Sonntag, 1. Juli 2012

Vatikan hat es eilig mit der Segnung von Putschisten

Vor kurzem wurde in Paraguay der Staatspräsident, Fernando Lugo,  in einem Amtsenthebungs-Verfahren abgesetzt. Die Internet-Seite "El Ciudadano" beschreibt die Situation wie folgt: "Die Mehrheit der südamerikanischen Staaten hat den zivilen Staatsstreich in Paraguay, mit dem der amtierende Präsident pauschal und ohne dass er die Möglichkeit hatte sich zu verteidigen, verurteilt und den Vizepräsidenten Frederico Franco, der anstelle von Lugo als Präsident installiert wurde, nicht anerkannt. Wer es aber eilig hatte, war der Vatikan, der die neue Regierung von Frederico Franco sofort anerkannte. Während Abgeordnete und Senatoren der Opposition das Politgericht über Lugo veranstalteten, sprachen sich die katholischen Bischöfe bereits für die Absetzung des legitim vom Volk gewählten Präsidenten aus."

Die Verlautbarung der paraguayanischen Bischofskonferenz vom 21. Juni ist insofern an Heuchelei und hinterhältiger Frömmelei nicht zu übertreffen. Sie wendet sich an die Vertreter des Staates und der Gesellschaft und ermahnt diese, dass angesichts der politischen Krise des Landes der Friede und die Rettung des menschlichen Lebens oberste Priorität besäßen. Dann wird sie zum Verfahren der Absetzung des Präsidenten konkreter: "Die Entscheidung des Nationalkongresses ein politisches Verfahren gegen den Präsidenten der Republik, Herrn Fernando Lugo, zu beginnen und von diesem, sich dem verfassungsrechtlichen Verfahren zu unterwerfen, setzt ein institutionelles Verfahren in Gang, der sich im Rahmen der Normalität und uneingeschränkten Respekts gegenüber der Verfassung und den Menschenrechten abspielen". Es folgt ein Aufruf an das Volk und die Medien angesichts der politischen Krise die Ruhe zu bewahren unter dem Hinweis, dass alles ganz gesetzmässig ablaufe. Kurz bevor das Parlament und Senat die Amtsenthebung beschlossen, erschien eine Abordnung der Bischöfe beim amtierenden Staatspräsidenten und erklärten ihm, dass es mit seiner Amtszeit vorbei sei. Gegenüber der Öffentlichkeit hüllten sie sich über das Gespräch in Schweigen bis auf Bischof Claudio Giménez, der nach Ansicht von Journalisten dabei "ohne rot zu werden" erklärte, dass man Lugo aufgefordert habe zurück zu treten, um Unruhen zu vermeiden. Dann schließt sich der übliche Sermon an, mit dem man unsaubere Aktionen zu vertuschen sucht: "Die Bischöfe beten für den Frieden und laden alle Pfarrgemeinden zu eine Gebetskette für das Vaterland ein, dam der HERR, der Allmächtige in Liebe und Mitgefühl Paraguay segne". Auch die Heiligste Jungfrau Maria blieb nicht ungeschont, sie wurde angefleht ihren mütterlichen Schutz zu gewähren.


Der Vatikan soll nie verwunden haben, dass Fernando Lugo als Bischof zurückgetreten war und sich als Präsidentschaftskandidat einer Bewegung aus sozialen Bewegungen, linken Parteien und Landarbeiter aufstellen ließ. Zudem ließ er Sympathien für den venezolanischen Präsidenten Chávez erkennen, ein echte Sünde in den Augen der katholischen Kirche in Paraguay. Der Journalist Alberto Boccia erklärt das so: "Die paraguayanischen Priester stammen aus der hintersten konservativen Ecke. Lugo war einer der drei fortschrittlichen Bischöfe des Landes. Der Rest beobachtete mit Kummer den Prozess Richtung Sozialismus, den Lugo anführte".


Ein Kenner der Situation des Landes schreibt: "Die Pfarrer sind es in diesem Land gewöhnt Politik unter Missachtung der Verfassung und der Gesetze zu machen und der Nuntius des Vatikan mischt sich in die paraguayanische Politik ein wann und wie es ihm auch immer gefällt. Das interessiert bis auf einige wenige niemanden und dafür wird er weder kritisiert noch verurteilt."




Informationsquelle
Iglesia Católica de Paraguay exigió renuncia de Lugo - UPI
LAS RELACIONES IGLESIAS/ESTADO SEGÚN LA CONSTITUCIÓN
Senado halla culpable y destituye de la presidencia a Fernando Lugo
La Iglesia Católica y el golpe en Paraguay - El Ciudadano