Direkt zum Hauptbereich

El Energiewende hat keine Chance bei dieser spanischen Regierung


In Spanien gibt es einen neuen Begriff, der aus der deutschen Sprache kommt: "El Energiewende". Die abrupte Abwendung Deutschlands von der Atomenergie hat ihre Spuren in der europäischen Energiediskussion hinterlassen. Das einzige größere Land Europas, das bisher die Energiewende wagt, ist Deutschland. Deshalb ist der Begriff nun auch für unsere europäischen Nachbarn deutsch geprägt. Die Spanier schweben bezüglich der Energiewende zwischen Bewunderung und Kritik, wobei die Bewunderer eher in der Mehrheit sind.


Nicht so bei der spanischen Regierung. Seit die Konservativen im vergangenen Herbst die Macht übernommen haben, wird gekürzt, im Energiebereich vor allem bei den Erneuerbaren Energien. Spanien, das Land der vielen Arbeitslosen, verabschiedet sich damit von einer Industrie, die die dringend benötigten Arbeitsplätze schaffen würde. Die Regierung wird ab Januar 2013 die Förderung der Erneuerbaren Energien vollständig einstellen. Sie bezeichnet dies zwar als Moratorium, aber keiner weiß wie lange das dauern soll. Die Zeitung La Vanguardia schreibt dazu: "Dies ist die Geschichte einer seltsamen Reise: Von der Euphorie in den Abgrund im rasenden Tempo. Spanien ist im Begriff einen kafkaesken Kreis zu schließen, denn von einem internationalen Referenzpunkt im Bereich der sauberen Energien wird es in die Geschichte eingehen als ein Land, das all diese Fortschritte über Bord geworfen hat. Sogar US-Präsident Obama lobte Spaniens System von Ökozuschlägen, die die Konsumenten mit der Stromrechnung zahlen müssen, um so die Vorteile für die Umwelt, die diese Energien mit sich bringen, zu kompensieren."


Nach Meinung des Geschäftsführer des Vereins für Windenergie in Katalonien wird es im Bereich der Windenergie einen vollständiger Stopp bei den Investitionen geben. Projektbüros werden geschlossen und wenn die Firmen können, gehen sie ins Ausland. Die Firma Gamesa baut jetzt ihre Windräder in Brasilien und anderen Ländern Südamerikas. Die Produzenten von Windkraftanlagen beginnen ihre Betriebe in Spanien zu schliessen, weil ein Export ihrer Geräte nicht möglich ist, da die ausländischen Märkte für die Ausschreibungen eine Präsenz im eigenen Land fordern. Gleichzeitig können Forschung und Entwicklung nicht mehr finanziert werden und es ist zu befürchten, dass sie ganz eingestellt werden.


