Mittwoch, 8. September 2010

Hassprediger hält die spanische Gesellschaft für dekadent und krank

"Spanien hat eine Gesellschaft mit mehreren Millionen Arbeitslosen, sie tötet vorsätzlich und systematisch seine unschuldigsten Kinder, führt die Jusitz nach den politischen Farben, lügt schamlos auch auf der höchsten Ebene, verletzt die noch die heiligsten Verträge und verwandelt die Schule in ein ideologisches Instrument. Sie fördert den Hass und die Konfrontation zwischen ihren Mitgliedern, verhindert die freie Religionsausübung, zerstört die Unschuld der Kinder schon im frühesten Alter, hetzt die Jugend auf, benutzt die Politik als Trampolin für persönliche Bereicherung, in einem Wort eine zerstrittente Gesellschaft in ihren grundlegenden Strukturen und brüchig in ihrem Fundament. Es ist eine dekadente und äusserst kranke Gesellschaft."

Diese Worte kommen von keinem islamischen Hassprediger, sondern von seiner Heiligkeit, dem Erzbischof von Burgos, Monsignore Gil Hellín. Aus Burgos, der düstersten Stadt der spanischen Inquisition und des Franco-Terrors kann wohl auch nichts anderes kommen, ausser ein reaktionäres Geschwätz von diesem Ausmass. Gregorio Peces-Barba, einer der Väter der spanischen Verfassung, schreibt dazu in einem Kommentar: "In eine Beschimpfung ohnegleichen hat der Prälat von Burgos und Mitglied des Opus Dei, Gil Hellín, ohne Intelligenz und Vernunft gegen das Gesetz über die sexuelle Gesundheit und Reproduktion und freiwilligen Schangerschaftsabbruch hergezogen. Derr Erzbischof ist nicht mehr im Einklang mit seiner Zeit und predigt mit der Anmaßung einer einzigen und widerspruchsfreien Warheit, die es nicht mehr gibt. Seine juristischen Argumente zur Rechtswidrigkeit des Gesetzes sind mittelalterlich und zeigen zudem ein selektives Erinnerungsvermögen. Da passt die Proklamierung des Militäraufstandes gegen die legitime Regierung der Republik als Kreuzzug nicht hinein und auch nicht das Schweigen seiner Kollegen in den vierziger Jahren gegenüber den repressiven Grausamkeiten des Franquismus. Mehr Diskretion, mehr Demut und weniger Allmachtsposen ist den Kirchenfürsten zu empfehlen, da sie sich sonst in einer pluralen und laizistischen Welt lächerlich machen".

Das Rezept des Erzbischofs: "Was wir jetzt in Spanien mit absoluter Dringlichkeit brauchen, ist die Rückkehr zu Gott. Um es klar zu sagen: Wir müssen uns als Sünder bekennen, Verzeihung erbitten und wieder den Weg des Guten und der Wahrheit betreten".

Die Erkenntnis: Spanien als Domäne des katholischen Machtapparats muss wieder zurückerobert werden. Man möchte fast hinzufügen, notfalls mit Gewalt. Man darf sich gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn diese Diener Gottes wieder das Leben in Spanien bestimmen könnten.

Siehe auch Blogbeitrag: Theologe darf nicht über den historischen Jesus schreiben

Informationsquelle: infoCatólica, Monseñor Gil Hellín: «La sociedad española es decadente y enferma de extrema gravedad» und El Pais, El arzobispo desobediente