Direkt zum Hauptbereich

Spanien lässt seine Jugend im Stich

Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien war schon immer hoch, aber mit der Wirtschaftskrise ist sie geradezu explodiert. Innerhalb der Europäischen Union liegt Spanien mit einer derzeitigen Rate von über 40% auf einem der letzten Ränge. Dies ist mehr als das Doppelte des EU-Durchschnitts. Die Zeitung El Pais gibt den Jugendlichen ein Forum, auf dem sie ihren Frust los werden können und es ist interessant, was sie so zu sagen haben.

Rosalia, 27 Jahre alt, schreibt unter dem Titel "Komm nach Deutschland, Pepe!", dass sie im Moment als einzige Lösung ihrer Probleme die Auswanderung sieht. Sie hat viel studiert und ist gut ausgebildet, aber sie bekommt keine Arbeit. Die spanische Gesellschaft sei immer der Ansicht gewesen, wer gut studiert, werde auch die Belohnung bekommen. Aber alle Aussichten auf Belohnung seien verpufft und was übrig bliebe, wäre nur der billige Trost, man solle nicht den Mut verlieren. Die spanischen Politiker und die Wirtschaft seien an ihnen völlig desinteressiert. Lange Zeit habe man die Jugend geradezu auf die Universitäten getrieben und heute ist es in Spanien kein Problem, jemanden mit abgeschlossenen Studium zu bekommen, aber Handwerker wären Mangelware. Sie berichtet, dass schon ihre Lehrerin am Gymnasium gesagt habe: "Kinder, wenn ihr Arbeit haben wollt, dann seit ihr auf der falschen Schule, ihr solltet auf die Berufsschule gehen, denn auf den Spengler muss ich warten, aber wenn ich einen arbeitslosen Universitätsabsolventen brauche, dann steht gleich einer vor der Tür". Rosalia fährt fort: "Wir werden für eine Arbeit kämpfen, bei der wir unser Gehirn nutzen können und das Wissen, das wir in vielen Jahren gelernt haben. Ich weigere mich, mein Gehirn in den Abfalleimer zu schmeissen. Also bleibt nur noch übrig, dass ich gehe, weit weg von meiner Heimat, meiner Familie und meinen Wurzeln. Ich werde gehen und die Reise vieler Spanier machen, die auf der Suche nach einem besseren Leben gegangen sind. Sie haben ihr Dorf und das Elend verlassen, um etwas essen zu könen. Ich flüchte ebenso vor diesem Elend und vor dem menschlichen Interessenlosigkeit jener, die wenn sie ins Parlament  gehen, nichts tun, damit die Jugendlichen ihres Landes ein würdiges Leben führen können".

Eine andere Jugendliche, Rocío, berichtet unter dem Titel: "Wenn Spanien von mir nichts wissen will, will ich auch von ihm nichts wissen": "Vergangene Woche versuchte ich über die Arbeitsplatzbörse meiner Gemeinde einen Ausbildungsvertrag zur Verwaltungsangestellten zu bekommen. Der Mann, der mich bediente, erklärte mir, dass ich für den Arbeitsplatz "überqualifiziert" sei, ich solle meinen Lebenslauf dergestalt ändern, dass ich mein Studium darin streiche und nur die Tätigkeiten anführen solle, die ich zeitlich befristet ausgeübt hätte wie Zimmermädchen, Telefonvermittlung, Hostess....... Ich begann meinen Lebenslauf mit Tränen in den Augen zu ändern und ich hatte das Gefühl, dass ich alle Verdienste, die ich erworben hatte und nun mit der Taste "Entfernen" wegradierte, auch aus meinem Leben radierte, aus meinen Sehnsüchten und Träumen". Sie fügt hinzu: "Wisst ihr, was mir jetzt meine Eltern sagen? "Wenn wir in deinem Alter wären, wir würden auch gehen"".

Noch eine kleine Auswahl weiterer Stimmen:
Laura schreibt: "In meinem Land fühle ich mich klein, unbedeutend. Mein Universitätstitel bedeutet nicht. Man behandelt mich nicht mit Respekt und ich werde nie einen würdigen Arbeitsplatz haben, noch genug verdienen, um unabhängig zu leben oder Kinder zu haben". Sie ist in die Niederlande ausgewandert und meint dazu: "Ich bin 31 Jahre alt und ich bereichere im wissenschaftlichen Bereich ein Land, das nicht das meine ist. Ich bin eines von diesen Gehirnen, die aus Spanien flüchten...."

Unter den Titel "Der Letze macht das Licht aus" schreibt ein 32-Jähriger: "Ich bin ein Wirtschaftsflüchlting seit 8 Jahren und ich bin sicher, dass ich das auch für den Recht meines Lebens bleiben werde".

Und wenn sie eine Arbeit haben, ist sie so schlecht bezahlt, dass die Jugendlichen davon nicht leben können. Elena, 29, berichtet: "Ohne die Hilfe meiner Eltern schaffe ich es nicht bis zum Ende des Monats."