Die Fotovoltaik siecht in Spanien schon des längeren dahin. Die Förderung ist bereits von der Vorgängerregierung gekürzt worden, so dass die Investitionen inzwischen fast völlig zum Erliegen gekommen sind, obwohl Spanien ein großes Potential in diesem Bereich hätte. In Deutschland wurden zwischen 2010 und 2011 24-mal mehr Fotovoltaik installiert wie in Spanien (14.906 MW gegenüber 628 MW), obwohl Deutschland mit wesentlich weniger Sonne rechnen kann wie Spanien. Der spanische Markt entwickelt sich gegen die allgemeine Tendenz. Während weltweit die installierte Leistung um 94% gestiegen ist, ist sie in Spanien immer mehr abgesunken. Und dies, obwohl die Kosten für die Beschaffung von Fotovoltaik-Anlagen in den letzten 4 Jahren um 70%und bei Windanlagen um 10% gesunken sind.
Auch bei den Thermosolaranlagen, wo Spanien bisher Weltmarktführer ist, sieht die Zukunft düster aus. Zur Zeit gibt es 35 Anlagen mit einer Leistung von 1.581 MW und 25 weitere sind soweit fortgeschritten, dass sie die Förderung noch bekommen können. Dann herrscht allerdings für die Zukunft Ungewissheit. Der Unternehmer Luis Crespo, Generalsekretär von Protesermosolar meint dazu: "Es gibt Unsicherheit, was passiert, wenn diese 60 Anlagen fertig sind. Wir haben keine Perspektive in Spanien." Dabei werden bei der Planung und Ausführung von Thermosolaranlagen etwa 2.300 Personen beschäftigt. Beim Betrieb sind es etwa 50 Personen.
Die Regierung begründet die Einstellung der Förderung damit, dass die Elektrizitätsrechnung zu hoch ist. Für den Vertreter der Stiftung Erneuerbare (Fundación Renovable) ist dies ein VorwandEr führt die hohen Elektrizitätspreise auf eine verfehlte Energiepolitik und entsprechende Abkommen der Regierung mit den Elektrizitätsunternehmen zurück. Spaniens hohe Stromkosten seien auf die hohe Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Ausland zurückzuführen. Es gäbe eine Überkapazität bei fallender Nachfrage. "Die schlechte Regulierung hat das spanische Elektrizitätssystem mit fixen Kosten belastet, das heißt, dass man für verschiedene Sektoren wie Kohle, Gas und andere Energiearten Kompensationen gewährte, die die Strompreise dann ins unermessliche steigen ließen", erklärt Garcia Breva von der Stiftung. Das spanische Energiesystem sei ineffizient, es verbrauche 24% mehr Energie als der Durchschnitt der EU, um die gleiche Einheit an Reichtum herzustellen.

Die EU-Kommission findet diese Art Energiepolitik nicht gut. Sie tadelt die Einstellung der Unterstützung der Erneuerbaren Energien in der Erkenntnis, dass Spanien auf diese Art nie eine Reduzierung seiner Kohlendioxid-Emissionen erreichen wird, obwohl sowohl Spanien wie auch die EU sich dazu verpflichtet haben. Und auch die EU vertritt die Meinung, dass die hohen Strompreise durch die gewaltigen Gewinne der Atomkraftwerksbetreiber und Wasserkraftwerke entstanden sind und nicht durch die Erneuerbaren.


Siehe auch:
Spanische Umweltpolitik von Blindheit geschlagen



Informationsquelle

Beliebte Beiträge

Gibraltar, Ostereier und des britischen Patrioten kriegerischer Abgang aus Europa

Scheinbar hat die britische Regierung bei ihrem nun formell erklärten Abgang aus der EU Gibraltar vergessen, genauso wie sie sich bisher wenig Gedanken um Nordirland und Schottland gemacht hat. Gibraltar, der kleine Felsen in Südspanien, der stolz für die kümmerlichen Reste des britischen Reiches steht. Richard Murphy, anerkannter Finanzfachmann, schreibt auf seinem Blog “Tax Research UK”, was er von dieser seltsamen Kolonie hält:

“Gibralter ist ein Außenposten einer Zeit, die immer noch in Köpfen ähnlich denen von William Hague existiert. Es ist ein Überbleibsel aus der Zeit des Empire und des Kolonialismus, das keinen Platz in einem modernen Europa hat, in welchem das Vereinigte Königreich (UK) offensichtlich nicht Teil sein will. Es wurde geschaffen als Steueroase und ist ein Zentrum für Offshore-Wettbüros. Das Erste ist ein Versuch zur Unterminierung der globalen Wirtschaft und der legitimen Steuereinkommen demokratisch gewählter Regierungen. Das Zweite ist verbunden m…

Eine Autobahn durch die Karpaten, das wünschen sich viele

Rumänien hat eine neue Regierung und wieder einmal verspricht diese der Bevölkerung endlich die seit langem gewünschten Autobahnen zu bauen. Unter anderem steht die Karpatenquerung zwischen Kronstadt / Brasov über Comarnic nach Bukarest an oberster Stelle der Prioritätenliste. Comarnic ist eine Kleinstadt am Südrand der Karpaten, während Kronstadt in Siebenbürgen am nördlichen Karpatenrand liegt.

