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Das Gottesvolk am Amazonas zieht Bilanz und sieht schwarz

Anfang Juli haben sich die katholischen Bischöfe des brasilianischen Amazonasgebietes in der Stadt Santarém getroffen, um des 40-jährigen Jubiläum der ersten Bischofskonferenz in derselben Stadt zu gedenken. Die Bischöfe haben eine Bilanz über die seither eingetretenen Veränderungen gezogen und diese in einem Hirtenbrief an das “Gottesvolk” des Amazonas weitergegeben. Nachstehend in Auszügen ihre Schlussfolgerungen zum Stand der gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Situation der Amazonas-Region:

“Wir stellen Fortschritte im sozialen und politischen Bereich fest, mit neuen Beteiligungsorganen, Räten für die öffentliche Politik, Teilnahme an Kampagnen für gerechtere Gesetze, Erweiterung des Bewusstseins und des Eintretens für die ökologische Frage. Auf wirtschaftlichem Gebiet wächst der Konsum und die Kaufkraft, auch wenn diese nicht immer zur Erhöhung der Lebensqualität beiträgt. Das Leben in Amazonien ist weiterhin schwer.

Die Entscheidungen über die Entwicklung Amazoniens kommen immer von außen und dienen ausschließlich der Ausbeutung seiner Naturschätze. Dabei werden die legitimen Erwartungen der Völker dieser Region auf eine gerechte soziale Justiz oft nicht berücksichtigt. …… Wie vor 40 Jahre ist Amazonien weiterhin eine “Kolonie” obwohl es mehr als die Hälfte des nationalen Territoriums (Brasiliens) ausmacht. Für die Metropolen – Brasilia oder den Südosten und Süden des Landes – hat die Region nur den Status einer “Provinz”, als erstes die Provinz des Holzeinschlags und des Bergbaus, danach die letzte Landwirtschaftsgrenze mit dem Ziel der Ausweitung der Agrarindustrie bis an das Ende dieses verletzlichen und komplexen Ökosystems, das einzigartig auf unserem Planeten ist. Seit einigen Jahren bekommt die “Provinz” ein Ausbeutungsziel mehr aufgeklebt. Ein Ziel das noch desaströser ist, da es eine programmierte Zerstörung bedeutet, wenn man die große Anzahl der projektierten Wasserkraftwerke für die kommenden Jahre betrachtet: Amazonien wird zur “energetischen Provinz” des Landes erklärt. Unter dem Vorwand der Erzeugung “sauberer Energie” wird die Wahrheit, dass die Wälder, ganze Landstriche und auch städtische Siedlungen überschwemmt und im Wasser verschwinden werden, vertuscht. Tausende von Familien werden vom Land ihrer Ahnen vertrieben, noch mehr Indio-Dörfer werden direkt betroffen, es gibt mehr künstliche Seen, Sumpf und Tod produzierende tödliche Gase und sie werden zur eigentlichen Brutstätte von Seuchen und endemischen Erkrankungen.

Die Geschichte Amazoniens zeigt, dass immer eine Minderheit die Region auf Kosten der Armut der Mehrheit ausbeutete und von der skrupellosen Plünderung der Naturschätze lebt, die eigentlich ein göttliches Geschenk für die Völker sind, die hier seit tausenden Jahren leben und der Einwanderer, die im Laufe der letzten Jahrhunderte hierher gekommen sind.”

Der Rechenschaftsbericht der Bischöfe könnte nicht vernichtender sein. Sie sind der Ansicht, dass in den vergangenen 40 Jahren seit der ersten Konferenz in Santarém sich nicht viel gebessert hat. Die entwickelte Welt treibe weiter ihr Schindluder mit dieser doch für den ganzen Planeten, aber noch mehr für seine Bewohner so wertvollen Region. Als großes Verdienst rechnen sich die Bischöfe und die Gläubigen an, ein Bewusstsein für die indigenen Völker am Amazonas geschaffen zu haben. Dies habe geholfen, dass die Interessen dieser Völker nicht mehr einfach ignoriert werden konnten.

Informationsquelle:
Carta dos bispos ao Povo de Deus na Amazônia

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