Siehe auch Blogbeitrag: Jeder dritte Journalist in Cádiz ist Mileurista

Informationsquelle: El Pais, PREparados

Beliebte Beiträge

Gibraltar, Ostereier und des britischen Patrioten kriegerischer Abgang aus Europa

Scheinbar hat die britische Regierung bei ihrem nun formell erklärten Abgang aus der EU Gibraltar vergessen, genauso wie sie sich bisher wenig Gedanken um Nordirland und Schottland gemacht hat. Gibraltar, der kleine Felsen in Südspanien, der stolz für die kümmerlichen Reste des britischen Reiches steht. Richard Murphy, anerkannter Finanzfachmann, schreibt auf seinem Blog “Tax Research UK”, was er von dieser seltsamen Kolonie hält:

“Gibralter ist ein Außenposten einer Zeit, die immer noch in Köpfen ähnlich denen von William Hague existiert. Es ist ein Überbleibsel aus der Zeit des Empire und des Kolonialismus, das keinen Platz in einem modernen Europa hat, in welchem das Vereinigte Königreich (UK) offensichtlich nicht Teil sein will. Es wurde geschaffen als Steueroase und ist ein Zentrum für Offshore-Wettbüros. Das Erste ist ein Versuch zur Unterminierung der globalen Wirtschaft und der legitimen Steuereinkommen demokratisch gewählter Regierungen. Das Zweite ist verbunden m…

Rumänien und die Europäische Union

Rumänien ist jetzt seit 10 Jahren Mitglied der Europäischen Union. Der Journalist und Politikwissenschaftler Cristian Preda hat auf der Webseite der Zeitung "Adevarul" unter dem Titel "Rumänien in der EU: Ein Jahrzehnt, drei Herausforderungen" eine Zusammenfassung des bisher Erreichten geschrieben, die ich anliegend in Auszügen wiedergebe:

Wir sind jetzt schon 10 Jahre in der Europäischen Union. Die wirtschaftliche Bilanz ist positiv: Das Bruttosozialprodukt hat sich verdoppelt, der Durchschnittslohn ist um 66% gestiegen, wir haben etwa 25 Milliarden Euro an Hilfen erhalten. Politisch stehen wir nicht so gut da. 

Ich gehe hier auf 3 Punkte ein.

Der erste Punkt ist der "Mechanismus der  Zusammenarbeit und Verifizierung" (MCV). Er wurde als Kompromiss eingerichtet, damit wir am 1. Januar 2007 der EU beitreten konnten. Bei diesem Mechanismus MCV ging es um das Funktionieren der Justiz. Im Lauf der 10 Jahre haben nur wenige geglaubt, dass die Reform dieses Bere…

Eine Autobahn durch die Karpaten, das wünschen sich viele

Rumänien hat eine neue Regierung und wieder einmal verspricht diese der Bevölkerung endlich die seit langem gewünschten Autobahnen zu bauen. Unter anderem steht die Karpatenquerung zwischen Kronstadt / Brasov über Comarnic nach Bukarest an oberster Stelle der Prioritätenliste. Comarnic ist eine Kleinstadt am Südrand der Karpaten, während Kronstadt in Siebenbürgen am nördlichen Karpatenrand liegt.

Wer gerne wissen möchte, wie zur Zeit die Situation auf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Siebenbürgen und dem südlichen Rumänien aussieht, dem sei der nachstehende Artikel in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien empfohlen:

Das Programm der Sozialdemokratischen Partei (PSD), die in Allianz mit ALDE die neue Regierung stellt, nachdem sie vom Parlament und Staatspräsident Klaus Johannis eingesetzt wurde, sieht die Gründung eines eigenstaatlichen Fonds für Investitionen und Entwicklung (Fondul Suveran de Investiţii şi Dezvoltare) in Höhe von zehn Milliarden Euro für d…

Brasilianer erfahren, dass ihnen Gammelfleisch serviert wird

Gestern hat die brasilianische Bundespolizei unter dem  Decknamen “Operation schwaches Fleisch” (Operação Carne Fraca) eine Razzia in mehreren Bundesstaaten gestartet. Ziele waren die Fleischfabriken von JBS (Friboi), BRF (Sadia/Perdigão) und Seara. JBS gehört zu den weltweit größten Lebensmittelkonzernen, BRF wird zu den 50 wertvollsten Unternehmen Brasiliens gezählt und Seara war einer der offiziellen Sponsoren der Fußball-WM 2014.

Nach Mitteilung der Bundespolizei haben lokale Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft die Unternehmen bevorteilt zu Lasten des öffentlichen Interesses. Die beschuldigten Beamten und Politiker hätten ihre Ämter genutzt, um gegen Bestechung falsch deklarierte Lebensmittel mittels der Herausgabe von Unbedenklichkeitszertifikaten zu ermöglichen, ohne dass die Qualität der Produkte tatsächlich überprüft wurde. Mit diesen gefälschten Zertifikaten verkauften laut Bundespolizei die genannten Unternehmen Fleisch, dessen G…

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in…

Rumäniens erfinderische Polit-Gauner

Rumäniens sozialdemokratische Partei (PSD), Wahlsiegerin bei den letzten Wahlen, testet einen neuen Holzweg. Da einige ihre Mitglieder keine saubere Westen haben und in Korruptionsverfahren stecken oder schon verurteilt sind, haben sie darüber nachgedacht wie man den lästigen Korruptionsparagraphen im Strafgesetzbuch die Schärfe nehmen könnte. Der neue Ministerpräsident hat deshalb in einer Notverordnung (!) festgelegt, dass eine Bestechung bis zur Höhe von 45.000 Euro nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Die Notverordnung muss noch im Gesetzblatt veröffentlicht werden.

Das war vielen Rumänen nun doch ein Stück zu dick. Die Straßenproteste, an denen sich Staatspräsident Johannis beteiligte, nehmen zu und es zeichnet sich ab, dass die Notverordnung nicht so einfach durchkommen wird. Inzwischen hat auch die EU aufgemerkt, denn Rumänien steht immer noch in einem Monitoring-Verfahren bezüglich des Kampfes gegen die Korruption. Die Demonstranten haben also …