Wer gerne wissen möchte, wie zur Zeit die Situation auf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Siebenbürgen und dem südlichen Rumänien aussieht, dem sei der nachstehende Artikel in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien empfohlen:

Das Programm der Sozialdemokratischen Partei (PSD), die in Allianz mit ALDE die neue Regierung stellt, nachdem sie vom Parlament und Staatspräsident Klaus Johannis eingesetzt wurde, sieht die Gründung eines eigenstaatlichen Fonds für Investitionen und Entwicklung (Fondul Suveran de Investiţii şi Dezvoltare) in Höhe von zehn Milliarden Euro für d…

Brasilianer erfahren, dass ihnen Gammelfleisch serviert wird

Gestern hat die brasilianische Bundespolizei unter dem  Decknamen “Operation schwaches Fleisch” (Operação Carne Fraca) eine Razzia in mehreren Bundesstaaten gestartet. Ziele waren die Fleischfabriken von JBS (Friboi), BRF (Sadia/Perdigão) und Seara. JBS gehört zu den weltweit größten Lebensmittelkonzernen, BRF wird zu den 50 wertvollsten Unternehmen Brasiliens gezählt und Seara war einer der offiziellen Sponsoren der Fußball-WM 2014.

Nach Mitteilung der Bundespolizei haben lokale Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft die Unternehmen bevorteilt zu Lasten des öffentlichen Interesses. Die beschuldigten Beamten und Politiker hätten ihre Ämter genutzt, um gegen Bestechung falsch deklarierte Lebensmittel mittels der Herausgabe von Unbedenklichkeitszertifikaten zu ermöglichen, ohne dass die Qualität der Produkte tatsächlich überprüft wurde. Mit diesen gefälschten Zertifikaten verkauften laut Bundespolizei die genannten Unternehmen Fleisch, dessen G…

Rumäniens erfinderische Polit-Gauner

Rumäniens sozialdemokratische Partei (PSD), Wahlsiegerin bei den letzten Wahlen, testet einen neuen Holzweg. Da einige ihre Mitglieder keine saubere Westen haben und in Korruptionsverfahren stecken oder schon verurteilt sind, haben sie darüber nachgedacht wie man den lästigen Korruptionsparagraphen im Strafgesetzbuch die Schärfe nehmen könnte. Der neue Ministerpräsident hat deshalb in einer Notverordnung (!) festgelegt, dass eine Bestechung bis zur Höhe von 45.000 Euro nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Die Notverordnung muss noch im Gesetzblatt veröffentlicht werden.

Das war vielen Rumänen nun doch ein Stück zu dick. Die Straßenproteste, an denen sich Staatspräsident Johannis beteiligte, nehmen zu und es zeichnet sich ab, dass die Notverordnung nicht so einfach durchkommen wird. Inzwischen hat auch die EU aufgemerkt, denn Rumänien steht immer noch in einem Monitoring-Verfahren bezüglich des Kampfes gegen die Korruption. Die Demonstranten haben also …

WM 2014 im brasilianischen Hinterland: Der Spaß ist vorbei, der Ärger bleibt

Die FIFA WM 2014 ist Sportgeschichte. Was bleibt sind die Trümmer in finanzieller und tatsächlicher Art. Im Februar 2014 hatte ich einen Beitrag über den WM-Ort Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas, geschrieben. Unter anderem habe ich dazu ausgeführt:
Für die 4 Spiele wurde ein neues Stadion gebaut, die Arena Amazonia. Ein bereits existierendes älteres Stadion wurde abgerissen, weil es den Anforderungen der FIFA nicht genügte. Den brasilianischen Staat kostete das 600 Millionen Real (etwa 187 Millionen Euro) und keiner weiß, was man nach den 4 Spielen mit dem Stadion anfangen soll. In diesem Zusammenhang wurde auch der Flughafen ausgebaut, für den eine große unter Naturschutz stehende Fläche entwaldet und ein Fluss unterirdisch verlegt wurde.  Für den Bau des Stadions starben 4 Bauarbeiter. Gegen das ausführende Bauunternehmen läuft seit einiger Zeit ein Schadensersatzprozess. 

Die Sportausgabe der Zeitung “O Estado de São Paulo” (Estadão) hat s…

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in…