Volk gewählten Präsidenten aus."

Die Verlautbarung der paraguayanischen Bischofskonferenz vom 21. Juni ist insofern an Heuchelei und hinterhältiger Frömmelei nicht zu übertreffen. Sie wendet sich an die Vertreter des Staates und der Gesellschaft und ermahnt diese, dass angesichts der politischen Krise des Landes der Friede und die Rettung des menschlichen Lebens oberste Priorität besäßen. Dann wird sie zum Verfahren der Absetzung des Präsidenten konkreter: "Die Entscheidung des Nationalkongresses ein politisches Verfahren gegen den Präsidenten der Republik, Herrn Fernando Lugo, zu beginnen und von diesem, sich dem verfassungsrechtlichen Verfahren zu unterwerfen, setzt ein institutionelles Verfahren in Gang, der sich im Rahmen der Normalität und uneingeschränkten Respekts gegenüber der Verfassung und den Menschenrechten abspielen". Es folgt ein Aufruf an das Volk und die Medien angesichts der politischen Krise die Ruhe zu bewahren unter dem Hinweis, dass alles ganz gesetzmässig ablaufe. Kurz bevor das Parlament und Senat die Amtsenthebung beschlossen, erschien eine Abordnung der Bischöfe beim amtierenden Staatspräsidenten und erklärten ihm, dass es mit seiner Amtszeit vorbei sei. Gegenüber der Öffentlichkeit hüllten sie sich über das Gespräch in Schweigen bis auf Bischof Claudio Giménez, der nach Ansicht von Journalisten dabei "ohne rot zu werden" erklärte, dass man Lugo aufgefordert habe zurück zu treten, um Unruhen zu vermeiden. Dann schließt sich der übliche Sermon an, mit dem man unsaubere Aktionen zu vertuschen sucht: "Die Bischöfe beten für den Frieden und laden alle Pfarrgemeinden zu eine Gebetskette für das Vaterland ein, dam der HERR, der Allmächtige in Liebe und Mitgefühl Paraguay segne". Auch die Heiligste Jungfrau Maria blieb nicht ungeschont, sie wurde angefleht ihren mütterlichen Schutz zu gewähren.


Der Vatikan soll nie verwunden haben, dass Fernando Lugo als Bischof zurückgetreten war und sich als Präsidentschaftskandidat einer Bewegung aus sozialen Bewegungen, linken Parteien und Landarbeiter aufstellen ließ. Zudem ließ er Sympathien für den venezolanischen Präsidenten Chávez erkennen, ein echte Sünde in den Augen der katholischen Kirche in Paraguay. Der Journalist Alberto Boccia erklärt das so: "Die paraguayanischen Priester stammen aus der hintersten konservativen Ecke. Lugo war einer der drei fortschrittlichen Bischöfe des Landes. Der Rest beobachtete mit Kummer den Prozess Richtung Sozialismus, den Lugo anführte".


Ein Kenner der Situation des Landes schreibt: "Die Pfarrer sind es in diesem Land gewöhnt Politik unter Missachtung der Verfassung und der Gesetze zu machen und der Nuntius des Vatikan mischt sich in die paraguayanische Politik ein wann und wie es ihm auch immer gefällt. Das interessiert bis auf einige wenige niemanden und dafür wird er weder kritisiert noch verurteilt."




Informationsquelle
Iglesia Católica de Paraguay exigió renuncia de Lugo - UPI
LAS RELACIONES IGLESIAS/ESTADO SEGÚN LA CONSTITUCIÓN
Senado halla culpable y destituye de la presidencia a Fernando Lugo
La Iglesia Católica y el golpe en Paraguay - El Ciudadano

Beliebte Beiträge

Aufs falsche Pferd gesetzt: Eukalyptus in Galicien

Wer den Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela wandert kommt an Wälder vorbei, die so gar nicht in diese Landschaft passen. Es sind Eukalyptus Plantagen,  die dieser doch wasserreichen und sehr grünen Landschaft in weiten Bereichen einen desolaten Aspekt geben. 
Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben.  Die Zellulosefabrik ENCE in der Nähe der Stadt Pontevedra erhielt weitreichende Anbau-Konzessionen. Im letzten Jahr wurden die Konzessionen für das Unternehmen um 60 Jahre verlängert und gleichzeitig die Produktionserlaubnis für ein Biomasse Kraftwerk erweitert. 
Der Blogger "Mendigo" gibt dem Protest dagegen eine wütende Stimme:
Sind unsere Mülldeponien ein riesiges Problem? Einige Betroffene Hektar Land in Galicien? Das ist kompletter Unsinn! Auf …

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…